{"id":2618,"date":"2018-11-19T04:39:05","date_gmt":"2018-11-19T04:39:05","guid":{"rendered":"http:\/\/findosbuecher.com\/?p=2618"},"modified":"2020-05-09T05:13:45","modified_gmt":"2020-05-09T05:13:45","slug":"john-boyne-cyril-avery","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/findosbuecher.com\/?p=2618","title":{"rendered":"John Boyne: Cyril Avery"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Rezension:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irland war vor noch wenigen Jahrzehnten das Armenhaus Europas, in dem  die katholische Kirche noch vor den staatlichen Politikern, mit all  ihren veralteten Moralvorstellungen und Predigten das Sagen hatte und  das Leben der Menschen, besonders in den D\u00f6rfern, bestimmte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohnehin  zerr\u00fcttet durch die st\u00e4ndigen politischen Auseinandersetzungen, gab es  nicht viel, woran sich die einfache Bev\u00f6lkerung orientieren und halten  konnte, doch die angespannte gesellschaftliche Situation lie\u00df  Abweichungen von der Norm nicht zu. John Boyne, einer der gro\u00dfen  irischen Schriftsteller hat sich der Geschichte und vor allem den Wandel  moralischer Vorstellungen angenommen und erz\u00e4hlt die Geschichte seines  Heimatlandes und den gesellschaftlichen Wandel in gro\u00dfen Bildern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erz\u00e4hlen kann der Autor, wie er in unz\u00e4hligen Romanen, allen voran  &#8222;Der Junge im gestreiften Pyjama&#8220; und &#8222;Der Junge auf den Berg&#8220; bewiesen  hat und es ist eine Gro\u00dftat, sich ebenso mit einem entscheidenden Aspekt  der irischen geschichte auseinandergesetzt zu haben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anhand des  Protagonisten Cyril, der von der Mutter gezwungenerma\u00dfen weggegeben wird  und bei Adoptiveltern aufw\u00e4chst, die sich alles andere als solche  verhalten, beschreibt Boyne die Leidensgeschichte derer, die nicht in  das erzkonservative gesellschaftliche Bild passten, die katholische  Kirche und Politik ihrer Bev\u00f6lkerung aufzwangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">John Boyne, der sich in seinen anderen Erz\u00e4hlungen durchaus auf das \nBeschreiben von Coming-of-age-Situationen versteht, misslingt hier der \nerste Teil des Romans, in sofern, dass dieser verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig blass \nbleibt. Frank McCourt hat dies in den Romanen, die er \u00fcber seine \nLebensgeschichte verfasst hat, besser verstanden, berichtete jedoch von \ntats\u00e4chlich Erlebten, w\u00e4hrend Boyne Geschichte erdenken musste. Dieser \nFunke springt jedoch nicht \u00fcber, was dann erst im zweiten Teil passiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Handlungsverlauf versteht sich erst im Mittelteil zu steigern, in\n einer Wucht, die den ersten Seiten nur am Anfang zu Gute kommt, dann \njedoch eine ganze Weile abebbt. Doch, es scheint als habe der Autor erst\n nach mehreren hundert Seiten wirklich in die Geschichte eingefunden und\n so lohnt es sich f\u00fcr den Leser auch, durchzuhalten. Man ist gefangen \nvon der Dynamik der Protagonisten, den Trag\u00f6dien, kurzen Momenten des \nGl\u00fccks, bevor die Figuren dann wieder allzu hart auf den Boden der \nTatsachen gedr\u00fcckt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit allein h\u00e4tte der Roman das Zeug zu einem Meisterwerk, alleine  der Schluss zeigt, dass &#8222;Friede, Freude, Eierkuchen&#8220; und alle verstehen  sich irgendwie, alle kommen miteinander aus oder machen eben ihren  Frieden miteinander im wirklichen Leben zwar w\u00fcnschenswert ist, aber  wann passiert das schon so? Doch, nur in den wenigsten F\u00e4llen und gerade  bei der bewegten Geschichte, die uns Boyne hier erz\u00e4hlt, nehme ich das  ihn nicht ab. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Prise mehr Nachdenklichkeit, weniger Sentimentalit\u00e4t  und eine Spur weniger Anlehnung an John Irving h\u00e4tte der Handlung ganz  gut getan. So ist es dennoch eine Geschichte mit Ecken und Kanten, die  zwar nicht besonders aber dennoch irgendwie im Ged\u00e4chtnis bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">John Boyne wurde 1971 in Dublin geboren und ist ein irischer  Schriftsteller. Nach der Schule studierte er Englische Literatur am  Trinity College in Dublin, sowie Kreatives Schreiben in Norwich.  Zahlreiche seiner Romane wurden ins Deutsche \u00fcbersetzt, bekannt wurde er  einer gr\u00f6\u00dferen Menge mit &#8222;Der Junge im gestreiften Pyjama&#8220; (2006),  welcher zudem verfolt wurde. Boyne nimmt sich in seinen Romanen und  Kurzgeschichten immer wieder gesellschaftlichen und kontroversen Themen  an und war 2013 Jurymitglied im Kinder- und Jugendprogramm f\u00fcr &#8222;Das  au\u00dfergew\u00f6hnliche Buch&#8220; beim Internationalen Literaturfestival Berlin.  Seine Werke wurden in \u00fcber 46 Sprachen \u00fcbersetzt. Boyne lebt in Dublin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rezension: Irland war vor noch wenigen Jahrzehnten das Armenhaus Europas, in dem die katholische Kirche noch vor den staatlichen Politikern, mit all ihren veralteten Moralvorstellungen und Predigten das Sagen hatte und das Leben der Menschen, besonders in den D\u00f6rfern, bestimmte. 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