Michael Tsokos: Zersetzt

616u83sbprlAutor: Michael Tsokos
Titel: Zersetzt
Seiten: 427
ISBN: 978-3-426-51877-9
Verlag: Knaur

Autoren:
Michael Tsokos wurde 1967 in Kiel geboren und ist ein deutscher Rechtsmediziner, sowie Professor an der Charite in Berlin. Er leitet seit 2007 deren Institut für Rechtsmedizin, gleichzeitig auch das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin-Moabit. Tsokos ist zudem ärztlicher Leiter der Gewaltschutzambulanz der Charite.

1998/99 war er im Auftrag des Bundeskriminalamtes an der Exumierung von Massengräbern im Kosovo tätig und half 2004 bei der Identifizierung von Opfern des Tsunamis in Thailand. Er ist Herausgeber mehrerer Fachaufsätze und populärer Sachbücher. Seinen ersten Krimi veröffentlichte er in Zusammenarbeit mit Sebastian Fitzek 2012.

Einordnung:
Dies ist der zweite Band der Serie um den Rechtsmediziner des Bundeskriminalamtes Dr. Fred Abel.

Handlung:
Eigentlich hätte Dr. Fred Abel beim BKA alle Hände voll zu tun. Ein Mordopfer scheinbar ohne Verletzungen weckt düstere Erinnerungen in ihm – an einen sadystischen Psychopathen, der nie gefasst wurde.

Unversehens wird Abel jedoch abberufen zum bisher gefährlichsten Fall seiner Laufbahn: In Transnistrien, einem Pseudostaat von Moskaus Gnasen, warten zwei nahezu komplett zersetzte Leichen auf ihre Identifizierung. Und ein skrupelloser Geheimdienst fordert das „richtige“ Ergebnis – sonst steht nicht nur Abels Leben auf dem Spiel. (Klappentext)

Rezension:
In den Tiefen der menschlichen Seelen tun sich oft bei genaueren Hinschauen die erstaunlichsten Abgründe auf. Nicht anders, die Welt im Obduktionssaal der Gerichtsmedizin. Dr. Abel versucht anhand der Körper der Toden die Todesursachen zu ergründen und bearbeitet mit seinen Kollegen hochbrisante Fälle, die Stadt und Land in Atem halten.

Nicht nur, dass Fälle von Waterboarding in den Gebäuden des deutschen Bundestages die Regierung in Alarmbereitschaft versetzen, zusätzlich landet auch noch eine Leiche auf seinem Obduktionstisch, deren Todesmerkmale ihn unsanft an Begebenheiten seiner Vergangenheit erinnern.

Als Abel dann auch noch zu einer heiklen Mission nach Transnistrien aufbrechen muss, einem Pseudostaat, in dem nicht nur rote Sichelfahnen sondern auch altertümlich grausame Geheimdienstmethoden überlebt haben, sieht sich der Rechtsmediziner plötzlich selbst in einem Kampf gezwungen. Dieses Mal, um sein Leben.

Auch ohne den Erstling gelesen zu haben, schafft man den Einstieg in die Krimi-Reihe sehr gut. Tatsächlich lassen sich die Bücher wohl unabhängig voneinander lesen. Davon unberührt bleibt der flüssige Schreibstil, der im Zusammenhang mit den kurzen Kapiteln das Buch zu einem echten Pageturner macht.

Obwohl die Handlung sich teilweise zu sehr in die Beschreibung politischer Gegebenheiten und rechtsmedizinischer Details verliert. Wobei das auch unter der Rubrik „Berufskrankheit“ des Autoren fallen dürfte und nicht zuletzt der Anlehnung an wahre Fälle aus Tsokos beruflichen Leben geschuldet ist. Ansonsten ist der Thriller, der ausdrücklich das Merkmal True-Crime vom Verlag bekommen hat, packend zu lesen.

Auch, wenn Tsokos‘ Geschichte nicht so ganz unvorhersehbar ist, wie die seines Erstlings im Krimi-Bereich, welchen er zusammen mit Fitzek geschrieben hat. Dennoch, Fitzek-Fans werden auch hier auf ihre Kosten kommen und Fans des Rechtsmediziners, wenn er denn welche hat, sowie so.

Die Protagonisten sind recht schnell sympathisch oder eben nicht, insgesamt herrschen viele Schwarz-Weiss-, erst gegen Mitte der Handlung viele Grautöne vor. Die Vielzahl der Handlungsstränge, die teilweise nur sehr lose miteinander in Verbindung stehen, verwirrt zumindest geübte Leser dieses Genres nicht.

Alle anderen sollten aufpassen und sich konzentrieren, auch wenn das mitunter schlaflose Nächte bereiten kann. Interessant hier, unbedingt das Nachwort zu lesen. Dieses entbröselt dann die Fiktion von der Wahrheit und macht neugierig auf mehr. Denn, Tsokos hat aufgrund seines Berufes schon tausende Leichen gesehen und sicher jede Menge Geschichten zu erzählen.

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