Nordpol

Hampton Sides: Die Polarfahrt

Die Polarfahrt Book Cover
Die Polarfahrt Hampton Sides mare Erschienen am: 01.10.2019 Seiten. 576 ISBN: 978-3-86648-243-2 Übersetzer: Rudolf Mast

Inhalt:

Der Nordpol galt als Problem, als Ende der Welt und ungelöstes Geheimnis. Ein blinder Fleck auf den Landkarten. Ein verrückter Zeitungsverleger, auf der Jagd nach Sensationsgeschichten, kaufte ein Schiff, erkor einen Kapitän und schickte 1879 dreiunddreißig Männer ins Eis, die die Theorie eines offenen Polarmeeres überprüfen sollten.

Doch, die USS Jeanette blieb im Packeis stecken. Fortan kämpfte die Besatzung des Schiffes um ihr Überleben. Meilenweite Märsche über das gefrorene Meer, Schneeblindheit, Erfrierungen, Stürme und Hunger brachten die Mannschaft an ihre physischen und psychischen Grenzen. Hampton Sides erzählt ihre Geschichte. (abgewandelter Klappentext)

Rezension:

So unscheinbar, wie sie wirkt, diese Welt aus Schnee, Fels und Eis, so unverzeihlich geht sie mit begangenen Fehlern um. Es ist eine scheinbar endlose und abweisende Gegend, die Nordpolarregion, gerade deswegen ungeheuer fasznierend.

Hampton Sides ist eingetaucht in die Gegend umbarmherziger Kälte und hat sich auf Spurensuche begeben. Herausgekommen dabei ist ein faszinierender und facettenreicher Bericht über die wohl eindrücklichste und vom grausigen Schicksal verfolgte Erkundungsexpedition, die es in diese Gegend verschlagen hat.

Vor wenigen Jahrhunderten noch war gänzlich wenig über die kälteste Region des Erdballs bekannt, und der Drang sich zu beweisen war besonders bei den Männern der damals noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika besonders groß.

Es ist hier die Geschichte junger Offiziere und Naturforscher, Ärzte und Meteorologen, aber auch eine Erzählung unglaublicher menschlicher Kraft und großer Pionierleistungen, die der Autor zu Tage gefördert und dicht recherchiert eine geeignete Plattform gibt.

Eindrückklich wird geschildert, wie groß das Verlangen bei den Männern dieser Generation, die in Zeiten kurz vor der Elektrifizierung der Infrastruktur, der Erfindung der Glühbirne und wegweisenden Maschinen, wie die Dampfmaschine, sich zu beweisen und welche Bedeutung die Erkundung der letzten weißen Flecken auf den Landkarten für die Menschen hatte.

Intensiv begleitet der Leser auf Grundlage von Briefen und Tagebuchaufzeichnungen, ausführlich geschildert, die Vorbereitungen zu einer Expedition, die dann doch sprichwörtlich im Eis stecken bleiben musste.

Geschildert wird die Auswirkungen von Sensationsgier, schon damals als es noch keine anderen Medien als Zeitungen gab, und welche fatalen Folgen kleinste Fehler schon bei der Planung haben konnten, zudem welchen Gefahren Entdecker damals auf noch unbekannten Terrain ausgesetzt waren.

Das alles wird klar und deutlich, kurzweilig und über die Maßen so spannend geschildert, wie nur wahre Geschichte sein kann. Hier merkt man in jeder einzelnen Zeile, die intensive Rechercheleistung von Hampton Sides, der den Weg in die Katastrophe und für zu wenige Teilnehmer der Expedition wieder hinaus, beschreibt.

Durchsetzt und aufgelockert wird dieses Sachbuch mit den Fotos aller Teilnehmer dieser Polarfahrt und Karten auf den Innenseiten des Buchdeckels.

Die hochwertige Aufmachung und die erzählte, gut recherchierte Geschichte, deren Expeditionsmitglieder für die künftige Kartographie und Naturforschung trotz Scheiterns wichtige Erkenntnisse brachten, ist es wert, erfahren und weiter verbreitet zu werden.

Der Leser wird dem Leid der Besatzung der USS Jeanette so nachempfinden können, als wäre er selbst Mitglied dessen, auf das es einem kalt den Rücken hinunter laufe. Eine unbedingte Empfehlung, die außerhalb des Eisschrankes gelesen und gut sichtbar in jedes Regal gehört.

Autor:

Hampton Sides wurde 1962 in Memphis/Tennessee geboren und ist ein US-amerikanischer Historiker, Autor und Journalist. Er schloss sein Geschichtsstudium an der Yale University ab und hielt danach Gastvorlesungen an verschiedenen Institutionen der USA.

Er ist Berichterstatter für die Zeitschrift „Outside“ und arbeitet für das „National Geographic Magazine“, sowie verschiedenen großen Zeitungen, u.a. die „The Washington Post“. Er ist Autor mehrerer Bücher mit geschichtlichen Themen und lebt mit seiner Familie in Santa Fe/New Mexico.

Filmblick: Operation Arktis

Regie: Grethe Boe-Wall
Drehbuch: Grethe Boe-Wall
Original-Titel: Operasjon Arktis
Land: Norwegen
Schauspieler: Leonard Valestrand Eike, Ida Leonora Valestrand Eike, Kaisa Gurine Antonsen
Länge: 87 Minuten
Verleih: Eurovideo
FSK: 6
IMDb.com

Auf den Schulhof gedemütigt, setzt sich der achtjährige Sindre gegen einen älteren Mitschüler zur Wehr und muss erleben, dass seine ältere Schwester ihm nicht zu Hilfe kommt. Die plagt zwar das schlechte Gewissen, will aber vor ihren Freunden nicht als Babysitter dastehen.

Nach der Prügelei hauen die Kinder, Sindre und seine Zwillingsschwester, gefolgt von der großen Schwester Julia, ab und verstecken sich auf einem Landeplatz in einem Hubschrauber, der planmäßig ins nördlich gelegene Stavanger fliegen soll.

Dort arbeitet ihr Vater als Pilot. Doch, der Hubschrauber wird zu einem Noteinsatz gerufen, um einen verletzten Forscher zu helfen. Plötzlich finden sich die Kinder auf einem verlassenen Eiland in Spitzbergen wieder.

Dort finden sie in einer verlassenen Hütte Schutz, doch müssen sie bald feststellen, dass die Essensvorräte knapp bemessen sind, hungrige Eisbären und unberechenbare Schneestürme ihr Leben bedrohen.

Zu Hause sucht man inzwischen fieberhaft nach den drei Kindern, während die Situation auf der kleinen Insel immer brenzliger wird. Als die Vorräte zur Neige gehen und Sindre erkrankt, scheint alle Hoffnung verloren.

Die Geschichte in Kurzform erzählt, klingt spannender als die Umsetzung tatsächlich über den Bildschirm flimmert. Tatsächlich haben die Norweger wie die Skandinavier allgemein an sich ein gutes Händchen für Familienfilme, schießen hier jedoch den Vogel oder besser, den Eisbären ab.

Überdrehte bis ins Mark nervende Kinder, die in der realen Wildnis wohl keine Minute überleben würden, raufen sich hier zusammen und schaffen das Unglaubliche, zu überleben und mit mehr Glück als Verstand den Gefahren der Arktis zu trotzen.

Natürlich soll hier nicht der Wahrheitsgehalt der Geschichte eine Rolle spielen. Kinder sollen schließlich ihre eigenen Abenteuer haben und dabei träumen dürfen, auch in unmöglichen Situationen bestehen zu können. Ist ja auch in Ordnung.

Doch, man muss schon mehr als ein Auge zu kneifen, um z.B. die Tatsache zu akzeptieren, dass die Gören sich auf einen Flugplatz ungemerkt von den Erwachsenen einschleichen und schließlich in einen Hubschrauber verstecken können, der nebenbei bemerkt, vollbesetzt mit Erwachsenen ist.

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Dazu dann noch die unmögliche Situation mit dem Eisbären, dem real wahrscheinlich ein Prankenhieb genügt, um solch kleine Kreaturen auszuknocken aber das kann man auch keinen Kind antun.

So bleibt „Operation Arktis“ ein bildgewaltiger Abenteuerfilm für Kinder, der aber schon bei den Kindern im Spielalter der ältesten Hauptdarstellerin nicht ankommen dürfte. Zumal deren schauspielerische Leistung nicht gerade doll ist, wie auch ihr kleines Pendant.

Einzig der Junge Leonard Valestrand Eike spielt erträglich. Immerhin ein Lichtblick am norwegischen Polarhimmel.

Die Skandinavier haben schon Besseres für den heimischen Filmmarkt geleistet. Man denke nur an die Serie „Trio“ oder aber „So finster die Nacht“, kinderfreundlicher „Storm“.

Filme wie „Operation Arktis“ fallen dann einfach qualitativ aus den Rahmen. Hoffentlich nur ein Ausrutscher. Achtjährigen Zuschauern dürfte der Film dann trotzdem gefallen. Für ältere funktioniert das jedoch nicht. Leider.