Filmblick: Jacques – Entdecker der Ozeane

Regie: Jerome Salle
Drehbuch: Jean-Michel Cousteau, Alberto Falco, Laurent Turner
Original-Titel: l’odyssee
Land: u.a. Frankreich, Südafrika, Kroatien
Schauspieler: u.a. Lambert Wilson, Pierre Niney, Audrey Tautou
Länge: 122 Minuten
Verleih: DCM
FSK: 6
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Als die Menschen noch nicht von allerhand Tierdokumentationen überschwemmt wurden, übten seine Bilder eine ganz besondere Faszination aus. Jacques-Ives Cousteau. Taucher, Abenteuerer, Entdecker. Er machte Hunderttausenden erstmalig eine atemberaubende Welt zugänglich, deren Schönheit alles bisher Gesehene in den Schatten stellte.

Der ehemalige Marineoffizier war schon von klein auf begeistert von der Unterwasserwelt, entwickelte erste Tauchgeräte, u.a. einen Unterwasser-Scooter und eine wasserdichte Kamera und brachte an die Oberfläche, was den meisten Menschen zeitlebens verborgen bleibt.

Jerome Salle ist mit der Verfilmung von Jacques Cousteaus Leben ein Meisterwerk der französischen Filmkunst gelungen. Unter Zuhilfenahme eines von Cousteaus Söhnen beschreibt er ein Leben für die Meere aber auch eines voller Widersprüche.

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Auf Authentizität wurde bei der Verfilmung mehr wert gelegt als es Cousteau selbst bei seinen Dokumentationen an den Tag legte. Gefangene Seelöwen, ein Oktupus unter Drogen gestellt, so lauteten die Vorwürfe, die sich Cousteau zu Lebzeiten gefallen lassen musste. Sein Filmsohn wirft ihn dann auch vor, so zu sein wie „Disney“.

Der Ruhm verändert den Menschen, der von seinen Idealen nur zu leicht abweicht, wenn der Erfolg immer größer wird. Immer mehr wird dann gewollt, immer weniger spielen ursprüngliche Ziele eine Rolle. Salle zeigt dies eindrucksvoll mit seiner hervorragend gewählten Besetzung, die, ein Novum für einen Spielfilm erstmals in der Antarktis drehte. Ein Schauplatz Cousteaus und auch sonst eher nur für reine Dokumentationen.

Doch, der Film zeigt auch, dass es nie zu spät ist, sich zu ändern. So besann sich Cousteau gegen Ende seines Lebens wieder seiner Ideale und baute eine Stiftung auf, die sich für den Schutz der Meere einsetzt und ein Moratorium erreichte, welches gegen den Rohstoffabbau in der Antarktis gerichtet war.

Dieses wird heute wieder von den Anrainerstaaten angefochten aber der Film kann dazu beitragen, uns in Erinnerung zu rufen, dass wir nur diesen einen blauen Planeten haben. Und der sollte es uns wert sein, ihn zu erhalten.

Am Ende kommt der Film, man möchte meinen, so typisch französisch, nicht ohne rührseelige Gefühlsduselei aus. Den Machern aber sei verziehen, da es ansonsten ein solider Streifen ist, der es in sich hat. Die kleinen menschlichen Dramen, Fehler, vermischt mit großartigen Bildern und einer zum Nachdenken anregenden Botschaft. Mehr kann man an sich von einem Film auch nicht verlangen.

Patrick Ness: Sieben Minuten nach Mitternacht

Sieben Minuten nach Mitternacht Book Cover
Sieben Minuten nach Mitternacht Patrick Ness/Siobhan Dowd Roman cbj Verlag Erschienen am: 29.08.2011 Hardcover Seiten: 216 ISBN: 978-3-570-15374-1

Inhalt:
Das Monster tauchte kurz nach Mitternacht auf. Wie das bei Monstern eben üblich ist. Conor war wach, als es kam. Er hatte einen Albtraum gehabt. Na gut, nicht irgendeinen. Den Albtraum. Den einen, den er in letzter Zeit ziemlich oft hatte. Den mit der Finsternis und dem Wind und dem Schrei. Den mit den Händen, die er irgendwann nicht mehr festhalten konnte, egal, wie sehr er sich bemühte. Den, der immer damit endete, dass… (Klappentext)

Rezension:
Wenn man die Spreu vom Weizen trennt, bleibt von der ursprünglichen Menge nur ein kleiner Teil zurück. So ist es auch mit den zahlreichen Veröffentlichungen, die Jahr für Jahr den Büchermarkt erobern und gerade Patrick Ness ist hier mit einem wahrhaft faszinierenden und wunderschönen Juwel zu finden. „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist eigentlich ein Kinder- oder frühes Jugendbuch, sprengt aber alle Altersgrenzen und kann ebenso gut von Erwachsenen gelesen werden. Zu Grunde liegt eine erschütternde und berührende Geschichte.

Die eines Jungen, der Angst vor der Angst hat, sich dieser zu stellen und daran zu zerbrechen. Die eines Monsters, welches Conor, so der Name des dreizehnjährigen Protagonisten, fordert und zugleich auf ihn achtet. Die, einer Familie, die schon längst am Boden liegt und die letzten Züge der Verzweiflung erlebt. Patrick Ness hat sich als Autor die undankbarste Aufgabe vorgenommen, das Werk eines anderen zu beenden.

Siobhan Dowd konnte ihre Geschichte, die schon in Entwürfen existierte, nicht mehr schreiben, da sie vorher von ihrer Krankheit besiegt wurde und so hat der Verlag Ness die Verantwortung übertragen, eine Geschichte zu schreiben, die Dowd gefallen hätte. Eine unmögliche Aufgabe, die in den falschen Händen gelegt, nur schiefgehen kann. Ness aber ist der Kunstgriff gelungen, seinen Respekt vor der Autorin mit seinen eigenen Ideen und schriftstellerischen Talent zu verbinden. das merkt man in jeder Zeile.

Jede Zeile, die uns den Protagonisten näher bringt und begleiten lässt auf den Weg zu seiner Wahrheit. Diese ist emotional und geht unglaublich nahe. Der Leser leidet mit Conor, dessen Charakter und Beklemmung. Schüchternheit und Angst wunderbar herausgearbeitet wurde. Ein Sympathie-Träger, mit den man weinen möchte, den man halten möchte. Man selbst stürzt jedoch mit ihm in die Abgründe der Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren. Vielleicht die größte persönliche Katastrophe, die man erleiden kann.

Der Autor zwingt mit seiner Geschichte, sich mit einer schwierigen Thematik auseinander zu setzen. Für Kinder, die dies lesen, gibt er Berührungspunkte, Erwachsene werden daran erinnert, dass man nie zu alt ist, sich vor diesen Moment zu fürchten. Eine Meisterleistung, ein unglaublicher Spagat.
Vollkommen aber machen die Zeichnungen Nesss‘ bzw. Dowds Roman, den man, dank flüssiger Schreibweise und kurzer Kapitel sowie faszinierender Geschichte, nur so wegliest.

Schwarz-Weiß-Bilder, die mal wie Kohlezeichnungen wirken, mal wie Aquarelle mit modernen grafischen Elementen und alleine für sich besonders sind, die Seiten aber zu einem wahrlichen Eye-Catcher machen. Dieses Kleinod der Literatur sollte man schon besitzen, alleine um es im Regal zu haben. Wer aber eintaucht in die Geschichte, sich von den Zeichnungen vereinnahmen lässt, erlebt einen wunderbaren Roman, der es verdient hat, in Ehren gehalten zu werden.

Eine ernste Thematik so anspruchsvoll und dennoch nicht hochtrabend mit erhobenen Zeigefinger zu verarbeiten, ist hier gelungen. Zu viele andere Bücher aus diesem Bereich sind einfach nur schlechter. Eine Wohltat für den, der diesen Roman liest. Vielleicht sogar um sieben Minuten nach Mitternacht?

Autoren/Zeichner:
Siobhan Dowd wurde 1960 in London geboren und ging nach dem Abitur an die Universität Oxford, wo sie studierte. Danach arbeitete sie als Redakteurin für PEN International und als freischaffende Autorin. 2006 veröffentlichte sie ihren Debütroman, der mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde. Nach drei Jahren Krankheit verstarb Dowd 2007 an Brustkrebs.

Patrick Ness wurde 1971 in Alexandria, Virginia, geboren und ist ein amerikanisch-britischer Journalist und Schriftsteller.Er studierte Englische Literatur an der Universität von Südkalifornien und erstellte nach seinem Abschluss Gebrauchsanweisungen und Formschreiben für eine Kabelfirma. Seit 1999 lebt er in London und arbeitete seit dem an seinem ersten Roman. Er unterrichtete Kreatives Schreiben, arbeitete für eine Tageszeitung als Rezensent. 2014 hielt Ness eine vielbeachtete Rede zu den gesellschaftlichen Anforderungen für Autoren von Kinder- und Jugendliteratur, selbst veröffentlichte er Kurzgeschichten seit 1997.

Im Jahr 2011 vollendete er die Geschichte „Sieben Minuten nach Mitternacht“ von Siobhan Dowd, die 2007 an Brustkrebs verstarb. Beide Autoren hatten sich nie getroffen, jedoch für den selben Herausgeber gearbeitet. Zum gleichnamigen Film, der 2017 erscheint, schrieb er das Drehbuch. Für seine Werke erhielt er zahlreiche Auszeichnungen.

Jim Kay illustriert seit 2015 die Bücher der Harry-Potter-Reihe und arbeitet darüber hinaus für Film, Verlage und Fernsehen.

Federico Axat: Die Verwandlung des Schmetterlings

Die Verwandlung des Schmetterlings Book Cover
Die Verwandlung des Schmetterlings Federico Axat Übersetzerin: Karolin Viseneber Rezensionsexemplar/Roman Verlag LangenMüller Erschienen am: 20.06.2016 Hardcover Seiten: 480 ISBN: 978-3-7844-3399-8

Handlung:
Sam und Billy freune sich auf den langen Sommer: Der Bau ihres Baumhauses und ausgedehnte Fahrradtouren stehen auf den Plan. Doch plötzlich zieht ein neues Mädchen in die Nachbarschaft und mischt ihre Freundschaft gehörig auf – aus dem Duo wird ein Trio.

Gemeinsam wollen sie nicht nur die Ferien genießen, sondern auch Abenteuer erleben und ein großes Geheimnis aufdecken: Was geschah vor über zehn Jahren, als Sams Mutter nach einem Autounfall spurlos verschwand? Für Sam, Miranda und Billy ist es der Sommer ihres Lebens und das Ende ihrer Kindheit. (Klappentext)

Rezension:
Geschichten über die Sommer einer Kindheit funktionieren, da sie immer nachvollzieh- und greifbar sind. Jeder erinnert sich an bestimmte Zeiten gern oder zumindest klar und deutlich zurück, besonders wenn diese voller scheinbarer Abenteuer und interessanten Entdeckungen, spannenden Ereignissen verbunden sind.

Und gerade Sam ist es, der jedes Jahr in das Dorf zurückkehrt, in dem er aufgewachsen ist uind gedanklich diese Zeit durchlebt. Gedanklich geht der Leser mit dem zwölfjährigen Ich des Protagonisten auf diese Reise und erlebt dieses Spannende, Unerklärliche, Faszinierende und Gefährliche. Danach ist für Sam nichts mehr wie zuvor.

Federico Axat zeichnet eine zu Beginn sehr spannende Geschichte mit bekannten Elementen, die auch schon bei Filmen wie „Stand by me“ zum Erfolg führten. Alleine, es passiert nicht viel, muss es auch nicht. Der Stein der Handlung kommt trotzdem schnell ins Rollen.

Auch an die Zeitsprünge gewöhnt man sich nach einigen Hin und Her, vorausgesetzt natürlich einer gewissen Konzentration. Die benötigt der Leser auch.

Zu sprunghaft agieren die Protagonisten, die sich charakterlich klar in Schwarz und Weiss einteilen lassen, soweit man das von Kindern schon behaupten kann und damit auch klar als Sympathieträger wirken oder eben auch nicht.
Doch, der Leser stolpert immer wieder und kann sich nur schwer daran festhalten. Zu stark die Schnitte, die Wechsel zwischen den Abschnitten und Kapiteln, von Logikfehlern einmal ganz abgesehen.

Dennoch fällt dieses Buch keineswegs in die Abgründe der nicht lesenswerten Bücher, da es der Autor immer wieder schafft, spannungsgeladene Elemente aus der Sicht sams immer dann einzusetzen, wenn beim Leser die Stimmung zu kippen droht.

Besonders im letzten Drittel klappt das ganz gut, wobei man sich unwillkürlich fragt, wie sich der Roman wohl im Original lesen lässt? Wie viel Schuld trägt die Übersetzung an die Mittelmäßigkeit des Buches oder kaschiert sie vielleicht auch noch schlimmeres?

Fragen, die einem Sprachunkundigen bleiben werden

Trotzdem hat die Geschichte es geschafft, mich bei Stange zu halten und Sams Abenteuer bis zum Ende zu verfolgen. Kein großer literarischer Wurf, wie schon geschrieben aber als Kindheitserinnerungsgverarbeitungsgeschichte (Was für ein Wort? Wie viele Punkte gibt das bei Scrabble?) taugt es allemal, was aber am Aufbau und der Thematik allgemein liegt. Wem das aber nicht ausreichend ist, wird wohl enttäuscht werden.

Autor:
Federico Axat wurde 1975 in Buenos Aires geboren. Seine Bücher wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. „Die Verwandlung des Schmetterlings“ ist sein erstes Werk, das in Deutschland erscheint. Seine Romane spielen vor allem in den USA, die für einige Jahre seine Wahlheimat waren. Heute lebt er wieder in Argentinien.

Filmblick: Sieben Minuten nach Mitternacht

Filmblick: Sieben Minuten nach Mitternacht

Regie: J. A. Bayona
Drehbuch/Romanvorlage: Patrick Ness
Original-Titel: A Monster Calls
Land: Spanien, USA, GB, Kanada
Schauspieler: u.a. Lewis MacDougall, Felicity Jones, Sigourney Weaver
Länge: 108 Minuten
Verleih: Studiocanal
Filmstart Deutschland: 04.05.2017
FSK: 6
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Suzanne Collins: Die Tribute von Panem – Flammender Zorn

9783789132209Autorin: Suzanne Collins
Titel: Die Tribute von Panem – Flammender Zorn
Seiten: 431
ISBN: 978-3-8415-0136-3
Verlag: Oetinger

Handlung:
Katniss lebt! Schwer verletzt wurde sie von den Rebellen befreit und in Distrikt 13 gebracht. Doch Peeta, der bei den „Hungerspielen“ sein Leben für sie gelassen hätte, ist dem Kapitol in die Hände gefallen.

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Raquel J. Palacio: Wunder

Palacio_24175_MR1.inddAutorin: Raquel J. Palacio
Titel: Wunder
Seiten: 447
ISBN: 978-3-423-62589-0
Verlag: dtv / Hanser
Übersetzung: Andre Mumot

Inhalt:
August ist zehn Jahre alt und lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester Via in New York. August ist schlagfertig, witzig und sensibel. Eigentlich könnte also alles ganz normal sein in seinem Leben. Doch eines trennt August von seinen Altersgenossen: Sein Gesicht ist entstellt, und unzählige Operationen hat er schon über sich ergehen lassen müssen.

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Ransom Riggs: Die Bibliothek der besonderen Kinder

978-3-426-52027-7_druck-jpg-35848300Titel: Die Bibliothek der besonderen Kinder
Autor: Ransom Riggs
Seiten: 541
ISBN: 978-3-426-52027-7
Verlag: Knaur

Inhalt:
Nur knapp sind Jacob und Emma in einer Londoner U-Bahn-Station dem Tod entkommen. Noch überwältigt von Jacobs neuer gabe, begeben sie sich auf eine gefährliche Suche, um ihre Freunde und Miss Peregrine aus den Fängen der Wights zu befreien.

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