LCB 2018 – Das Sommerfest von Kiepenheuer & Witsch und Galiani Berlin

Zwischen Koffern und Karl May

Die Verlagsschauen finden hierzulande eher in Frankfurt/Main oder in Leipzig statt, doch auch die Hauptstadt hat literarisch einiges zu bieten. Einige Schriftsteller leben und wirken hier, ein paar Verlage haben hier ihren Sitz und unterschlagen darf man auch nicht die Geschichte des literarischen Lebens der Stadt, welches sich weit zurückverfolgen lässt.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass es in Berlin auch Refugien gibt, von denen ausgehend Schriftsteller und Übersetzer gefördert werden, die als Talentschmiede und Werkstatt für Autoren dienen, wie etwa das Haus des Literarischen Colloquiums Berlin.

Seit über 50 Jahren eine Adresse für Literatur. Das Haus des Literarischen Collegiums in Berlin.

Seit über 50 Jahren schon, verschreibt man sich dort dem gedruckten Wort und mittlerweile sind die Sommerfeste, die jeweils von ein bis zwei Verlagen pro Jahr ausgerichtet werden dürfen, legendär. Diesmal waren Kiepenheuer & Witsch aus Köln und Galiani Berlin dran, diesen literarischen Höhepunkt am Wannsee zu gestalten.

Doch, wie es eben so ist, schien die Veranstaltung zunächst einmal ins Wasser zu fallen. Da hat man schon einen vermeintlichen Jahrhundertsommer und oft genug Temperaturen jenseits der Schmerzgrenze, ausgerechnet an den Tag erwischt man Regen. Zumindest am Anfang kam ein wenig davon herunter. Im Laufe des Tages klärte der Himmel aber wieder auf.

Der Andrang war riesig, das Programm klein, jedoch sehr ausgewogen. Auch ich hatte mir viele Punkte herausgesucht und los ging’s dann auch nach einer kleinen Eröffnungsansprache der Verlage.

Der erste Programmpunkt, den ich mir herausgesucht hatte, war die Vorstellung des Kriminalromans „Die fehlende Stunde“ von Dinah Marte Golch, die einen eher psychologischen als typischen Ermittler-Krimi geschrieben, und sich beim Schreiben sehr am Drehbuchstil orientiert hat, der sonst ihre Arbeit bestimmt.

Sie ist nämlich eigentlich Drehbuchautorin für Fernsehreihen, wie etwa der „Tatort“. Und so schreibt sie auch, zumindest, was der erste Vorlese-Eindruck erahnen lässt. Dicht, kompakt, die Handlung scheint rasant zu sein und irgendwie packend ist das ganze auch. Das Publikum hing jedenfalls an ihren Lippen. Ist doch ein gutes Zeichen, oder?

Christian Neidhart (Mod.) im Gespräch mit Dinah Marte Golch.

Weiter ging es mit Peter Littger, der über die Vermischung der deutschen und englischen Sprache redete. Und sein neues Buch vorstellte, was nicht eine amüsante Auseinandersetzung mit dieser Problematik in Schriftform werden wird, sondern eine Bilder-Sammlung von Schildern, die in der Öffentlichkeit ob des Denglischen für den einen oder anderen amüsanten Lacher sorgen könnten.

Interessant, dass er zwar einerseits das Kritische daran sah, andererseits aber auch sich für kreative Wortspiele der Vermischung der beiden Sprachen offen zeigte. Schön, dass man das so locker sehen kann. Diese Sichtweise hat mir gefallen. Ob das Buch es aber auf meine Wunschliste zeigt, weiß ich nicht wirklich.

Das kann man eher von einem anderen sagen. Philipp Schwenke berichtet „Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste“, erfunden von ihm selbst, wie der weltbekannte Schriftsteller Karl May sich einst seine Geschichten zusammensponn. Das ist interessant, witzig und voller eingewobener Informationen, die Karl May hinterher ganz anders aussehen lassen, als der das selbst den Leuten einst glauben machen wollte. Philipp Schwenke ist übrigens nicht nur Autor, er kann auch ganz wunderbar darüber erzählen.

Martin Breitfeld (Mod.) im Gespräch mit Philipp Schwenke.

Von Maxim Biller, der war auch da, weiß ich hingegen noch nicht, was ich halten soll. Das langjährige, jetzt ehemalige Mitglied des Literarischen Quartetts (ZDF) stellte seinen Roman „Sechs Koffer“ vor, las ein paar Seiten und sprach dann lieber mit den Moderator der Veranstaltung sehr zum Amüsement des Publikums. Biller selbst gab sich ganz unprätentiös.

Mit diesen Menschen möchtest du aber nicht sprechen, wenn du anderer Meinung bist. Der Autor, der selbst keine Lesungen sonst gibt, und den auch die anschließende Signierstunde schon zu viel war, so mein Eindruck, ist mit Vorsicht zu genießen. Ich hoffe jetzt einfach mal, dass der Roman meinen Eindruck etwas abmildert.

Maxim Biller, interviewt von Jörg Thadeusz (Mod.).

Tijan Sila hisste indes „Die Fahne der Wünsche“, so zumindest sein neuer Buchtitel. Das Leben junger Menschen in einem fiktiven Staat, der überall auf der Erde sein könnte und welch revolutionäre Kraft ein Flipper-Automat eigentlich hat, besprach er mit so viel Witz und Humor, dass auch das Buch demnächst irgendwann gelesen werden wird. Zumindest habe ich es mir vorsorglich gekauft.

Tijan Sila und Mona Leitner (Mod.).

Kiepenheuer & Witsch und Galiani Berlin begreife ich als Verlage für Bücher, denen man nicht immer unbedingt auf den ersten Blick ansieht, was in ihnen steckt. Das meine ich jetzt im übertragenen und im positiven Sinne. Vor allem aber sind die beiden Verlage sehr politisch. Man positioniert sich, nimmt eine Haltung an.

Das sieht man an den schon genannten Büchern, aber auch schon anderen hier rezensierten, und so war auch Aladin El-Mafaalani zu Gast, der sein Buch „Das Integrationsparadox“ vorstellte und zugleich am Beispiel Kanada zeigte, wie Integration gelingen kann. Ein wichtiges und sicher sehr diskussionswürdiges Buch.

Autor: Aladin El-Mafaalani
Titel: Das Integrationsparadox
Seiten: 240
ISBN: 978-3-462-05164-3
Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Der Anfang des Sommerfestes startete kriminalistisch und so ist es nur folgerichtig, dass das Ende (für mich) ebenso war. Es las Burghart Klaußner aus seinem neuesten Berlin-Historienkrimi, der gegen Ende des Zweiten Weltkrieges genau dort spielte, wo sich mit mir viele andere Lese-Begeisterte versammelt hatten. Am Wannsee, u.a.. Mit Recherche und Witz ist auch hier ein Kriminalroman entstanden, der sich gut lesen lässt. So zumindest mein erster Eindruck.

Burghart Klaußner und Jörg Thadeusz (Mod.).

Und mein letzter von diesem Tag. Danach war mein Kopf schlicht und einfach voll, von Eindrücken. Mein Fazit: Das Haus des Literarischen Colloquiums in Berlin ist ein wunderbarer Veranstaltungsort, wenn auch die Räumlichkeiten und die Plätze auf den doch sehr schönen Gelände viel zu klein sind, um bestimmte Menschenmassen aufzunehmen. Umfallen konnte keiner.

Die Verlage Kiepenheuer & Witsch und Galiani Berlin waren tolle Gastgeber. Es hat mich gefreut, meine Ansprechpartnerin vom Verlag wieder zu treffen, die damit offiziell daran schuld ist, dass ich drei Bücher mit nach Hause nehme, die ich ohne diese Veranstaltung nicht so schnell hätte gekauft. Macht nichts. Ich freue mich ja auch auf den neuen Lesestoff und hoffe, ich komme bald dazu, diesen auch zu wirklich zu lesen.

Ausklang mit Seeblick.

Bis dahin,

Euer findo.

Kiepenheuer & Witsch hat mich zu dieser Veranstaltung eingeladen, daher die Kennzeichnung. Ich gebe hier aber lediglich meine eigenen Eindrücke wieder.

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