Kristina Ohlsson: Papierjunge

Papierjunge von Kristina Ohlsson
Papierjunge von Kristina Ohlsson

Titel: Papierjunge
Autorin: Kristina Ohlsson
Seiten: 572
ISBN: 978-3-8090-2640-2
Verlag: Limes
Überseitzung: Susanne Dahmann

Inhalt:
In der Nacht erwacht er zum Leben, erwählt ein Kind und verschwindet mit seinem Opfer in der Dunkelheit. Der Papierjunge. Eigentlich glaubt niemand an die jüdische Sagengestalt – bis an einem eiskalten Wintertag in Stockholm eine Erzieherin vor den Augen von Schülern und Eltern erschossen wird und wenig später zwei Kinder verschwinden.

Fredrika Bergman und Alex Recht stoßen bei ihren Ermittlungen auf die alte Legende und müssen sich bald fragen, ob der Papierjunge tatsächlich etwas mit den Vorfällen zu tun haben könnte. Ihre Untersuchungen führen Fredrika nach Israel, wo sie mit einem grausamen Verbrechen aus der Vergangenheit konfrontiert wird… (Klappentext)

Autorin:
Kristina Ohlsson wurde 1979 in Kristianstad geboren und arbeitete nach ihrem Studium der Politikwissenschaften im schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium als Expertin für EU-Außenpolitik und Nahostfragen.

Bei der nationalen schwedischen Polizeibehörde ebenso und als Terrorismusexpertin bei der OSZE in Wien. 2009 veröffentlichte sie ihren Debütroman „Aschenputtel“, mit dem ihr der Durchbruch als Autorin gelang.

Die Reihe um die Polizisten Alex Recht und Fredrika Bergman wurde ein internationaler Erfolg. 2013 schrieb sie ihr erstes Jugendbuch, welches ein Jahr später in Deutschland erschien.

Rezension:
Ohne die sonst dem Schweden-Krimi anhängende melnacholische Schwere ist Kristina Ohlsson mit „Papierjunge“ ein faszinierend spannender Krimi gelungen, der es in sich hat, zumal der Leser gleich ins kalte Wasser geworfen wird.

Eingeführt in die Legende des „Papierjungen“ geschehen ein paar Jahrzehnte, ein Kapitel später, die ersten grausamen Morde an zwei zehnjährige Jungen, die fortan das Ermittlerteam um Alex Recht in Atem halten.

Sind sie doch nichts weniger als ein Frontalangriff auf die jüdische Gemeinde in Stockholm, Schweden, einen Land, welches seit über zweihundert Jahren keinen Krieg auf eigenem Boden gesehen hat.

Bald darauf stößt die schwedische Polizei auf eine Mauer aus Legenden, dem Interessensgebieten der Geheimdiensten und verdeckten Operationen und Racheakten, ohne diese durchbrechen zu können.

Die Befragung der Eltern der ermordeten Kinder führ ebenso in Sackgassen, wie die Verfolgung eines Mossad-Agenten, der ganz eigene Pläne hat. Darüber schwebend die Angst, dass der Papierjunge bald wieder zuschlagen könnte. Schließlich tut er es.

Alex Recht und Fredrika bergman stellen sich immer neue Fragen, auf die es keine Antworten, vielmehr noch mehr neue Fragen zu geben scheint, bis sich für die Polizisten aus einer Vernehmung heraus eine heiße Spur ergibt. Doch, der Papierjunge ist schneller.

Ein sich flüssig lesender, spannender Krimi, der die Leser mitnimmt in eine Welt der Legenden udn Intrigen, ins winterliche Stockholm und ins warme Israel.

Im Gegensatz dieser zwei Welten, die eine praktisch an hundertprozentige Sicherheit gewöhnt, geschockt durch den Umstand zweier Morde, die andere, in der Tod, Krieg und Terror beinahe alltäglich sind.

Kristina Ohlsson schafft es, diese Gegensätze glaubwürdig zu verweben und die Konflikte von Geheimdiensten und Behörden zwei so unterschiedlicher Länder darzustellen.

Der „Papierjunge“ wirft die Leser mit ihren Gefühlen hin und her, wie in der Trommel einer Waschmaschine, so dass die Auflösung vielleicht zu überraschen vermag aber in jedem Falle nachdenklich macht.

Wie weit geht ein Mensch, wenn er von Rachegefühlen getrieben wird? Mit welcher Geduld, mit welchen Mitteln? Wo liegen die Grenzen und wann ist die Grenze zwischen politischen und persönlichen Konflikt überschritten? In Israel/Palästina wird sie es jeden Tag. Ihre Erfahrungen als Angestellte im schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium macht sich Ohlsson zu Nutze und verwebt faszinierend Handlungsstränge, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Der Leser wird in die Geschichte eingesogen und muss diese dann selbst entwirren, weiß an einer Stelle mehr als die Ermittler, auf der nächsten Seite dann wieder viel zu wenig.

Ein spannender moderner Krimi, der dem Ruf des Landes, zumindest literarisch eine unglaubliche Vielzahl an Morden und Verbrechen alle Ehre macht.

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