Vea Kaiser: Rückwärtswalzer

Inhalt:

Drei Tanten, ein toter Onkel, ein Drittel-Life-Crisis-geplagter Neffe und eine tragikomische Reise durch die Jahrzehnte von Wien bis nach Montenegro.

Voller Witz, Verve und Herzenswärme erzählt Vea Kaiser in ihrem neuen großen Roman von einer Familie aus dem niederösterreichischen Waldviertel. Von drei ungleichen Schwestern, die ein Geheimnis wahren, von Bärenforschern, die die Zeit anhalten möchten, von glücklichen und tragischen Zufällen und davon, wie die Seelen der Verstorbenen die Lebenden auf Trab halten. In ihrer unnachahmlichen Art verwebt sie die Wahrheiten alter Mythen mit der Gegenwart und erschafft ein mitreißendes und unvergessliches Familienepos. (Klappentext)

Rezension:

Roadmovies sind weder auf der Leinwand noch zwischen zwei Buchdeckeln etwas wirklich Neues, um so mehr müssen sich die Schreiber solcher Werke anstrengen, um im Gedächtnis zu bleiben. Ob dies gelingt, weiß man oft erst nach der Lektüre, denn eine solche Erzählung wirkt, der Natur der Sache geschuldet, nur als Ganzes.

Dazu kommt, dass man dem Schreiber jede Zeile abnehmen können sollte und erst dann, wenn man ein solches stimmiges gesamtbild vorfindet, ist dies als gelungen zu bezeichnen. Vea Kaiser ist dies mit „Rückwärtswalzer“ gelungen.

Im Zentrum stehen vier liebevoll gezeichnete, im Laufe der Geschichte, sich vertiefende Protagonisten, die den Lesern Zeile für Zeile an’s Herz wachsen. Detailliert beschreibt die Autorin aus wechselnder Erzählperspektive den Werdegang ihrer Figuren durch die Zeitgeschichte vergangener Jahrzehnte, bis hinein ins heutige Wien, der Wandel auf den Weg zum Ziel mit inbegriffen.

Die Figuren hängen ihren Gedanken nach, jeder für sich allein, doch irgendwie zusammen und so ergibt sich aus vielen Einzelteilen ein stimmiges Gesamtbild.

Die Entscheidungen der einzelnen Figuren werden aus der Vergangenheit heraus begründet. Feinsinnig hat Vea Kaiser hier die Fäden gehalten; keinen verloren, was auch nicht jedem Autoren gelingt, und als Handlungsstränge letztendlich stimmig zusammengeführt.

Mit Wortwitz und einer gewaltigen Prise Humor treibt sie die Handlung fort und fast wirkt es so, als säße man mit im Wagen, nur um einen Verstorbenen seinen letzten Willen erfüllen zu können. Kurzweilige und vor allem handliche Kapitel tragen mit so manchen Cliffhanger die Handlung voran. Unterhaltung im besten Sinne.

Keine der Figuren geht auf die Nerven, vielmehr muss man über die schrulligen Eigenheiten der Protagonisten schmunzeln. Erwähnenswert sind hier die Referenzen zur römischen Mythologie, die zugleich titelgebend sind und auf diese immer wieder Bezug genommen wird. Manen sind die römischen Totengeister, denen man als Nachfahre der Verstorbenen nicht zu entkommen vermag. Das Studium der Autorin macht sich hier bemerkbar.

Dabei ist dieser Roman weder traurig oder so sehr melancholisch, dass es einem stimmungstechnisch mit hinunter zieht, sondern so witzig, dass man die eine oder andere Eigenschaft an sich und anderen Menschen wiedererkennen wird. Alleine, dafür schon ein großes Lob.

Vea Kaisers Roadtrip der Familie Prischinger ist Unterhaltung in Reinform und macht Lust auf mehr. Ob nun in Wien, Montenegro oder anderswo.

Autorin:

Vea Kaiser wurde 1988 in St. Pölten geboren und ist eine österreichische Schriftstellerin. Sie arbeitete zunächst als Übersetzerin und Fremdenführerin, studierte von 2007 an Klassische und Deutsche Philogie mit Schwerpunkt Altgriechisch in Wien.

Nachdem sie zudem Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus studierte wurde 2014 ein von ihr geschriebenes Theaterstück in Wien uraufgeführt. 2012 erschien ihr erster Roman, zudem schreibt sie Kolumnen für verschiedene Zeitungen. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin lebt in Wien.

Vea Kaiser
Rückwärtswalzer
Seiten: 432
ISBN: 978-3-462-05142-1
Kiepenheuer & Witsch

Marian Grau: Bruderherz

51xflzqbqylAutor: Marian Grau
Titel: Bruderherz – Ich hätte dir so gern die ganze Welt gezeigt
Seiten: 208
ISBN: 978-3-95910-143-1
Verlag: Eden Books

Autor:
Marian Grau wurde 2002 geboren und lebt mit seinen Eltern bei Stuttgart. Als er neun Jahre alt war, stirbt sein älterer Bruder Marlon, der an der Stoffwechselkrankheit Morbus Leigh erkrankt war. Ein Weg dies zu verarbeiten ist für Marian das Reisen, um Städte, Länder und Kontinente für sich und Marlon zu erschließen.

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Filmblick: Operation Arktis

Regie: Grethe Boe-Wall
Drehbuch: Grethe Boe-Wall
Original-Titel: Operasjon Arktis
Land: Norwegen
Schauspieler: Leonard Valestrand Eike, Ida Leonora Valestrand Eike, Kaisa Gurine Antonsen
Länge: 87 Minuten
Verleih: Eurovideo
FSK: 6
IMDb.com

Auf den Schulhof gedemütigt, setzt sich der achtjährige Sindre gegen einen älteren Mitschüler zur Wehr und muss erleben, dass seine ältere Schwester ihm nicht zu Hilfe kommt. Die plagt zwar das schlechte Gewissen, will aber vor ihren Freunden nicht als Babysitter dastehen.

Nach der Prügelei hauen die Kinder, Sindre und seine Zwillingsschwester, gefolgt von der großen Schwester Julia, ab und verstecken sich auf einem Landeplatz in einem Hubschrauber, der planmäßig ins nördlich gelegene Stavanger fliegen soll.

Dort arbeitet ihr Vater als Pilot. Doch, der Hubschrauber wird zu einem Noteinsatz gerufen, um einen verletzten Forscher zu helfen. Plötzlich finden sich die Kinder auf einem verlassenen Eiland in Spitzbergen wieder.

Dort finden sie in einer verlassenen Hütte Schutz, doch müssen sie bald feststellen, dass die Essensvorräte knapp bemessen sind, hungrige Eisbären und unberechenbare Schneestürme ihr Leben bedrohen.

Zu Hause sucht man inzwischen fieberhaft nach den drei Kindern, während die Situation auf der kleinen Insel immer brenzliger wird. Als die Vorräte zur Neige gehen und Sindre erkrankt, scheint alle Hoffnung verloren.

Die Geschichte in Kurzform erzählt, klingt spannender als die Umsetzung tatsächlich über den Bildschirm flimmert. Tatsächlich haben die Norweger wie die Skandinavier allgemein an sich ein gutes Händchen für Familienfilme, schießen hier jedoch den Vogel oder besser, den Eisbären ab.

Überdrehte bis ins Mark nervende Kinder, die in der realen Wildnis wohl keine Minute überleben würden, raufen sich hier zusammen und schaffen das Unglaubliche, zu überleben und mit mehr Glück als Verstand den Gefahren der Arktis zu trotzen.

Natürlich soll hier nicht der Wahrheitsgehalt der Geschichte eine Rolle spielen. Kinder sollen schließlich ihre eigenen Abenteuer haben und dabei träumen dürfen, auch in unmöglichen Situationen bestehen zu können. Ist ja auch in Ordnung.

Doch, man muss schon mehr als ein Auge zu kneifen, um z.B. die Tatsache zu akzeptieren, dass die Gören sich auf einen Flugplatz ungemerkt von den Erwachsenen einschleichen und schließlich in einen Hubschrauber verstecken können, der nebenbei bemerkt, vollbesetzt mit Erwachsenen ist.

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Dazu dann noch die unmögliche Situation mit dem Eisbären, dem real wahrscheinlich ein Prankenhieb genügt, um solch kleine Kreaturen auszuknocken aber das kann man auch keinen Kind antun.

So bleibt „Operation Arktis“ ein bildgewaltiger Abenteuerfilm für Kinder, der aber schon bei den Kindern im Spielalter der ältesten Hauptdarstellerin nicht ankommen dürfte. Zumal deren schauspielerische Leistung nicht gerade doll ist, wie auch ihr kleines Pendant.

Einzig der Junge Leonard Valestrand Eike spielt erträglich. Immerhin ein Lichtblick am norwegischen Polarhimmel.

Die Skandinavier haben schon Besseres für den heimischen Filmmarkt geleistet. Man denke nur an die Serie „Trio“ oder aber „So finster die Nacht“, kinderfreundlicher „Storm“.

Filme wie „Operation Arktis“ fallen dann einfach qualitativ aus den Rahmen. Hoffentlich nur ein Ausrutscher. Achtjährigen Zuschauern dürfte der Film dann trotzdem gefallen. Für ältere funktioniert das jedoch nicht. Leider.

David Klass: Wenn er kommt, dann laufen wir

978-3-401-50018-8Autor: David Klass
Titel: Wenn er kommt, dann laufen wir
ISBN: 978-3-401-02769-2
Seiten: 325
Verlag: Arena

Handlung:
Fünfeinhalb Jahre lang haben Jeff und seine Eltern sich in dem kleinen Küstenstädchen mühsam ein neues Leben aufgebaut – da wird Jeffs Bruder Troy aus dem Gefängnis entlassen. Als begnadigter Mörder kehrt er in die Familie zurück, die Eltern wollen ihm eine zweite Chance geben.

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