Eva Weaver: Jakobs Mantel

978-3-426-30442-6-jpg-30766009Autorin: Eva Weaver
Titel: Jakobs Mantel
Seiten: 394
ISBN: 978-3-426-30442-6
Verlag: Droemer

Inhalt:
New York 2009. Eines tages, während eines Spaziergangs mit seinem Enkel, glaubt der alte Mika auf einem Plakat den Mantel seines Großvaters Jakob zu sehen.

Mit dem Mantel kehrt die Erinnerung an seine Kindheit zurück, an die lange verdrängten Schrecken des Warschauer Ghettos und an seine Rettung. (Klappentext)

Inhalt:
New York 2009. Eines tages, während eines Spaziergangs mit seinem Enkel, glaubt der alte Mika auf einem Plakat den Mantel seines Großvaters Jakob zu sehen.

Mit dem Mantel kehrt die Erinnerung an seine Kindheit zurück, an die lange verdrängten Schrecken des Warschauer Ghettos und an seine Rettung. (Klappentext)

Rezension:
Es ist die Geschichte zweier Menschen, die der Krieg zusammenbringt. Der eine, der Willkür des Anderen ausgeliefert, der Andere kann sich der Faszination seines Gegenübers kaum entziehen. Und es ist die Geschichtezweier Familie, deren Schicksale auf unfassbare und grausame Weise miteinander verwoben sind.

Mika, ein anfangs 15-jähriger Junge ist hier die Hauptperson, erbt einen Mantel, dessen Taschen viele Geheimnisse aber vor allem Handpuppen bergen, die er von seinem Großvater bekommen hat. Im Warschauer Ghetto erkämpft er sich damit ein Stück Freiheit, wird gleichzeitig aber gezwungen, seine Stücke vor den deutschen Soldaten zu spielen.

Er spielt um sein Leben und um das Leben anderer als er sich immer mehr den jüdischem Widerstand anschließt und führt damit die Besatzer und vor allem Max an der Nase herum.

Der widerum ist eben einer der Besatzungssoldaten, die der Krieg zu Tätern macht, der Max hin und wieder ein Stück Brot zusteckt, dann plötzlich kalt, grausam und unberechenbar agiert. Als schließlich die Tage des Ghettos gezählt sind, tauschen einige Puppen den Besitzer, doch die Geschichte beider Protagonisten ist noch lange nicht beendet.

Der erste Teil von Eva Weavers Geschichte, erzählt diese aus der Sicht des Jungen Mika, für den der Leser sofort Sympathie entwickelt. In flotten erdrückenden Schreibstil erzählt die Autorin hier zwar eine rein fiktionale Geschichte, die sich aber tatsächlich so abgespielt haben könnte.

Zumindest nimmt man es der Autorin ab, weiß man doch um die Willkür, der die Juden in den besetzten Gebieten ausgeliefert waren und insbesondere in den Ghettos und Konzentrationslagern nicht zuletzt von den Stimmungen der Nazis abhängig waren, die sie zusammentrieben, einpferchten und deportierten.

Klar und flüssig erzählt, taucht der Leser in die grausame Atmosphäre ein, Gott sei Dank mit dem Wissen, dass der Erzähler, zumindest in der Geschichte, überlebt hat, muss aber ansonsten mit der Schwere und den Wirren des Ghetto-Alltags zurechtkommen. Alleine dafür aber lohnt sich der Roman zu lesen.

Zweiter Teil ist die Geschichte von Mikas Gegenüber, des Wehrmachtssoldaten Max Meierhauser, und das hätte es nicht gebraucht, zumal es aufgrund der Überschneidungen einfach zu Doppelungen kommt, die im Lesefluss stören.

Was anfangs zu viel des Guten ist, wird erst gegen Mitte des zweiten Handlungsstranges interessant als es um das Wiedereingliedern in die Nackriegsgesellschaft geht und auf die letzte Konfrontation mit der Geschichte, durch Max‘ Enkelin, die auf den zuletzt todkranken Mika trifft.

Das wiegt aber die anfängliche Überfrachtung durch die zweite Geschichte kaum auf, schmälert jedoch nicht die erste, die für sich genommen genial ist.

Insgesamt ein anfangs großartiger Roman, der mit zunehmenden Zeilen und Handlungsverlauf jedoch leider viel verliert. Was schade ist. Wäre die Geschichte auf zwei Bücher, dann eben jeweils dünner, aufgeteilt worden, wäre die Wirkung eine ganz andere gewesen.

So aber liest man hintereinander weg und untergräbt damit die Faszination und Genialität des ersten Teils, der einem noch in einem Strudel aus Verzweiflung, Überlebenswillen und Kampf mitreißen mag.Schade eigentlich, denn beide Storys für sich genommen sind ansonsten sehr gut les- und nachvollziehbar.

So aneinandergeklatscht wirkt der Roman auf Vielleser über Geschichten dieser Zeit leider einfach nur mittelmäßig.

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