Planung

Kurzblick: Berlin im Wandel

Alte Pläne faszinieren mich. Ich liebe es, Karten aufzuklappen und mit Augen und Fingern zu erkunden, Orte zu entdecken, die ich aus unserer Zeit heraus kenne oder noch aus dem Geschichtsunterricht in Erinnerung habe, historischen Ereignissen nachzuspüren und einzutauchen in eine Welt, die nicht die meine ist. Für Berlin ist das jetzt möglich. Die Metropole an der Spree ist bei Touristen ohnehin beliebt. Kunst, Kultur und Geschichte sind praktisch auf jeden Quadratmeter erlebbar. Vor kurzem feierte die Serie „Babylon Berlin“ die Zeit der 1920er Jahre so spannend wie nie zuvor, und überdies lassen sich an jeder Ecke spannende Geschichten nachempfinden. Jetzt geht das auch anhand von historischen Stadtplänen.

Kaum eine andere Stadt hat so viel erlebt, wie Berlin selbst und kaum ein ort so viele Veränderungen erfahren. Dies erlebbar zu machen, hat sich der Verleger Gerd Gauglitz, der mit seinem Stadtplänen nicht nur den modernen Berliner versorgt, sondern auch Historisches nachfühlbar macht. In zwei Mappen kommen die insgesamt acht Pläne daher, die eine Stadt im Wandel zeigen.

Titel: „Berlin – Vier Stadtpläne im Vergleich – 1742-1875-1932-2017“
Autor/Verleger: Gerd Gauglitz
4 faltbare Stadtpläne, ein beidseitig bedrucktes Informationsblatt
ISBN: 978-3-933502-44-5
Verlag: Edition Gauglitz

Die erste Mappe, etwas größer als A5 sind sie beide, enthält aufgeklappt die Stadtpläne der Spreemetropole von 1742, 1875, 1932 und 2017. Kommentiert in einem eingelegten Faltblatt, kann man die Entwicklung vom Dorf zur Großstadt beobachten. es wird erklärt, welche städtischen Merkmale und markanten Punkte damals geschaffen wurden, wichtig waren, um bereits ein knappes jahrhundert der Stadtplanung lästig zu werden. Es wird berichtet, was aus der zeit die Wendungen der Geschichte überlebt hat und welche Grundzüge der Stadt heute noch erkennbar sind. Die Stadtpläne lassen sich dabei einzeln aufklappen, leider noch nicht herausnehmen, wie in der zweiten Mappe. Macht aber nichts. Die Aufmachung ist sehr handlich. Eine umständliche Falterei, wie bei manch modernen Stadtplan, der das heutige Berlin zeigt, ist nicht notwendig.

Edition Gauglitz: „Berlin – Vier Stadtpläne im Vergleich – 1742-1875-1932-2017“

Die Stadtpläne sind, wer jetzt auch ein historisches Design erwartet, allesamt modern gehalten. Dies ermöglicht eine schnelle Orientierung und die Schaffung eines guten Überblicks. das moderne Auge muss sich an nichts anderes gewöhnen, als es es etwa von Google Maps kennt.

In der zweiten Mappe dagegen, finden sich die Stadtpläne aus den Jahren 1840, 1953, 1988 und ein Gedankenspiel, Hitlers „Germania“ um 1950. Das gleiche Spiel, bloß kann man die Karten komplett herausnehmen. Sie sind nicht an der Mappe selbst angeleimt und so ist das alles noch handlicher. Fast ist es so, als könnte man sich auf eine Zeitreise begeben und mit diesen Plan durch das Berlin des jeweiligen Jahres gehen. erlebbar wird die Geschichte, wenn man sich etwa an Erzählungen und Berichten über den Volksaufstand 1953 erinnert oder an das letzte Jahr des eingemauerten Westberlins. Auch  hier ist der moderne Look verknüpft mit den historischen Gegebenheiten ein Blickfang. Man bekommt ein Gefühl für die jeweilige Zeit und den Anforderungen der Stadtplanung.

Auch hier ist das ganze wieder in einem separaten Faltblatt kommentiert.

Besonderheit der Ergänzungspläne ist indes der vierte Plan. Der zeigt das Zentrum der Welthauptstadt „Germania“ um 1950, also jenes Hirngespinst Hitlers, welches nach den Plänen der Nazis nach dem Krieg verwirklicht werden sollte. Sogar ein Modell wurde in Teilen schon gebaut, zu sehen im Film „Der Untergang“ und heute in den Räumen des Vereins Berliner Unterwelten e.V. . Ein Großteil davon blieb, Gott sei Dank, unverwirklicht. Nur einzelne Gebäude aus dieser Zeit gibt es noch heute. Was die Nazis der historischen Bausubstanz Berlins angetan hätten, lässt sich hier nachvollziehen.

Titel: „Berlin Ergänzungspläne – Vier Stadtpläne im Vergleich -1840-1953-1988 und 1950 ‚Germania‘ „
Autor/Verleger: Gerd Gauglitz
4 herausnehmbare Stadtpläne, ein beidseitig bedrucktes Informationsblatt
ISBN: 978-3-933502-45-2
Verlag: Edition Gauglitz 

Gerd Gauglitz hat in dieser Edition Geschichte nachfühl- und erlebbar gemacht und zumindest gedanklich mit den Finger auf den Stadtplan eine Zeitreise ermöglicht. Vom Dorf zur Metropole, in all seinen Facetten und Wandlungen, wird nicht nur die Zeit des „Babylon Berlin“ erlebbar. Für Geschichtsfans und Liebhaber von alten Plänen und Interessenten an Architektur und historischen Ereignissen, sind diese beiden handlichen Mappen ein unbedingtes Muss. Viel Spaß also, bei der nächsten Zeitreise.

Ergänzung, vom 17.12.2019

Berlin – Geschichte des Stadtgebiets in vier Karten 1806-1920-1988-2020

Inzwischen wird diese interessante Reihe übrigens fortgeführt, so dass mir nichts anderes übrig bleibt, als den von mir geschriebenen Beitrag zu ergänzen, was ich natürlich gerne tue.

Die neue Ausgabe kommt ebenso wie ihre Vorgänger in einer Mappe mit eingebundenen Faltplänen daher, die wieder einmal die Metropole an der Spree in unterschiedlichen Entwicklungsstadien zeigen. Diesmal sind es eher Bezirks-Übersichtspläne als konkrete Stadtpläne, die die Entwicklung der Stadtgrenzen noch besser verdeutlichen. Vor allem, was das rasante Wachstum, die Eingemeindungen und die Industrialisierung für den Berliner Raum bedeuteten, sieht man hier, in dieser Zeitreise.

Beigelegt ist hier ein mehrseitiges Faltblatt mit Kommentaren zur Einordnung, wie auch schon bei den Vorgänger-Ausgaben.

Berlin – Geschichte des Stadtgebiets in vier Karten 1806-1920-1988-2020
Autor/Verleger: Gerd Gaugliz
4 eingebundene, faltbare Stadtpläne, ein beidseitig ausklappbares Informationsblatt
ISBN: 978-3-933502-46-9
Verlag: Edition Gauglitz

Rafael Kühn: Die 24 Stunden von Berlin

Die 24 Stunden von Berlin Book Cover
Die 24 Stunden von Berlin Rafael Kühn NOTschriften Erschienen am: 13.03.2017 Seiten: 160 ISBN: 978-3-945481-49-1

Inhalt:

Ein scheinbar islamistischer Bombenanschlag erschüttert Berlin. Erste Ermittlungen ergeben, dass drei weitere verborgene Sprengsätze am nächsten Morgen detonieren werden.

Während die Verantwortlichen in Polizei und Politik harte Entscheidungen treffen müssen, kommt der ermittelnde Kommissar Mertens dem wahren Plan der Attentäter auf die Spur – und ihm bleiben nur wenige Stunden, um eine noch viel größere Katastrophe zu verhindern… (Klappentext)

Rezension:

Innerhalb von Sekunden scheint das Leben in der quirligen Metropole still zu stehen. Eine Explosion in einer S-Bahn, die gerade in die Haltestelle einfährt, inmitten von Berlin, scheint die schlimmsten Befürchtungen wahr werden zu lassen.

Nun ist auch Berlin Ziel eines Terroranschlages geworden und in der Bevölkerung herrschen Angstzustände, die das Grausamste in den Menschen zum Vorschein kommen lassen. Mittendrin, Kommissar Mertens, der zufällig am Ort des Anschlags zugegen ist und damit unmittelbar zum Kreis der Ermittler gehört, die in den nächsten Stunden versuchen müssen, schlimmeres zu verhindern.

Denn, obwohl ein Attentäter schnell gefasst wird, scheint bald klar, es gibt noch mehr Bomben. Irgendwo in der Metropole, die praktisch gepflastert ist mit sich lohnenden Anschlagszielen.

Ein Thriller, der mit leisen Tönen beginnt, schnell Fahrt aufnimmt und mit seinem Erzähltempo ohne Irrwege auf den Punkt kommt. Dies ist der neue Thriller von Rafael Kühn, der sich zuvor als Drehbuchautor einen Namen gemacht hatte.

Bezeichnend, veröffentlicht wurden „Die 24 Stunden von Berlin“ genau drei Monate nach dem ein Terroranschlag die lebendige Metropole an der Spree erschüttert hatte.

Doch, anders als in der Realität, wo die Ermittlungsbehörden und der Staat einen kühlen Kopf bewahrten, von Fehlern und nachrichtendienstlichen, sowie behördlichen Pannen einmal abgesehen, die aber zuerst keine Rolle spielten, entwirft hier der Autor ein Szenario von Fehlentscheidungen, die die Entscheidungsträger in Politik und bei den Ermittlungsbehörden durchaus auch hätten treffen und damit Deutschland in eine noch viel größere Katastrophe hinein manövrieren können.

Ein Szenario, ganz nach dem Geschmack eines gewissen Boulevard-Blattes, ein Was-wäre-wenn-Spiel, welches Gott sei Dank im Dezember 2016 so nicht eingetroffen ist.

Doch, Rafael Kühn nimmt eben diesen Gedanken auf. Was wäre, wenn die ermittelnden Behörden bei ihrer Suche nach möglichen weiteren Tätern oder Bomben nicht vorankommen würden? Wie weit würden sie gehen, um diese zu finden?

Und, wenn alle herkömmlichen Methoden scheitern oder zu viel Zeit kosten würden, wären Foltermethoden denkbar, um Geständnisse zu bekommen, die zur Aufklärung beitragen können? Was klingt, wie die Verhörmethoden von CIA und FBI, wird hier in Gedanken durchgespielt.

Siegt der Zwang, unbedingte Kontrolle erhalten zu müssen, über gewissen, Moral und Wertevorstellungen, die unser Land zusammenhalten?

Am sympathischsten unter den Protagonisten sind ausgerechnet die Figuren des Bundeskanzler Veits und des Hauptkommissar Mertens. Allen anderen Protagonisten mag man Karrierismus oder zumindest eine gewisse Portion Kalkül unterstellen.

Einerseits, zusammen mit dem Szenario, sehr positiv, hat man doch das Gefühl eine Art Konzept für ein Drehbuch in den Händen zu halten. Als kleiner Kurzthriller macht er sich gut, doch dadurch das nicht alle Figuren tiefergehend betrachtet werden, fehlt etwas.

Aufgrund des Tempos aber müssen zwangsläufig einige Ausarbeitungen auf der Strecke bleiben, die ich mir hier gewünscht hätte.

So bleibt im Kopf ein Szenario, welches zum Glück für Berlin nicht zur Gänze wahr geworden ist, da hier die Ermittlungsbehörden, unter anderen Voraussetzungen natürlich, einen anderen Weg gegangen sind.

Hoffen wir, dass sie auch weiterhin bei künftigen Ereignissen nicht mit dem Kopf durch die Wand gehen, sondern überlegt handeln. Rafael Kühns Thriller ist zumindest ein Plädoyer dafür (und damit dann doch dem Bouleward-Blatt ein Schnippchen schlagend) und alles in allem, mit ein paar Abstrichen, gelungenes Autorendebüt.

Autor:

Rafael Kühn wurde 1978 in Dresden geboren und realisierte ab 1998 als Drehbuchautor und Regisseur zahlreiche Kurzfilme. 2008 verzeichnete er mit „Das Verhör“ sein Spielfilmdebüt. „Die 24 Stunden von Berlin“, ist sein erster Thriller in Buchform, welches 2017 erschien.