Philipp Multhaupt: Über die Erhabenheit toter Katzen und das Umwerben trauriger Mädchen

ueberdie700web-426x600Autor: Philipp Multhaupt
Titel: Über die Erhabenheit toter Katzen und das Umwerben trauriger Mädchen
Seiten: 139
ISBN: 978-3-95996-013-7
Verlag: periplaneta

Inhalt:
Jan ist vierzehn-oder-so est gern Detektivromane. Unbeachtet von seinen Eltern streift er mit einer Kamera, die er vom Dachboden seines Onkels gestohlen hat, durch seine kleine Stadt und fotografiert tote Katzen. Nebenbei wünscht er sich eine Schrecklich Traurige Freundin.

Als er eines Mittwochs im Erdkundeunterricht Claudias Blick begegnet, scheint sein Wunsch endlich in Erfüllung zu gehen… (Klappentext)

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Neil Smith: Das Leben nach Boo

g-smith-neil-das-leben-nach-booAutor: Neil Smith
Titel: Das Leben nach Boo
Seiten: 414
ISBN: 978-3-89561-496-5
Verlag: Schöffling & Co.
Übersetzerin: Brigitte Walitzek

Inhalt:
Oliver »Boo« Dalrymple ist dreizehn Jahre alt, hochbegabt, wenig beliebt und vor allem tot. Gerade noch hat er an seinem Schulspind gestanden, in das Periodensystem vertieft, da findet er sich im Wiedergeburtsraum eines seltsamen Jenseits wieder.

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Filmblick: Den Sternen so nah

Regie: Peter Chelsom
Drehbuch: Allan Loeb, Stewart Schill, Richard Barton Lewis
Original-Titel: The Space Between Us
Land: USA
Schauspieler: u.a. Gary Oldman, Asa Butterfield, Britt Robertson
Länge: 120 Minuten
Verleih: Tobis
FSK: 6
IMDb.com

Die Wissenschaftler der NASA und ESA spielen schon seit einigen Jahren mit den Gedanken, einen Menschen zum Mars zu bringen und wieder zurück. Eine Reise, die uns heute noh ein abenteuerliches Gedankenspiel scheint, jedoch schon bald Realität werden könnte. Einen kleinen Schritt weiter und wir sind dabei, den roten Planeten urbar zu machen und zu besiedeln.

Die Technik dafür wird heute schon entwickelt, Autoren beschäftigen sich mit diversen Szenarien (Andy Weir „Der Marsianer“ oder T.C. Boyle „Die Terranauten“) und so ist ein weiterer Film mit einer ähnlichen Thematik nicht verwunderlich, beschreibt er doch den Entdecker-, Forschungsdrang und die Abenteuerlust des Menschen schlechthin.

Hier wird eine Crew in zusammenarbeit der NASA und eines privaten Forschungsunternehmen zu einer dieser ersten Mars-Missionen geschickt, allein, die Kommandantin des Teams ist bzw. wird schwanger und muss auf den Mars entbinden, auf den zuvor schon ein anderes Team diverse Kapseln als Behausungen hinterlassen hat.

Sarah Elliot stirbt dabei und hinterlässt einen Jungen, der fortan unter Wissenschaftlern aufwächst. In einer Blase, einen Käfig aus roten Sand und Gestein. Niemand auf der Erde weiß von seiner existenz, um die Marsmissionen und andere Projekte, v.a. der privaten kooperierenden Forschungsfirma, nicht zu gefährden.

Doch Gardner wächst zunächst ohne Probleme als erster Mensch auf, der auf den Mars geboren wurde, chattet mit einem gleichaltrigen Mädchen, Tulsa, und träumt davon, mit ihr auf der Erde zu leben.

Doch, dies ist ein Problem. Sein Herz und seine Lunge würden den Druck auf der Erde, die Atmosphäre nicht aushalten. Gardner setzt sich jedoch durch.

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Nach einigen medizinischen Tests darf er zur Erde fliegen und versucht Tulsa zu treffen, der er seine Herkunft bislang verschweigen musste. Nicht ahnend, dass trotz der Tests sein Körper nicht bereit ist, für ein Leben auf den blauen Planeten. Die Gefahr bricht sich ihre Bahnen.

Ein interessantes Science-Fiction-Szenario, welches die Frage aufwirft, wie weit Wissenschaft gehen und über unser Leben bestimmen darf und auch sollte, gepackt leider, in eine gerade zum Ende hin übermelodramatische Teenager-Romanze, deren Schwülstigkeit kaum zu überbieten ist.

Alleine der hervorragende Cast vermag den Film zu retten und nicht ins zu sehr Kitschige abgleiten zu lassen. Asa Butterfield („Enders Game“, 2013) scheint wie gebucht für Weltraumfilme und Gary Oldman als Wissenschaftler und Unternehmer zwischen den Stühlen spielt sowie so überragend.

Die Bilder lassen einem in Gedanken schwelgen. Ja, genau so und nicht anders, stellt man sich ein Mars-Leben vor (Wunderbar auf die Schippe genommen, wenn Gardner auf der Erde den gleichnamigen Schokoriegel verputzt.) oder die Schwierigkeiten und wundersamen Erlebnisse neue unbekannte Welten zu entdecken.

Der romantische Anteil ist gerade so an der Grenze zum Erträglichen, die Handlung mit ein wenig Biegen glaubwürdig. Die ethischen Fragen, die der Film aufwirft, sind um so interessanter. Wäre der Film 20 oder 30 Jahre früher gedreht worden, man hätte sich nicht einmal ansatzweise dieses Szenario als Wirklichkeit vorstellen können.

Heute ist die Wissenschaft immerhin so weit, ernsthaft über eine bemannte Mission zum roten Planeten nachdenken, sie vielleicht sogar umsetzen zu können. Und wer weiß, vielleicht leben in ein paar Jahrzehnten dann tatsächlich Menschen, nicht die grünen, auf den roten Planeten. Der nächste große Schritt für die Menschheit.

Marie Fredriksson: Listen to my heart – Meine Liebe zum Leben

45025416zAutorinnen: Marie Fredriksson/Helena von Zweigbergk
Titel: Listen to my heart – Meine Liebe zum Leben
Seiten: 239
ISBN: 978-3-8419-0488-1
Verlag: Edel
Übersetzerin: Ulrike Brauns

Inhalt:
Mit Roxette hat Marie Fredriksson die Bühnen der ganzen Welt erobert, ein wahres Märchen, das ihr nach einer entbehrungsreichen Kindheit zuteil wurde. Doch dann stellt ein tödlicher Gehirntumor allen Erfolg in den Schatten und reduziert das Leben wieder auf das Wesentliche.

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Bruno Preisendörfer: Als Deutschland noch nicht Deutschland war

9783869711102Autor: Bruno Preisendörfer
Titel: Als Deutschland noch nicht Deutschland war – Reise in die Goethezeit
Seiten: 518
ISBN: 978-3-86971-110-2
Verlag: KiWi/ Galiani Berlin

Inhalt:
Eine Zeitreise in das deutsche 18. Jahrhundert als es ein Deutschland noch gar nicht gab. Vielmehr gab es viele verschiedene Regionen, Staaten und Städte, ein loses Gebilde voller Grenzen.

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Jorgo Chatzimarkakis: Tagebuch eines griechischen Euro

tagebuch-eines-griechischen-euro-coverAutor: Jorgo Chatzmarkakis
Titel: Tagebuch eines griechischen Euro
Seiten: 191
ISBN: 978-3-95771-073-4
Verlag: Größenwahn Verlag

Inhalt:
Am 08. April 2001 wird um 11:33 Uhr in der staatlichen Münzprägeanstalt Athens eine griechische Ein-Euro-Münze gestanzt. Der monetäre Newcomer beginnt spontan eine Art Tagebuch zu führen, erlebt die Einführung ebenso, wie die damit verbundenen Hoffnungen und Wünsche der Menschen aber auch ihre Sorgen und Nöte.

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Veit Etzold: Skin

Skin Book Cover
Skin Veit Etzold Thriller Bastei Lübbe Erschienen am: 14.07.2016 Taschenbuch Seiten: 415 ISBN: 978-3-404-17375-4

Inhalt:

Ein Schlüssel, der dich zu einem grausigen Fund führt. Ein Video, dessen Bilder du niemals vergessen wirst. Ein Mörder, der deine dunkelsten Ängste kennt… (Klappentext)

Rezension:

Christian König steigt schnell auf in der Tretmühle Unternehmensberatung ECC, bei der er seinen neuen Job beginnt. Von Termin zu Termin, unter Zeitdruck arbeiten er und seine Kollegen am nächsten Großprojekt, einer stauchelnden Bank aus der Krise zu helfen.

Doch, dass ist nicht so einfach. Als einer von seinen Kollegen an der Programmierung einer Excel-Tabelle scheitert, übernimmt Christian diese Aufgabe, meistert sie mit mehr Glück als Verstand und rückt damit auf dessen Platz. Doch, mit dem Erfolg kommt das Grauen. In Form einer E-Mail, einem Link, einem Video. Dieses zeigt eine verwesende Leiche. Erschrocken wendet sich Christian an die Polizei und setzt damit Ereignisse in Gang, die ihn immer näher in den Kreis der Verdächtigen rücken.

Am Ende ist sich der junge Unternehmensberater selbst nicht mehr sicher. Hat er diesen Menschen ermordet?

Abgesehen davon, dass wohl alle Berliner Psychothriller-Autoren Kontakt zu dem Rechtsmediziner Michael Tsokos haben, ist Veit Etzold mit „Skin“ ein interessanter Thriller gelungen, der es in sich hat. Zunächst ziemlich leise dahinplätschernd, wird der Leser in die Karriereschleuder Unternehmensberatung eingeführt, die bei Versagen ein sofortiges Karriere-Aus für die Betroffenen bedeutet.

Anschaulisch beschreibt der Autor diese sehr eigene Welt zwischen Flügen, Bonus-Meilen, ständigen Terminen, schwindender Konzentration und Überstunden, Beruf vor Privatleben und bettet darin eine Geschichte ein, die es in sich hat.

Mit der ersten Kontaktaufnahme Christians mit dem Grauen in Form von zunächst Bildern und Videos, dann immer mehr real Fassbaren (im wahrsten Sinne), gewinnt der Thriller an Tempo. Der Leser wird gleichsam den Protagonisten in einem Strudel gerissen, der kaum durchatmen lässt.

Der Autor weiß vor allem auf den ersten Seiten, von was er schreibt. Der Leser merkt, wie tief Etzold mit dem Thema Unternehmensberatung verbunden ist ubnd für alles andere hat sich der Autor die richtigen Leute zur Beratung geholt.

Man sollte Rechtsmediziner in der Familie und im Bekanntenkreis nutzen und der Leser gewinnt so einige grausige medizinische Kenntnisse in diesem Bereich, die den Nervenkitzel noch einmal erhöhen.

Kurz und prägnant ist der Schreibstil, mit zunehmender Seitenzahl steigt das Lesetempo und die Spannung obwohl die Cliff-Hanger rarer gesät sind als z.B. bei Fitzek. Das Ende ist dafür nicht ganz so verdreht, erst auf den letzten Seiten bekommt man eine Ahnung, wer der Täter ist. Einzig die Figur des ermittelnden Polizisten ist klischeehaft nervig, gerade so an der Grenze, bevor es ins Unerträgliche kippt.

Abgehalftert, durch seine Arbeit desillusioniert und nah dran, die Grenzen dessen, was an Ermittlungstätigkeit überhaupt erlaubt ist, sich zu schnell auf einen Täter fokussierend, wobei in Deutschland immer zuerst die Unschuldsvermutung gilt, findet Etzold immer noch einen Weg, den Polizisten Deckhard gerade so positiv erscheinen zu lassen, dass man schon froh darüber ist, keine ermittelnde skandinavisch-alkohlisierte Fahne vor sich zu haben.

Die Auflösung kommt dann jedoch ein wenig zu schnell. Es hätten der Geschichte noch fünfzig zusätzliche Seiten sicher gut getan. Trotzdem ist „Skin“ ein Thriller, der unter die Haut geht und uns den nächsten E-Mail-Link und das nächste Schließfach mit größter Vorsicht öffnen lässt.

Autor:

Veit Etzold wurde 1973 in Bremen geboren und ist ein deutswcher Schriftsteller. Er studierte Anglistik, Kunstgeschichte, Medienwissenschaften und General Management in Oldenburg, London und Barcelona. Seine Dissertation beendete er im Jahr 2005. Während des Studiums arbeitete er für Medienkonzerne, Banken und Unternehmensberatungen, war zugleich in der Management-Ausbildung tätig.

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit ist er weiterhin als Vortragsredner und Unternehmensberater tätig. 2009 veröffentlichte er zusammen mit dem Rechtsmediziner Michael Tsokos sein erstes Sachbuch, ein Jahr darauf seinen ersten Roman. Er lebt mit seiner Frau, Rechtsmedizinerin, in Berlin.

Roddy Doyle: Henry der Held

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Henry der Held Roddy Doyle Übersetzer: Renate Ort-Guttmann Historischer Roman S. Fischer Taschenbuch Erschienen am: 01.11.2001 Taschenbuch Seiten: 415 ISBN: 978-3-596-15146-2

Handlung:

Ein Roman von Liebe, Hass und Rebellion. Henry ist arm, hungrig und ein wahrer Prachtkerl – der König der Straßen von Dublin. Schon mit vierzehn mischt er beim Osteraufstand 1916 mit. Er ist ein Rebell auf einem gestohlenen Fahrrad, ein Freiheitskämpfer – eine irische Legende. (Klappentext)

Rezension:

Henry ist ein Rotzlöffel von der dreckigen Fußspitze bis zu seinen Haaren, trotzdem schon in jungen Jahren gutaussehend und groß gewachsen. Der in ärmlichen Verhältnissen, vernachlässigt von seinem Vater und immer hungrig, aufwachsende Bengel schlägt sich durch.

Er erkämpft sich im ärmlichen Dublin seinen Platz unter denen, die nach Freiheit von der britischen Besatzung streben und nimmt als einer der jüngsten Kämpfer am Osteraufstand 1916 teil, der zum Fanal Irlands und Dreh- und Wendepunkt in Henrys Leben wird. Fortan bringt er im Auftrag der IRA Menschen um, die sich der republikanischen Idee in den Weg stellen. Britische Soldaten, angestellte Iren, die für die Briten arbeiten, selbst Händler, die ihre Ware an die Besatzung verkaufen, um zu überleben.

Er reist durch’s Land, um für die Sache zu kämpfen, selbst als sich um die Kämpfer der ersten Stunde die Schlinge immer enger zieht und Führer wie De Valera in den Gefängnissen der Briten landen, die das Land vom Dublin Castle aus beherrschen, jedoch immer mehr die Kontrolle verlieren.

Henry macht keine Kompromisse, bildet selbst Kämpfer für die irische Frage aus, sieht viel zu spät, wie auch sein Blatt sich wendet. Immer deutlicher wird sichtbar, dass nicht nur er kämpft, sondern selbst ehemalige Gefährten erbitterte Gegner werden.

Doch, da ist es fast schon zu spät.

Dieser Roman ist einer der Gründe, warum man lieber zu autobiographischen Berichten oder Geschichten a la „Die Ache meiner Mutter“ greifen sollte, anstatt sich der Fiktion hinzugeben, die das Empfinden der Betroffenen nie so gut wiedergeben kann.

Doyle spinnt hier die Geschichte eines chancenlosen Jungen, der nach jeden Strohhalm greift aber alles andere als klug und vor allem weitsichtig handelt. Da ist einem dann doch ein Frank McCourt lieber, der trotz etwas ungewöhnlichen Schreibstils nachovllzieh- und fassbar sein Erleben geschildert hat.

„Henry der Held“ dagegen bleibt auf weiten Strecken alles andere als das. Seitenweise zieht die Handlung sich wie Kaugummi, dann widerum wird der Leser von der Dichte der Geschehnisse derart überrumpelt, dass es nicht zusammenpassen will. Sympathisch ist einem der Hauptprotagonist ohnehin nur an wenigen Stellen. Das reich jedoch nicht für einen ganzen Roman.

Am Ende bleibt nur festzustellen, dass es in Kriegen nie gewinner gibt. Wenigstens das als Erkenntnis und wer ein wenig weiter denkt, dass die irische Frage auch heute noch nicht ganz abgeschlossen ist, wo die Mehrheit der Nordiren doch für einen Verbleib in der EU votierten, den Beschlüssen aber aus London folgen müssen und ohnehin nicht wirklich mit dem katholischen Irland zusammen können.

Trotzdem, der Autor verschenkt hier viel Potential, welches er sicher hat. Sprachlich schön, auch wenn hier nur von der Übersetzung die Rede ist, doch das Besondere eines Frank McCourt erreicht Doyle nicht, wenn gleich beide Autoren zu den irischen Schriftstellern schlechthin zu zählen sind.

Autor:

„Roddy“, eigentlich Roderick Doyle wurde am 08. Mai 1958 in Dublin geboren und ist ein irischer Schriftsteller und Drehbuchautor. Er wuchs als Sohn eines Ausbilders im Druckereigewerbe und einer Krankenhaussekretärin in einem für irische Verhältnisse aufgeschlossenen und liberalen Eltrernhaus aus und lebte in einer Gemeinde mit protestantischen und jüdischen Freunden auf.

Bis Ende der 1990er Jahre arbeitete er als Lehrer für Englisch und Erdkunde, trotzdem er schon 1987 seinen ersten Roman veröffentlichte. Seine Werke beschäftigen sich vor allem mit irischen Figuren und den gesellschaftlichen Verhältnissen auf der Grünen Insel. Mehrere seiner Bücher wurden bereits verfilmt. Doyle lebt mit seiner Familie in Dublin.