Eroberung

Laurent Binet: Eroberung

Inhalt:

Eine freimütige Wikingerin führt ihre Männer bis nach Südamerika. Mit ihnen gelangt ein Virus dorthin, dass die indigene Bevölkerung dezimiert. Die Wikinger müssen fliehen. Viel später ist Kolumbus nach Amerika unterwegs. Keiner seiner Männer kehrt nach Europa zurück. So kommt es, dass die Inka im 16. Jahrhundert in Portugal landen und Europa erobern. Sie besiegen in Frankreich Karl V. und in Spanien die Anhänger der Inquisition. In Deutschland machen sie Geschäfte mit den Fuggern und nach Luthers Tod werden die „95 Thesen der Sonne“ in Wittenberg angeschlagen. In Mitten der Pestwirren treffen sich der Maler El Greco, der Schriftsteller Cervantes und der Philosoph Montaigne. (Inhaltsangabe nach Verlag)

Rezension:

Die Was-wäre-wenn-Frage gehört zu einer der schwierigsten unter den Historikern, da diese nicht falsch beantwortet werden kann und zu viele Faktoren berücksichtigt werden müssen, dennoch ist sie eine der spannendsten, so man sich mit geschichtlichen Themen beschäftigt. Wir wissen um den Ausgang historischer Ereignisse, um so interessanter sind diese Gedankenspiele. Aus Geschichte muss man ja im besten Falle etwas lernen und mitnehmen können.

Eine dieser Fragen ist diese, was wäre, wenn nicht Kolumbus auf den amerikanischen Kontinent gestoßen wäre, sondern umgekehrt die Urvölker Amerikas Europa angelandet hätten? Hätten sie die Oberhand im gesellschaftlichen Gefüge der damaligen Zeit gewinnen können? Wenn ja, wie lange hätten sie sich halten können und wie sähe unsere Welt heute aus?

Wir wissen, dass es anders kam, doch der Historiker Laurent Binet hat dieses Planspiel zu einem erstaunlichen Roman gewoben, der jedoch viel weiter ausholt. Wissenschaftler sind sich heute einig, dass der Erfolg der Europäer in Amerika u.a. damit zusammenhängt, dass sie Tiere wie Pferde nutzten, das Rad um Dinge über weite Strecken zu transportieren und schon Feuerwaffen kannten. Hier gibt der Autor den indigenen Völkern Amerikas diese Errungenschaften an die Hand, und beginnt so zumindest in seinem Roman einmal die Erfolgsgeschichte umzudrehen.

Der Roman alleine ist am stärksten im Hauptteil dieser aus vier Abschnitten bestehenden Geschichte. Sehr schwach ist der letzte Teil. Durch die beiden zu Beginn stehenden Teile muss man sich einfach durchkämpfen, dann jedoch eröffnet sich ein historisches Szenario, in dem der Autor mit seinem Wissen glänzt, welches er zu Gunsten der Geschichte dem Volk der Inka in die Hände gibt. Die Protagonisten sind zumindest hier feinfühlig ausgebaut, während in den anderen Abschnitten der Entwicklung der Figuren nicht genug Raum gegeben wird. Zu blass bleiben da einige Charaktere, woanders ist das Szenario sehr lückenhaft beschrieben.

Im Hauptteil jedoch entdeckt die Leserschaft Atahualpa und seine Mitstreiter als feinfühlige Entdecker deren vergleichsweise sanfte Eroberung sehr konträr zu den tatsächlichen Geschehnissen in Europa steht und damit zeigt, wie die Geschichte hätte verlaufen können, wenn sie auf Seiten der indigenen Bevölkerung Südamerikas gewesen wäre. Hier versinkt man völlig, was einem in den Seiten zuvor und auch im danach folgenden fast eintönig wirkenden Abschnitt um Cervantes nicht gelingen mag.

Den letzten Abschnitt vollkommen gestrichen, den ersten Abschnitte noch ein wenig mehr Tiefe gegeben und der Hauptgeschichte noch mehr Detailliertheit, wäre dies ein Roman, der im oberen Wertungsbereich anzusiedeln ist. So jedoch ist trotz des sehr interessanten Szenarios nicht viel aus der Geschichte herauszuholen.

Autor:

Laurent Binet wurde 1972 in Paris geboren und ist ein französischer Schriftsteller. Zunächst arbeitete er als Französischlehrer, publizierte im Jahr 2000 sein erstes Buch. Vier Jahre erschien sein zweites, in dem er von seinen Erfahrungen an Pariser Schulen berichtet. Oftmals spielen in seinen Werken historische Szenarien eine Rolle. Für sein Werk über die Eroberung Europas durch das Volk der Inka wurde er 2019 mit dem Grand Prix du Roman der Academie francaise ausgezeichnet.

Michael Pantenius: Die Umsegelung der Welt

Autor: Michael Pantenius

Titel: Die Umsegelung der Welt

Genre: Historischer Roman/Rezensionsexemplar

Seiten: 364

Art: Hardcover

ISBN: 978-3-945424-78-0

Verlag: Morio Verlag

Inhalt:

Im Sommer 1772 bricht James Cook zu seiner zweiten Weltumsegelung auf. Mit ihm an Bord der Resolution sind 112 Männer, darunter der deutsche Naturforscher Johann Reinhold Forster und sein Sohn Georg.

Der Auftrag der britischen Krone lautet: Das sagenhafte Südland muss gefunden werden! Man glaubt seit alter Zeit, es soll das Paradies auf Erden sein. Drei Polarsommer lang kämpfen sich die Männer unter unsäglichen Entbehrungen durch Stürme, Eis und Schnee, immer entlang des 60. Breitgrades.

Gefährlich sind ihre Begegnungen mit den Kanibalen Neuseelands, beeindruckend die mit den Menschen Tahitis und der Kultur auf den von ihnen entdeckten Inseln der Südsee. Doch trotz aller Tapferkeit kommen sie nicht ans Ziel. (Klappentext)

Rezension:

Europa zur Zeit der Aufklärung war vor allem eines, ein Kontinent im Wandel. Kunst und Kultur blühten. Zahlreiche Bauten, Großbauprojekte verschiedener Herrscher entstanden und auch die Wissenschaften machten große Sprünge.

Zugleich versuchten die Nationen einander zu übertreffen. Der Globus sollte erobert, die noch existenten weißen Flecke der Erde endlich kartographiert werden. Länder wie Spanien, Frankreich oder England wollten Kolonien, damit wirtschaftliche und poltische Macht.

Das 18. Jahrhundert war zudem das Zeitalter großer Männer, die im Auftrag ihrer Majestäten zu riskanten, prestigeträchtigen und kräftezehrenden Unternehmungen bereit waren, zu entbehrungsreichen Erkundungsfahrten aufzubrechen und neue Welten zu erobern.

Eine Person sticht dabei besonders heraus, und so setzt der Historiker Michael Pantenius in seinem Roman „Die Umsegelung der Welt“, niemanden Geringeren als James Cooks und seine zweite Erkundungsfahrt der Südhalbkugel in Szene.

In epischer Breite erweckt der Historiker seine Protagonisten zum Leben, dessen Vorbilder Maßstäbe für spätere Erkundungsfahrten setzen sollten und zugleich den Weg bereiten sollten, für die Eroberung der Welt.

Sehr feinsinnig sind die verschiedenen Charakterköpfe ausgearbeitet, wobei natürlich James Cook hervorzuheben ist, sowie der nicht weniger schwierige protagonist, Johann Reinhold Forster, der als deutscher Naturforscher an der Expedition teilnahm, zusammen mit seinem Sohn Georg.

Aus der wechselnden Sichtweise heraus wird dieses große Abenteuer lebendig erzählt. Fast wirkt es so, als wären die Leser selbst mit an Bord der Resolution.

Michael Pantenius hält sich dabei an die Fakten und füllt diese mit Dialogen, wie sie vorgekommen sein könnten,lässt die Konflikte lebendig werden, die entstanden, als man die Mannschaft aus reinen politischen und strategischen Überlegungen heraus zusammenstellte.

Gegensätze und gemeinsame Interessen werden Zeile für Zeile fassbar, wobei keiner der Protagonisten ein wirklicher Sympathieträger wird. Zu schwierig die Charaktere. Der Lesende spürt das Großmachtstreben jener Zeit, jedoch auch Abenteuerlust und Geltungsdrang.

Dies alles ist feinfühlig aufgebaut.

In handlichen Kapiteln, die sich an der vom Schiff James Cooks genommenen Route orientieren, leidet der Leser mit der Crew, erlebt die kleinen Momente des Glücks und der historischen Erfolge.

Dieser historische Roman vermag zugleich als Schnittstelle zum literarischen Sachbuch zu überzeugen.

Ergänzt wird er durch eine Routenkarte der Expedition, sowie einem Glossar, in der historische Begrifflichkeiten erläutert werden, sowie Schifffahrtsvokabeln, die die Dialoge der Protagonisten und den Text durchziehen.

Zudem gibt es biografische Notizen über die realen Vorbilder der Figuren des Romans, sowie ein Quellenverzeichnis, welches die Geschichte ergänzt.

Sehr lesenswert.

Autor:

Michael Pantenius wurde 1938 geboren und ist ein deutscher Buchhändler, Journalist und Schriftsteller. Nachdem er in verschiedenen Berufen, u.a. als Seemann bei der Handelsflotte, tätig war, studierte er zunächst Kulturwissenschaften in Leipzig und wurde in Halle als Historiker promoviert.

Er arbeitete als Werbe- und Presseleiter bei verschiedenen Verlagen, war zehn Jahre lang Feuilletonchef einer Tageszeitung, sowie Cheflektor eines Kinderbuchverlages. Pantenius ist Autor zahlreicher historischer Romane, z.B. über die Mutter Katharinas II., sowie verschiedener Essays, Feuilletons und Reiseführer.