Ermittlung

Samantha Harvey: Westwind

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Westwind Samantha Harvey Atrium Verlag Erschienen am: 18.09.2020 Seiten: 383 ISBN: 978-3-85535-077-3 Übersetzer: Steffen Jacobs

Inhalt:

England, 1491. In dem kleinen, abgelegenen Dorf Oakham bereitet man sich gerade auf die bevorstehende Fastenzeit vor, als eines Nachts ein Unglück geschieht. Thomas Newman, der wohlhabendste und einflussreichste Mann im Ort, wurde von der Strömung des Flusses mitgerissen.

Ein paar Tage später taucht seine Leiche auf. War es ein Unfall, Mord oder Selbstmord? Dies herauszufinden, obliegt dem örtlichen Priester John Reve. Während sich durch die Beichten der Dorfbewohner langsam ein Porträt der Gemeinde zusammensetzt, kommen immer dunklere Geheimnisse ans Licht. Die Schuldfrage wird immer dringlicher. (abgeänderte Inhaltsangabe)

Rezension:

Szenarien bietet die Epoche des finsteren Mittelalters genug, so dass Fans historischer Romane sicher genug Auswahl haben. Die Themen sind so vielfältig, wie die historischen Figuren, selbst, wenn man frei schreibend, sich nicht an tatsächliche Geschehnisse orientiert.

So oder ähnlich hätte es ablaufen, die Stimmung unter den Protagonisten sein können. Dieses Gefühl mit einer Geschichte bei der Leserschaft zu wecken, dabei zu unterhalten, sollte das Ziel sein. Gelingt das, ist alles gut. Und dann gibt es noch Romane, wie den vorliegenden von Samantha Harvey.

Historische Romane bieten Platz für das ganz große Kino, was man rein, den Klappentext betrachtend, erwarten darf. Ein Priester in Konfrontation mit dem Glauben, die Dorfbewohner durch den Tod eines Menschen verunsichert, der am wenigsten dafür prädestiniert zu sein schien.

Ausufernde Intrigen, temporeiche, sich überschlagende Spannungsmomente und die Düsternis der Zeit. Auf diese freut man sich, nach dem Lesen der Inhaltsangabe, der ersten Zeilen, die aus der Sicht des Hauptprotagonisten geschrieben sind. „Westwind“, bietet jedoch allenfalls nur Schmalspur.

Gleichsam wie das beschriebene Dorf ist auch in dieser Erzählung alles mehrere Nummern kleiner. Spannungsmomente können ihre Wirkung kaum eine Seite lang halten, so dass das Tempo dem eines vor sich hin plätschernden Baches gleicht.

Das ist auf der Strecke ermüdend, zumal nur die Hauptprotagonisten einigermaßen vielschichtig sind, während der Rest der Figuren relativ farblos erscheint. Die Stimmung, die Samantha Harvey erzeugen wollte, kommt hier nicht auf, zudem das Ende mich unbefriedigt zurückgelassen hat.

Liegt es am Hintergrund des gestalteten Protagonisten, dem Szenario, der Idee dahinter? Nein, aber Sprache bedingt Wirkung, Spannungsbögen halten Lesende bei der Stange. Beides setzt die Autorin auf’s Spiel, zudem hier mehr Zwiespalt innerhalb der Figurenkonstellationen gepasst hätte und vielleicht noch die eine oder andere Verwicklung mehr.

Mit dem vorliegenden hätte man weniger Seiten besser füllen können. Unter historischer Spannungsliteratur stelle ich mir anderes vor, auch als detektivischer Roman, angesiedelt im Mittelalter, ist mir das zu dünn. Leider.

Autorin:

Samantha Harvey wurde 1975 geboren und ist eine englische Autorin. Zunächst studierte sie Kreatives Schreiben und Philosophie, bevor sie ihren ersten Roman im Jahr 2009 veröffentlichte. Kreatives Schreiben unterrichtet sie zudem an der Bath Spa University, wo sie als Dozentin tätig ist.

Harvey wurde mehrfach ausgezeichnet und erhielt u.a. den AMI Literature Award. Im Jahr 2010 wurde sie von The Culture Show zu einer der zwölf besten neuen britischen Schriftstellerinnen ernannt.

Donato Carrisi: Mila Vanquez 4 – Enigmas Schweigen

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Enigmas Schweigen Reihe: Mila Vanquez – 4 Thriller Erschienen am: 24.07.2020 Seiten: 375 ISBN: 978-3-85535-078-0 Übersetzer: Susanne Van Volxem/Olaf Matthias Roth

Inhalt: Auf einem einsamen Bauernhof weist alles auf einen brutalen Mord an einer ganzen Familie hin – nur von den Leichen fehlt jede Spur.

Kurz darauf wird ein Verdächtiger festgenommen, doch der am ganzen Körper mit Zahlen tätowierte Mann, den die Medien bald „Enigma“ nennen, schweigt hartnäckig. Auf Drängen ihrer früheren Vorgesetzten übernimmt die ehemalige Polizistin Mila Vasquez die ermittlungen. Sie findet heraus, dass Enigmas Tätowierungen Koordinaten in einem ominösen Videospiel darstellen. Und als sie ihnen folgt, stößt sie auf eine geheimnisvolle wie gefährliche virtuelle Schattenwelt, in die sie immer tiefer hineingezogen wird… (Klappentext)

Bücher der Reihe:

Donato Carrisi: Mila Vanquez 1 – Der Todesflüsterer

Donato Carrisi: Mila Vanquez 2 – Die Totenjägerin

Donato Carrisi: Mila Vanquez 3 – Diener der Dunkelheit

Donato Carrisi: Mila Vanquez 4 – Enigmas Schweigen

[collapse]

Rezension:

Einfach und dennoch ausgeklügelt, setzte das System Enigma, welches zur Verschlüsselung von Nachrichten im Zweiten Weltkrieg seitens der Deutschen verwendet wurde, Maßstäbe und beeinflusste vor der Entkodierung mitunter entscheidend den Kriegsverlauf. Auch heute noch ist dieses Grundprinzip Bestandteil vieler Programme zur Absicherung von Nachrichten und so ist es nicht verwunderlich, dass zumindest die Idee dahinter Eingang in die Kriminalliteratur findet.

Hier, fulminant umgesetzt im mehrdeutigen Titel „Enigmas Schweigen“, des italienischen Schriftstellers Donato Carrisi.

Ausgangssituation ist der Mehrfachmord an einer Familie auf einem einsamen Gehöft, auf dem sich die zuständigen Ermittler keinen Reim machen können. Der Täter ist zwar schnell gefasst, die Opfer sind jedoch zunächst unauffindbar. Nur ein unbeschreibliches Chaos und viel Blut zeugen von der brutalen Tat, Motiv und Hergang bleiben unklar.

Die Lösung sehen die Ermittler in der ehemaligen Kollegin Mila Vasquez, die sich vor über einem Jahr aus dem aktiven Dienst zurückgezogen hatte, um nun ebenso einsam und abgeschieden mit ihrer Tochter zu leben, wie die Opfer selbst. Für die einstige Polizistin liegen die Anhaltspunkte buchstäblich auf der Haut des Täters. Ein rasant mörderisches Spiel beginnt, dem sich Vanquez nicht entziehen kann.

So viel zum Inhalt, dieses aus der Perspektive der Hauptprotagonistin geschriebenen Thrillers, der schon mit den ersten Seiten zunächst vorhersehbare, dann immer mehr überraschende Wendungen aufweist und ein sich stets steigendes Erzähltempo, welches der Autor nutzt, um die Düsternis der Atmosphäre zu verdeutlichen.

Dabei sind erstaunlich wenig Logikfehler angefallen, tatsächlich fallen diese jedoch nicht ins Gewicht, so dass sie beim Lesen schnell in Vergessenheit geraten. Der Wechsel der Erzählorte, ob diese nun die reale oder virtuelle Welt umfassen, trägt ebenso zum Spannungsaufbau bei, was mitunter von anderen AutorInnen bereits viel schlechter umgesetzt wurde. Donato Carrisi hat hier jedoch das richtige Maß gefunden.

Die Darstellung konkurrierender Ermittler, sowie der Wechsel zwischen Solo-Protagonistin und Team überzeugt. Carrisi konzentriert sich hier nicht auf ein Protagonisten-Schema, um dies so zu formulieren, sondern verwebt geschickt mehrere Ebenen. Festgestellt sei auch, dass man diesen Band ohne die Vorgänger zu kennen, sehr gut lesen kann.

Nur das Notwendige, was man als lesende Person unbedingt wissen muss, im Privatbereich der Ermittelnden kommt zur Sprache. Überfrachtet wird hier nichts.

Und dies ist vielleicht zugleich die einzige Schwäche im Erzählstil. Mehrere Szenen hätte ich mir persönlich etwas ausführlicher gewünscht, da Carrisi gut schreiben kann und weiß, an welchen Stellen bei diesem klassischen Thriller er zupacken kann.

Rein von diesem Band ausgehend, lohnt es sich, die Reihe zu verfolgen und um weitere Werke in das Lese-Repertoire aufzunehmen.

Autor:

Donato Carrisi wurde 1973 geboren und ist ein italienischer Schriftsteller und Drehbuchautor. Zunächst studierte er Rechtswissenschaften in Rom, spezialisierte sich dabei auf Kriminologie und Verhaltensforschung und beschäftigte sich dabei mit Serienmördern, was ihn später zu seinem ersten Thriller inspirierte. Nach dem Studium arbeitete er zunächst als Anwalt, wandte sich jedoch der Schriftstellerei zu und schrieb diverse Drehbücher für Film und Fernsehen.

Sein erster Thriller wurde 2010 ins Deutsche übersetzt, ein Jahr zuvor wurde Carrisis Debütroman mit dem Premio Bancarella ausgezeichnet. Der Autor lebt frei arbeitend in Rom, schreibt zudem Kolumnen für den Corriere della Sera.

Peter Englund: Mord in der Sonntagsstrasse

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Mord in der Sonntagsstrasse Peter Englund Rowohlt Erschienen am: 21.04.2020 Seiten: 336 ISBN: 978-3-7371-0016-8 Übersetzerin: Maike Barth

Inhalt:

Stockholm, 1965. Der Mord an einer jungen Frau, der für die Ermittler zuerst wie ein Selbstmord aussah, löst die größte Polizeiaktion in der Geschichte des Landes aus.

Peter Englund, Histoiriker und Erzähler, schildert hochspannend einen wahren Kriminalfall und lässt gleichzeitig eine ganze Epoche, ihre Brüche und Spannungen mitsamt den Gespenstern aus der Vergangenheit lebendig werden. (Klappentext)

Rezension:

Auf eine florierende Wirtschaft gestützt richteten sich die Schweden in ihrem Sozialstaat ein, der schon bald nach dem Krieg zum Vorbild für die europäischen Nachbarn werden sollte. Die Politik schien den Spagat geschafft zu haben, zwischen der kommunistischen Utopie und den Verheißungen des Kapitalismus.

Im größten Land Skandinaviens lebte man gut in den 1960er Jahren, nach Jahren der Entbehrungen. Kaum vorstellbar war es da, dass ein grausames Verbrechen Stockholm und Umgebung in Atem halten sollte. 1965 aber, geschah genau das.

Nach einem Urlaub wurde die junge Schwedin Eva Marianne „Kickan“ Granell in ihrem Haus tot aufgenommen, doch zunächst deutete nichts auf ein grausames Gewaltverbrechen hin. Die ersten untersuchenden Polizisten zogen dann auch schnell ab, doch sollte dieser Vorfall die schwedischen Ermittler jahrelang in Atem halten.

Wie konnte so etwas geschehen? Warum kam eine junge, durchaus nicht unerfolgreiche Frau ums Leben? Vor allem, wer war der Mörder? Der Historiker und Journalist Peter Englund schlüsselt einen der mysteriösesten Kriminalfälle Skandinaviens auf.

In seinem Sachbuch „Mord in der Sonntagsstrasse – Geschichte eines Verbrechens“, schildert der Autor minutiös, wie geschah, was nicht sein durfte. In einer Zeit, in der Computertechnologie noch nicht den Ermittlern zur Hilfe gereichte und die Spurenlage zunächst mehr als dürftig war, beschreibt Englund das Vorgehen der eingesetzten Kommission um den erfahrenen Polizisten G.W. Larsson, ihre Suche in alle Richtungen, und wie es ihnen gelang, einen aussichtslosen Fall aufzudröseln.

Anhand von Interviews mit Zeitzeugen, Ortsbegehungen, alten Zeitungsberichten und einsehbarer Akten zeichnet der Autor das Bild einer Gesellschaft kurz vor ihrem Umbruch und eine Tat, die die Schweden in ihren Grundfesten erschütterte.

Die Kapiteleinteilung folgt dabei dem Täter von der Begehung des Verbrechens, bis zu dessen Festnahme und Aufklärung. Immer wieder lassen Notizen des Täters am Anfang der einzelnen Abschnitte Einblicke in dessen abstruses Gedankengebilde zu, welche sich abwechseln mit den Schilderungen des Lebens von Kickan Granell, der Ermittlungsarbeiten und den gesellschaftlichen Zuständen im größten Land Skandinaviens.

Englund zeigt, mit welchen Einfallsreichtum selbst kleinsten Spuren nachgegangen wurde und in wie fern auch die Charakterzüge der am Fall arbeitenden Beamten dazu beitrugen, diesen Kriminalfall zu lösen, aber auch, vor welchen Schwierigkeiten sich die Stockholmer Polizei gestellt sah.

Entstanden ist die Dokumentation eines packenden Stückes schwedischer Kriminalgeschichte in all ihren Einzelheiten.

Mit einigen Längen, der Autor lässt die Verzweiflung der Polizisten auch seine Leser spüren, zeichnet dieses Sachbuch im Bereich True Crime einen Mordfall nach, der damalige schwedische Utopisten, die von einer neuen Gesellschaft träumten, nicht hätte sein dürfen und zumindest die Atmospäre des betroffenen Stockholmer Vorortes für immer veränderte.

Der Autor folgt den Täter auf seinen Weg zum Mord und den Ermittlern auf den ihren zu dessen Ergreifung. Der Leser wird indes sein Bild von Skandinavien korrigieren müssen, wie auch die Zeitgenossen des Opfers Kickan Granell das Land im hohen Norden Europas plötzlich anders sehen mussten.

Autor:

Peter Englund wurde 1957 im schwedischen Ort Boden geboren und ist ein skandinavischer Historiker und Schriftsteller. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er Archäologie, theoretische Philosophie und Geschichte, arbeitete danach im Nachrichtendienst der schwedischen Armee.

1988 veröffentlichte er ein Buch über die Schlacht bei Poltawa, ein Jahr danach promovierte er mit einer Untersuchung des Weltbilds des schwedischen Adels im 17. Jahrhundert. Danach war er als Journalist und Korrespondent für verschiedene Zeitungen in Kriegs- und Krisengebieten tätg, veröffentlichte zahlreiche historische Werke und war u.a. Kommentator für Dokumentationen im schwedischen Fernsehen.

Seit 2009 war er Mitglied der Schwedischen Akademie, die den Nobelpreis vergibt. Ein Amt, welches er is 2015 innehatte. Mehrere seiner Werke wurden in rund zwanzig Sprachen übersetzt.

Veit Etzold: Clara Vidalis 7 – Blutgott

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Blutgott Reihe: Clara Vidalis – 7 Rezensionsexemplar/Thriller Knaur Taschenbuch Seiten: 410
+ Leseprobe, nächstes Buch
ISBN: 978-3-426-52408-4

Inhalt:

Als in ganz Deutschland plötzlich außergewöhnlich brutale Morde geschehen -verübt überwiegend von Minderjährigen, die in Gruppen zuschlagen-, schrillen beim LKA Berlin sämtliche Alarmglocken.

Klar ist: Es muss einen Zusammenhang zwischen den taten geben. Völlig unklar ist jedoch, wo die Ermittler mit der Suche beginnen sollen. Bis Hauptkommissarin Clara Vidalis und ihr Team im Dark Web auf einen Mann stoßen, der sich nur „Blutgott“ nennt – und seine Anhänger in blutigen Videos zu „slash mobs“ auffordert, Gruppenmorden nach seinem Vorbild… (Umschlagtext)

Reihenfolge der Bücher:

Veit Etzold: Clara Vidalis 1 – Final Cut

Veit Etzold: Clara Vidalis 2 – Seelenangst

Veit Etzold: Clara Vidalis 3 – Todeswächter

Veit Etzold: Clara Vidalis 4 – Der Totenzeichner

Veit Etzold: Clara Vidalis 5 – Tränenbringer

Veit Etzold: Clara Vidalis 6 – Schmerzmacher

Veit Etzold: Clara Vidalis 7 – Blutgott

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Rezension:

Immer brutaler, immer gewalttätiger und immer plastischer scheinen die Beschreibungen der Taten zu werden, die Dreh- und Angelpunkte der Thriller in den Bücherregalen werden, so ist auch der neue Band um Kriminalhauptkommissarin Clara Vidalis nichts für zarte Gemüter.

Veit Etzolds neuestes Werk, welches man unabhängig von den vorangegangenen Bänden lesen kann, schickt die Berliner Ermittlerin diesmal quer durch Deutschland, welches von einer brutalen Reihe an Morden aufgeschreckt wird.

Grausam und Vidalis ein Rätsel aufgebend, die Mörder sind allesamt minderjährig, somit kaum beizukommen und laufen damit unter dem Radar des Strafrechts. Was zunächst wie unabhängig von einander verlaufende Taten aussieht, bekommt schnell eine Verbindung. Die Symbolik an Tatorten und Sprache der einsilbigen Jugendlichen sprechen für sich.

Bald ist klar, ein sich als „Blutgott“ bezeichnender Täter fordert von seinen Jüngern immer neue, immer grausamere Opfer. Dem Berliner Ermittlerteam rennt die Zeit davon. Klar ist, es wird nicht nur bei den bisherigen Taten bleiben. Doch, wie einem Strippenzieher beikommen, den nicht einmal den nicht einmal die Täter selbst direkt kennen?

Wer dem bluroten Pfad folgen muss, der muss ihm folgen.

Aufruf des Täters in Veit Etzolds „Clara Vidalis 7 – Blutgott“.

Während Etzolds letzter Einzelband im vergleichsweise ruhigen Tempo daherkommt, ist hier die Schnelligkeit der dicht aufeinander folgenden Ereignisse kaum zu überbieten. Tatsächlich scheint der Autor seine gesamten Befürchtungen und Ängste in diese Reihe hineinzupacken, was er in den als Einzelgeschichten angelegten Büchern eher dosiert tut.

Und so seien all diejenigen gewarnt, die zu viel Gewalt, besonders, wenn Kinder und Jugendliche die Hauptprotagonisten spielen, wobei sie hier die Täter sind, nicht ertragen, zudem Blut nicht sehen können. Die Gewalthandlungen werden in „Blutgott“ sehr plastisch wiedergegeben.

Die Protagonisten sind sowohl auf Täter- als auch Opferseite sehr detailreich ausgearbeitet. Das Privatleben der ermittelnden Personen spielt fast gar keine Rolle. In sofern kann man diesen von anderen Bänden getrennt lesen. Wo es Hinweise auf vergangene Fälle gibt, wird per Fußnote auf den entsprechenden Teil verwiesen. Das spielt jedoch für das Verständnis der Handlung keine Rolle.

Der Autor spricht gesellschaftlich immer wieder heiß diskutierte Themen an. So ist hier die Schuldfähigkeit von Kindern und Jugendlichen Dreh- und Angelpunkt- Ebenso wird die Beeinflussung und Manipulation von Minderjährigen in ihrer extremsten Form auf das Papier gebracht.

Entstanden ist ein ereignisreiches Werk mit, sagen wir einmal, sehr kreativ ermittelnden Beamten, deren Methoden nicht weniger außergewöhnlich sind als die der Täter. Dennoch fallen hier keine groben Logikfehler auf, wobei Etzold es durchaus geschafft hat, zahlreiche Cliffhanger zu verweben.

Der in Berlin und Umgebung, mit Ausflügen in ganz Deutschland spielende Thriller hat einen Spannungsbogen, der keinen tiefen Fall kennt. Tatsächlich verliert der Autor kein Wort zu viel.

Der Schluss hätte bezogen auf die Kontinuität sogar noch ausführender und brutaler ausfallen können, wobei sich der Autor dann wahrscheinlich hätte um sein Lektorat Sorgen machen müssen. Immer wieder auch erstaunlich, dass Lesern mehr zugetraut wird, als Fernsehzuschauern zugemutet.

Wer nicht so zart besaitet ist, kann „Blutgott“ lesen. Allen anderen sei das Abschließen der Räume empfohlen und ans Herz gelegt, es sich drei Mal zu überlegen. Man weiß ja nie. Eine Sache jedoch stößt mir noch auf, die Art und Weise, wie inzwischen auf neue oder weitere Werke zunehmend aufmerksam gemacht wird.

Es ist natürlich legitim, neue Wege in Kontakt mit den Lesern zu suchen und auch Leseproben anzuhängen. Doch, gleich fast fünfzig Seiten? Dass ist länger als eine übliche Leseprobe vielleicht sein sollte und damit praktisch schon Magnet genug, den dort angebissenen Band sich auch zuzulegen. Muss das sein?

Autor:

Veit Etzold wurde 1973 in Bremen geboren und ist ein deutscher Schriftsteller, zudem Hochschullehrer für marketing. Nach seiner Ausbildung studierte er Anglistik, Kunstgeschichte, Medienwissenschafen und General Management in Oldenburg, London und Barcelona.

Im Jahr 2005 promovierte er in Medienwissenschaften. Neben Belletristik verfasst er Sachbücher in diesem Bereich. An der Hochschule Aalen unterrichtet er Storytelling, marketing und Positionierung. 2010 wurde sein erster Thriller veröffentlicht.

Bei Bastei Lübbe und Droemer Knaur erfolgten weitere. Bekannt ist er für seine Reihe um die Berliner Kriminalkommissaren Clara Vidalis. Etzold lebt in Berlin.

Marcus Schwarz: Wenn Insekten über Leichen gehen

Wenn Insekten über Leichen gehen Book Cover
Wenn Insekten über Leichen gehen Marcus Schwarz Droemer Erschienen am: 01.04.2020 Seiten: 288 ISBN: 978-3-426-30214-9

Inhalt:

Als Kinder beim Spielen im Wald eine Leiche finden, weist alles auf ein Mord hin. Da der genaue Todeszeitpunkt entscheidend ist, wird der forensische Entomologe Marcus Schwarz gerufen, um die Frage zu klären: Wie lange lag die Leiche schon dort?

Immer öfter gelingt es dem Insektenforscher, spektakuläre Fälle aufzuklären: War es Selbstmord? Und was verraten ihm die Fliegen, die immer als Erste am Tatort sind? (Klappentext)

Rezension:

Immer öfter findet bei der Ermittlung das große Krabbeln zu Füßen von Polizei und Staatsanwlatschaft Beachtung, können Insekten doch dazu dienen, den Tat- und Todeszeitpunkt bei Mordfällen einzugrenzen. Und so berichtet der forensische Entomologe Marcus Schwarz von diesem, hierzulande noch seltenen Zweig der Ermittlungsarbeit in seinem neuen Buch.

Was bei der Draufschau wie ein Part britischer oder amerikanischer Crime-Serien anmutet und dort zum Standard-Repertoire der Arbeit von Polizisten bei Mordfällen gehört, ist hierzulande ein relativ junger Zweig für die ermittelnden Beamten am Tatort.

Um so interessanter, dass auch in Deutschland immer mehr auf die Hilfe von Insekten in allen Stadien gesetzt wird, wenn es darum geht, den Todeszeitpunkt zu bestimmen oder die Liegezeit einzugrenzen. In seinem hoch brisanten Sachbuch berichtet der Autor anhand von wahren Fällen von seiner Arbeit, zeigt, welch entscheidende Rolle seinen Untersuchungen zukommen kann.

In kurzweiligen Kapiteln, klärt Marcus Schwarz zunächst, wie seine Arbeit abläuft, auf welche Eier, Larven, von welchen Insekten er achtet und was Funde derer über die entscheidenden Fragen aussagen, die sich bei der Tatortbegehung stellen. Er richtet sich dabei nicht nur an die kriminalistisch interessierten Laien, mit „Wenn Insekten über Leichen gehen“ an die Beamten vor Ort. Lobbyarbeit für einen relativ unbekannten und zuweilen geschmähten Zweig der Rechtsmedizin.

Was können uns bestimmte Fliegenarten oder Käfer erzählen, Wespen oder Ameisen am Fundort der Leiche? Wie wird Entomologie im Bereich Kriminalistik in Amerika im Gegensatz zu Deutschland betrieben und können Maden dazu beitragen, die Unschuld eines Verdächtigen zu beweisen?

Kenner des Genres True Crime werden trotz Anonymisierung auf bekannte Fälle stoßen, doch nimmt der in ganz Deutschland agierende Entomologie vor allem auf das kriminalistische Geschehen im Raum Leipzig Bezug, seinem Haupteinsatzgebiet.

Mitunter sehr detailreich schildert er seine Vorgehensweise, in einem spannenden und zugleich informativen Schreibstil, in relativ kurzweiligen Kapiteln. Zusammen mit Zeichnungen seiner vielbeinigen Helfer ergibt sich so ein ungewöhnlicher Blick, der Ermittler helfen soll, ihre Sinne zu schärfen und die Leser bewusst werden lässt, dass der Tod nichts Abschließendes mit sich bringt.

Für die Natur ist er nur ein Festbankett, aus dem die Ermittler entscheidende Erkenntnisse ziehen können. Guten Appetit.

Autor:

Marcus Schwarz wurde 1987 geboren und studiete zunächst Forstwissenschaften in Dresden, bevor er sich der Entomologie zuwandte. In Leipzig arbeitet er am Institut für Rechtsmedizin als forensischer Entomologe und hilft mit seinen Kenntnissen deutschlandweit der Polizei und Staatsanwaltschaft. Zusätzlich bildet er Polizisten und Studenten innerhalb seines Fachgebiets aus.

Andreas Gößling: Kira Hallstein 3 – Rattenflut

Rattenflut Book Cover
Rattenflut Reihe: Kira Hallstein – 3 Rezensionsexemplar/Thriller Droemer Knaur Hardcover Seiten: 528 ISBN: 978-3-426-52502-9

Inhalt:

Offiziell ist Kira hallstein vom LKA Berlin beurlaubt – inoffiziell arbeitet sie für eine geheime Sondereinheit von Europol. Ihre Aufgabe: alles zu unternehmen, um das weltweit agierende Menschenhandels-Kartell „Die Bruderschaft“ endlich zu Fall zu bringen.

Eine Kinderkrebsklinik in Berlin scheint zum Netz der Bruderschaft zu gehören, und Kira ist es gelungen, Kontakt zu einem der Pfleger aufzunehmen. Doch bevor sie etwas Nützliches erfahren kann, wird der junge Mann bei einem fingierten Raubüberfall brutal ermordet… (Klappentext)

Reihenfolge der Bücher:

Andreas Gößling: Kira Hallstein 1 – Wolfswut

Andreas Gößling: Kira Hallstein 2 – Drosselblut

Andreas Gößling: Kira Hallstein 3 – Rattenflut

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Rezension:

Im Jahr 2012 erschütterte ein Missbrauchskandal unvorstellbaren Ausmaßes die britische Öffentlichkeit und nicht zuletzt die angesehene Fernsehanstalt BBC.

Immer mehr ehemalige Opfer meldeten sich mit erschreckenden Vorwürfen zu wort, der zuvor verstorbene ehemalige Moderator und Discjockey Jimmy Savile, habe sie als Kinder und Jugendliche unter Ausnutzung ihrer Hilflosigkeit sexuell und körperlich missbraucht. Scotland Yard sollte von Savile als den „schlimmsten Sexualverbrecher in der Geschichte des Landes“ sprechen.

So viel zu den Hintergründen dieses erschreckenden Thrillers aus der Feder von Andreas Gößling. Der Allrounder unter den deutschen Autoren setzt mit „Rattenflut“ die packende True-Crime-Serie um Kira Hallstein fort und verlangt mit dieser Geschichte seinen Lesern einiges an Nerven ab.

Zart beseitete Krimileser sollten von diesem Band der Trilogie, den man gut unabhängig von den vorherigen Werken lesen kann, die Finger lassen. Ziemlich nahe geht das Geschehen beim Lesen, zumal im Wissen der wahren Hintergründe.

Diese hat der Autor vom pulsierenden Metropolleben Londons in die Abgründe der bundesdeutschen Hauptstadt versetzt und ein Setting zum Gruseln geschaffen. Tatsächlich schreibt die Realität bekanntlich die packendsten Geschichten und so bekleiden wir die verdeckt arbeitende Kira Hallstein, die sich nicht nur ihrer Kollegen erwehren muss, sondern auch der als „Bruderschaft“ benannten Organisation stellen muss.

Gößling ist es gelungen, ein fiktionales Netz organisierter Kriminalität zu konstruieren und ebenso agierende Protagonisten, mit Ecken und Kanten.

Aus wechselnder Perspektive ist „Rattenflut“ eine kurzweilige, immer rasanter verlaufende Geschichte, die abschnittsweise kaum auszuhalten ist. Wie nah sich der Autor an die realen Ereignisse aus Groß-Britannien orientiert hat, kann man da nur erahnen, doch müssen die Recherchen bewegend und abstoßend zugleich gewesen sein.

Nach dem Lesen ist man zu Weilen versucht, die Lektüre zu unterbrechen, um durchatmen zu können, der Spannungsbogen hält hier jedoch bis zum bitteren Ende, welches nur auf der Leinwand so zu realisieren sein dürfte. Das sollte klar sein, dennoch passt das Setting auch am Schluss zu der Geschichte, die so schon unglaublich erzählt ist.

Man kann diesen dritten Band ohne Vorkenntnisse lesen, muss weder vorher sich mit den realen Hintergründen, noch mit den Vorgänger-Bänden befasst haben. Dann fehlen zwar private Details um die ansonsten sehr detailliert eingewobene Hauptprotagonistin Hallstein, das sind jedoch Lücken, die zu verschmerzen sind, da nicht notwendig für die Geschichte an sich.

Großer Pluspunkt dafür, dass Gößling es schaffte, den Schrecken der realen Ereignisse um Savile fiktional so zu verarbeiten, dass man diese ganze Wucht beim Lesen zu spüren bekommt, dabei aber noch genug Raum für die fiktionalen Elemente gelassen hat.

Ein Thriller, basierend auf einer ebenso erschreckenden und abstoßenden Geschichte, der unter die Haut geht und Spuren hinterlässt.

Mehr geht praktisch nicht.

Zu den realen Hintergründen: hier klicken

Autor:

Andreas Gößling wurde 1958 geboren und ist ein deutscher Schriftsteller für Romane und Erzählungen, aber auch Krimis und Jugendbücher. Zunächst studierte er Deutsche Literaturwissenschaft, Publizistik und Politikwissenschaften, bevor er ein Forschungsprojekt zu den Werken von Robert Walser begann.

Er schreibt Sachbücher und Romane, mit historischen Grundlagen, zudem ist er auch literaturwissenschaftlich tätig. Auch unter Pseudonym (Pietro Bandini) veröffentlichte er bereits mehrere Werke. Gößling lebt in Berlin, wo er den Verlag und die Agentur MayaMedia leitet.

Zusammen mit Michael Tsokos arbeitete er an den Thrillern „Zerschunden“, „Zersetzt“ und „Zerbrochen“.

Lone Theils: Hexenjunge

Hexenjunge Book Cover
Hexenjunge Reihe: Nora Sand (3) Rezensionsexemplar/Krimi Rowohlt Taschenbuch Seiten: 302 ISBN: 978-3-499-00002-7

Inhalt:
Auf einem Londoner Friedhof wird die Leiche eines nigerianischen Terrorismusexperten entdeckt, er wurde brutal ermordet. Kurz zuvor hatte der Professor dort ein geheimes Treffen mit Nora Sand, Korrespondentin der dänischen Zeitung Globalt.

Mit seinem Tod fehlt ihre wichtigste Informationsquelle, daher wird Nora auf etwas anderes angesetzt: die spektaktuläre Scheidung eines russischen oligarchen von einem dänischen Reality-Sternchen. Das Paar streitet öffentlich um das Sorgerecht für seinen Sohn. Als er entführt wird, stößt Nora darauf, dass beide Fälle zusammenhängen könnten. Die Suche nach der Wahrheit führt sie in die dunkelsten Winkel der Stadt. (Klappentext)

Rezension:
Schon, wenn man die Buchdeckel aufklappt, kann man bei den meisten skandinavischen Krimis den bleischweren Mehltau der Melancholie förmlich mit den Händen greifen und so habe ich mich, dementsprechend skeptisch, an die Lektüre von „Hexenjunge“ gewagt.

Lone Theils konstruiert hier die Parallele zweier verlaufender Handlungen, die zunächst im ruhigen Fahrwasser der geschichte nichts miteinander zu tun haben scheinen, dann jedoch immer enger miteinander verflochten werden, bis es schließlich zum großen Knall kommt.

In der losen Aneinanderreihung begleiten die Leser die Journalistin Nora Sand im Spagat zwischen der schillendern Londoner Welt eines Londoner Oligarchen und seiner Beziehung zu einem dänischen Reality-Sternchen; hier bin ich so frei, die Formulierung aus dem Klappentext einfach zu übernehmen; und nigerianischen Terrorismus‘, dessen Wirkung noch Kreise ziehen wird.

Behutsdam verwebt die Autorin beide Bestandteile dieses dritten Bandes um die Hauptprotagonistin, den man übrigens auch losgelöst von der Reihe lesen kann, und schafft damit ein spannendes Szenario, dessen Wirkung man praktisch schon mit den ersten Seiten greifen kann.

Die Handlung wird dabei behutsam aufgebaut, vom Groben ins Kleinteilige, immer aus der Sicht der hauptprotagonistin, deren Bild wie das eines Puzzels immer vollständiger wird, je mehr Teile sie miteinander in Verbindung setzen kann.

Dabei gelingt der Autorin das Kunststück, nicht zu sehr abzuschweifen, oder sich etwa in der Nebenhandlung des Privatlebens von Nora Sand zu verzetteln, so dass der Leser ganz konzentriert der Handlung folgen kann. Geschickt zeigt Lone Theils dabei die gesellschaftlichen Verquickungen auf, die beide Fälle mit sich bringen und schafft so zunächst unterschwellige spannung, die nach und nach immer klarer wird, um dann mit voller Gewalt den Leser in ihrem Bann zu ziehen.

Die Hauptprotagonisten bleibt dabei als einzige scharf gezeichnet. Alle anderen Charaktere werden nur in sofern beschrieben, wie es der Geschichte nützt. Nichts überflüssiges wird hier erzählt, dennoch gibt es genug Wendepunkte und Kontraste, um die Leserschaft in die Irre zu führen.

So nebelig wie das Cover bleibt auch zunächst die Auflösung, gleichwohl amn vom Anfang an spürt, dass Nora Sand im gegensatz zu ihrer Umgebung die richtigen Schlüsse ziehen kann, die dann übrigens nach einer Fortsetzung schreien. Die Reihe wird weitergeführt, vielleicht sogar mit Verknüpfungen zu diesem Band, gleichwohl dieser losgelöst gelesen werden kann.

Die Parallelen zur eigentlichen Arbeit der Autorin, die die Protagonisten aufweist, sind nicht von der Hand zu weisen. Tatsächlich ist auch Lone Theils als Journalistin tätig gewesen und teilt ihr Hobby ebenso mit dieser. Im nächsten Band ist daher durchaus der große „Schlag“ zu erwarten.

Autorin:
Lone Theils arbeite jahrelang als London-Korrespondentin für die dänische Zeitung Politiken, sowie für diverse Fernsehsender. In 16 Ländern erschienen bisher ihre Bücher, die u.a. für das Fernsehen adaptiert werden. Zwischen Dänemark und England teilt die Autorin mit ihrer Protagonistin Nora Sand die Leidenschaft für’s Kickboxen.

Michelle McNamara: Ich ging durch die Dunkelheit

Ich ging durch die Dunkelheit Book Cover
Ich ging durch die Dunkelheit Autorin: Michelle McNamara Atrium Verlag Zürich Erschienen am: 23.08.2019 Seiten: 416 ISBN: 978-3-85535-060-5 Übersetzerin: Eva Kemper

Inhalt:
In den Jahren 1976 bis 1986 erschütterte eine grausame und bis dato beispiellose Serie von Überfällen und Morden die USA. Der Täter kam immer nachts und erschütterte die Bewohner der Vororte kalifornischer Städte in ihren Grundfesten.

Immer grausamer wurden seine taten, doch trotz intensiver Ermittlungen kamen die Behörden dem „Golden State Killer“ nicht auf die Spur. Immer wieder entwischte er unerkannt in die Dunkelheit und ging in die Kriminalgeschichte ein. Dies ist die Geschichte einer Spurensuche, von Opfern, Ermittlern und einer Autorin, die es sich zur Aufgabe machten, einem Phantom auf die Spur zu kommen. (eigene Inhaltsangabe)

Rezension:
Die Jagd nach dem Täter kann besonders bei Altfällen, sog. „Cold Cases“, zur Obsession werden. Bei den Ermittlern, die ungelöste Taten nicht aufklären können und bei den Opfern und Angehörigen, die ewig mit dem verursachten Leid leben müssen. Wenn sie denn leben.

Und so war ein ganzer Landstrich in Kalifornien über Jahre damit beschäftigt, Taten eines Unbekannten zu erdulden, die sich in immer grausamere und erschreckendere Auswüchse steigerten, ohne dass man ihm auf die Spur kam. Die Ermittler blieben gefühlt immer einen Schritt zurück. Der Verursacher kam und verschwand lautlos in die Nacht. Unzählige Überfälle gingen auf sein Konto, zahlreiche Morde. In die Geschichte ging der Täter als „Golden State Killer“ ein.

In der deutschen Übersetzung im Atrium Verlag Zürich erschienen, liegt hier Michelle McNamaras Bericht „Ich ging in die Dunkelheit“ vor. Gleichsam eine Chronik des Schreckens schildert die Autorin hier detailliert die Taten und die jahrzehntelange vergebliche Spurensuche auf der Jagd nach einem Phantom.

Einmal das Interesse geweckt sammelte die Autorin über Jahre zahlreiche Informationen, nahm Kontakt zu Ermittlern und überlebenden Opfern auf und wurde so zur quasi gleichberechtigten Partnerin für Polizisten und all jenen, die den Täter entlarven und schließlich finden wollten.

Das vorliegende Werk hat die Informationsdichte eines Sachbuches. Tatsächlich stützte sich McNamara auf Polizeiberichten, zahlreichen Ermittlungsakten und Interviews mit ermittelnden Beamten und zahlreichen Zeugen. Ortsbegehungen und eigene Recherchen runden die Quellenlage ab.

Der Bericht ist jedoch zu keiner Zeit trocken oder gar zäh. Es gibt fast keine Längen, die der Leser überwinden muss. Nein, der Sog entfaltet sich gleichsam einer Krimiserie Zeile für Zeile. die Autorin, deren anfängliches Interesse zu einer jahrelang Obsession wurde, schildert auch, wie sehr und warum ausgerechnet sie der Fall so eingenommen hatte, wie sonst kaum einen Außenstehenden.

Positiv ist zu erwähnen, dass es hier nicht darum geht, voyeuristische Bedürfnisse zu befriedigen, sondern nur sehr kleinteilig geschildert wird, wie es sein konnte, dass ein Täter über Jahrzehnte mit seinen Untaten davonkommen und immer wieder von Neuen zuschlagen konnte.

Die Autorin stellt dabei jedoch ihre Emotionen nicht zurückk, sondern schildert in zeitlich gegliederten und kurzweiligen Kapiteln lebendig ein Stück amerikanischer Kriminalgeschichte, die unfassbar, erschreckend und traurig zugleich ist. Der Leser hat dabei zwei Linien, denen er folgen kann, zum einen die geschilderte und gleichzeitig die der Autorin, die bis zuletzt das Ziel hatte, den Täter zu entlarven und den Opfern Gerechtigkeit zukommen zu lassen, wie viele Ermittler auch.

Die Autorin starb im Jahr 2016.

Autorin:
Michelle McNamara wurde 1970 geboren und war eine amerikanische Schriftstellerin. Für Film und Fernsehen schrieb sie drehbücher und schrieb seit 2006 an einem Blog über True Crime. Insbesondere mit dem Fall des „Golden State Killer“ beschäftigte sie sich intensiv, begann Material und Spuren zu sammeln, nahm Kontakt zu Opfern und Ermittlern auf. Kurz vor Fertigstellung ihres Buches starb sie, im Jahr 2016.

Viveca Sten: Mörderisches Ufer

Mörderisches Ufer Book Cover
Mörderisches Ufer Thomas-Andreasson-Reihe (8) Kriminalroman Kiepenheuer & Witsch Taschenbuch Seiten: 454 ISBN: 978-3-462-05190-2

Inhalt:

Jeden Sommer kommen Hunderte Kinder ins Segelcamp nach Lökholmen, der kleinen Insel gegenüber von Sandhamn, und verbringen dort ihre Ferien. Doch nicht alle, die am Camp teilnehmen, können ihre Zeit dort genießen, denn einige Kinder werden gemobbt und leiden unter den Gemeinheiten der anderen. Als eines von inen plötzlich verschwindet, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit… (Klappentext)

Einordnung: Dies ist der achte Band der Thomas-Andreasson-Reihe.

Rezension:

Skandinavische Krimis kennzeichnen sich allzuoft durch Melancholie, die sich wie Mehltau durch die Bücher zieht, schönen Landschaftsbeschreibungen, aber gescheiterten Existenzen, denen man die Ermittlerrolle nur mit großem Wohlwollen abnehmen kann.

Nur hin und wieder sticht ein Fall, eine Geschichte oder gar eine Reihe wohltuend heraus und setzt ein Zeichen gegenüber dem Einerlei dieses sehr eigenen Genres. In diesem Sinne entführt Viveca Sten ihre Leser wieder einmal nach Lökholmen und Sandhamn, jener ländlichen idylle Schwedens, die tief im Inneren ihre Schattenseiten verbirgt. Zumindest, wenn man der feder der Autorin folgt.

Ein Handlungsstrang verfolgt den Weg des kleinen elfjährigen Benjamin, der gegen seinen Willen in ein Segelcamp auf der Schäreninsel verfrachtet wird und dort schnell das Ziel von älteren Jugendlichen wird, die in ihm das ideale Mobbingopfer sehen.

Ein parallel geführter Erzählstrang verfolgt ein, mit diesem Protagonisten lose verbundenen Gerichtsprozess, ein anderer dritter ist der verbindende Klebstoff zwischen den Zeilen.

Dies führt bei manchen Autoren dazu, dass sie sich verlieren und es nicht schaffen, eine vernünftige Lösung zur zusammenführung zu schreiben, doch mit Hilfe eines kontinuierlichen Spannungsaufbaus, der wellenförmig mal die eine Handlung hervorhebt, dann wieder andere Protagonisten fordert, schafft es die Autorin, was nur bei wenig Krimis so überzeugend gelingt.

Dies, in einer vergleichsweise ruhigen und fast unbrutalen schreib- und Erzählweise, die einem dennoch einen kalten Schauer über den Rücken laufen lässt. Nicht umsonst wurde diese Geschichte, wie auch schon mehrere andere der Reihe, bereits für eine Miniserie verfilmt.

Man kann diesen Krimi ohne Kenntnis der Vorgängerbände lesen, sei jedoch gewarnt, wenn man den Trigger Kindesentführung vermeiden möchte. zwar gibt es gewalttätigere Geschichten in diesem Genre, jedoch selten so gut erzählt. Die Perspektivwechsel folgen logisch in kurzweiligen Kapiteln, die jeweils einem Protagonisten folgen, ohne unter den bereits erwähnten Krimi-Mehltau zu ersticken.

Der Handlungsstrang um die Mobber wurde zu Gunsten der Entführung und den entsprechenden Folgen wahrscheinlich vom Lektorat zusammengekürzt, doch liegt es nicht in der Natur der sache, dass man im Alltag einzelne Aspekte verfolgt und andere aus den Augen verliert? In diesem Sinne ist es dennoch ein gut abgerundeter Kriminalroman, der es sich zu lesen lohnt.

Autorin:

Viveca Sten wurde 1959 in Stockhilm, Schweden, geboren und ist eine skandinavische Schriftstellerin und Juristin. Nach der Schule entschied sie sich für ein Jura-Studium und arbeitete als Chefjuristin für die schwedische und dänische Post.

Nachdem sie mehrfach Fachliteratur und entsprechende Aufsätze publiziert hatte, veröffentlichte sie 2008 ihren ersten Kriminalroman, aus dem inzwischen eine mehrbändige Reihe geworden ist. Die Reihe wurde als Miniserie für’s Fernsehen verfilmt. Die Autorin verbringt mit ihrer Familie die Sommer weitestgehend in Sandhamn, Haupthandlungsort ihrer Bücher und lebt mit ihrer Familie bei Stockholm.

Autoren-Interview auf der Leipziger Buchmesse 2019: Michael Tsokos und die Abgründe der Gerichtsmedizin

Michael Tsokos = MT, ich = NH

Das Interview enthält einen Spoiler, den ich als einen solchen gekennzeichnet habe. Dieser kann jedoch übersprungen werden; man muss ihn aufklappen, um ihn zu lesen. Wer dies nicht tut, bleibt spoilerfrei. Das Interview kann auch ohne diesen gelesen werden.

NH: In Ihrem neuen Thriller „Abgeschlagen“ geht es um einen Fall innerhalb der Kieler Rechtsmedizin und den Protagonisten Dr. Herzfeld. Wie viel Herzfeld steckt in Ihnen persönlich?

MT: Es steckt einiges Persönliches drinnen, dass ich natürlich, wie mein Protagonist das Problem habe, zu viel zu arbeiten, zu wenig zu Hause bin und zu wenig Zeit für die Familie zu haben. Das klingt ja immer wieder durch, sowie dass ich von Berufs wegen neugierig bin und es mir keine Ruhe lässt, wenn sich mir etwas nicht erschließt.

Was nicht auf mich zutrifft ist, dass ich nie diese Risiken eingehen und Alleingänge machen würde, die Herzfeld macht. Das muss man aber, der Dramaturgie geschuldet, machen. Wenn Sie jemanden haben, der 16 Uhr nach Hause kommt und bei jeder Kleinigkeit die Polizei ruft, haben Sie keine Hauptfigur.

NH: Sie können für sich auch das Dramaturgische und das, was fachlich vielleicht notwendig wäre, trennen?

MT: Das kann ich. Das ist der Vorteil der Belletristik. Im Sachbuch kann man das nicht, dort muss man bei den Fällen genau dranbleiben. In der Belletristik habe ich die Möglichkeit, einen echten Fall mehr auszuschmücken, mehrere Fälle zusammenfließen zu lassen und den Protagonisten Dinge tun lassen, die man sonst als Rechtsmediziner nicht machen würde. Die Möglichkeiten habe und nutze ich auch.

Autor: Michael Tsokos
Titel: Abgeschlagen
Seiten: 414
ISBN: 978-3-ä426-52438-1
Dromer Knaur

NH: Ist das Schreiben eines Thrillers für Sie eine Art „Ausgleich“ zur Wirklichkeit?

MT: Irgendjemand hat mich einmal gefragt, ob es eine Art „Therapie“ wäre. Vielleicht ist es das auch. Einmal macht es natürlich Spaß. Ich habe ansonsten relativ wenige Hobbys, aufgrund der fehlenden Zeit. Ich habe früher auch sehr viel Wissenschaftliches publiziert, in Fachzeitschriften überall auf der Welt, von der Idee bis zur Druckfahne und dem Erscheinen.

Das ist auch das, was bei einem Buch Spaß macht. Es ist sicherlich eine Art „Therapie“ zu wissen, ich schreibe etwas und irgendwann gibt es Leute, die lesen das, die finden es gut und es gibt Feedback. Das ist Erfolg, der einem auch positiv bestätigt.

NH: Wie war das Feedback zum neuen Thriller von Kollegen der Rechtsmedizin? Gab es da welches?

MT: Nein, bisher nicht. Das ist jedoch auch nichts, was ich jetzt erwarten würde. Ich habe einigen Arbeitskollegen das Buch geschenkt, da diese mich beraten und als Probeleser fungiert haben. Ansonsten gibt es da fachlich kein Feedback. Es macht jeder seines. Es interessiert einen Rechtsmediziner in Hamburg nicht, ob ich Rechtsmediziner in Berlin ein Buch schreibe.

https://www.instagram.com/p/BSETeWdFf_f/
Das war 2017. Michael Tsokos stellte damals einen anderen True-Crim-Thriller vor.

NH: Wie erklären Sie sich bei den einfachen Publikum und Lesern die Faszination für Thriller und Krimis?

MT: Der Tod als zentraler Bestandteil von Krimis und Thriller übt natürlich eine große Faszination auf die Menschen aus. Das ist etwas, was ich aus meinem Leben als normaler Bürger ausklammern möchte. Ich kann mir als Normalbürger nicht vorstellen, dass ich jeden Tag früh ins Büro gehe, zwölf Leichen auf den Tisch liegen habe, so wie ich, die aufgeschnitten und untersucht werden…

NH: Sind das so viele?

MT: Ja, wir machen jeden Tag so viele Obduktionen. Ich bin auch bei allen Obduktionen in Berlin dabei. Wir machen ca. 2200 Obduktionen pro Jahr. An regulären Arbeitstagen sind das schon zwölf.

NH: Auch der Thriller „Abgeschlagen“ hat einen wahren Hintergrund. Wo genau liegt der „wahre Kern“ hinter der Geschichte?

Spoiler

MT: Vor ungefähr 25 Jahren hat mein damaliger Chef in der Hamburger Rechtsmedizin mir erzählt, dass es einmal einen skandinavischen Rechtsmediziner gab, der Prostituierte getötet, zerstückelt und die Leichenteile in den Park versteckt hat. Als sie dann gefunden wurden, hat er die obduziert. Über diese Geschichte findet man so gut wie nichts im Internet, da das in den 70er und 80er Jahren passiert ist, aber sie hat mich fasziniert.

Das ist das zentrale Thema. Was ist, wenn ein Rechtsmediziner tatsächlich selbst der Täter ist? Wenn er sein spezielles Wissen ausnutzt, um der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein. Im Buch ist relativ schnell klar, um wen es sich handelt, aber der Weg bis zu seiner Überführung und zum Showdown ist sehr spannend. Das ist entscheidend bei „Abgeschlagen“.

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NH: Der Weg ist das Ziel. Kann man ja durchaus auf Ihre Arbeit übertragen. Wie kommt man zu diesen medizinischen Bereich? Gibt es so etwas wie Freude an dieser Arbeit?

MT: Mein Beruf bereitet mir auch Freude und Spaß. Ich freue mich jeden Tag, wenn ich morgens zur Arbeit fahre, ob dem, was mich erwartet. Es gibt in der Medizin vieles, was ich nicht machen könnte. Wenn ich z.B. auf einer Kinderkrebsstation arbeiten würde und die kleinen Patienten sterben oder ich in einer Dialyse-Station, wo die Menschen zunehmend ins Nierenversagen rutschen, da sie keine Spenderniere bekommen, das wäre eine Sache, die ich nicht machen könnte.

Freude an beiden Berufen. Schriftsteller und Gerichtsmediziner Michael Tsokos.

MT: Ich weiß, dass es für viele unvorstellbar ist, den Job zu machen, den ich habe. Es gibt für mich jedoch genug andere, die ich nicht machen wollen würde. Ich war im Studium von der Rechtsmedizin total fasziniert. Das hat angehalten und deshalb habe ich mich auch dafür entschieden.

NH: Der Protagonist Dr. Herzfeld deckt im Laufe der Ermittlungen die Hintergründe der Tat auf. Wäre dies heute, in Anbetracht der Entwicklung von kriminalistischer Untersuchungsmethoden überhaupt noch so möglich? Ein unaufgeklärter und inszenierter Mord, dieses Schauspiel als Folge?

MT: Absolut. Das ist möglich, da wir natürlich genau wissen, wie Spuren verändert werden können. Wie legen wir falsche und verändern eigene Spuren? Das wäre absolut möglich.

NH: Gibt es den perfekten Mord?

MT: Den gibt es. Ich kann natürlich keine Beispiele nennen, jedoch gibt es gerade in Berlin den Fall eines verschwundenen Mädchens, dass sehr wahrscheinlich Opfer eines Tötungsdeliktes geworden ist. Die Polizei hat nicht den geringsten Anhaltspunkt, was passiert ist.

NH: Wenn Sie im „Schreibprozess“ sind, wie gehen Sie vor? Steht die Geschichte fest oder beginnen Sie zu schreiben und schauen, wohin dies führt?

MT: Der Grundblock steht von Anfang bis Ende fest. Man macht sonst den Fehler, sich zu verzetteln und nicht dort anzukommen, wo man hin möchte. Der Weg dahin ist flexibel. Ich habe den Protagonisten und habe die Rollen verteilt; bei dem, was dazwischen passiert, bin ich flexibel.

Zwischendurch kommen ja auch neue Ideen hinzu. Was von vornherein klar ist, ich brauch einen großen Showdown, ein Finale. Es ist jedoch zum Beginn des Schreibprozesses nicht unbedingt klar, wie das aussieht. In „Abgeschlagen“ war es das auch noch nicht, nur, dass es einen großen Abgang haben und quasi filmische Sequenzen haben muss.

NH: Wie gehen Sie mit der Realität in ihren Büchern um, z.B. im Gegensatz zu Sebastian Fitzek? (Die Frage habe ich ursprünglich anders gestellt, so dass es weder zum damaligen Interview mit Fitzek selbst gepasst hätte, noch hier zielführend gewesen wäre. Michael Tsokos hat jedoch, unbewusst, so geantwortet, dass ich nachträglich in der Abschrift die Frage umformulieren konnte. Jetzt passt es.)

MT: Im Gegensatz zu Fitzek muss ich die Realität abmildern, da sonst niemand das Buch lesen würde. Das würde kein Verlag drucken. Bei mir sind die Fälle aus dem wahren Leben.

Michael Tsokos und „Abgeschlagen“.

NH: Ihre Arbeit ist sehr zeitintensiv, in Berlin und auch im Ausland, wo Sie zu vielen Fällen hinzugezogen werden? Woher nehmen Sie die Zeit, zusätzlich Thriller zu schreiben?

MT: Ich habe es sehr komfortabel, da ich mir keine Fälle ausdenken muss. Die Geschichten kommen zu mir. Ich bearbeite so viele Fälle mit unfassbaren Details und Wendungen. Die Story zu bekommen, ist nicht schwierig. Eher noch die Umsetzung, ein Buch daraus zu formen, neben den sonstigen Pensum. Man muss sehr diszipliniert sein und seine freie Zeit nutzen, zu schreiben.

NH: Zuletzt wurde die Serie „Charite“ ausgestrahlt. Es gibt zwei neue Bücher über einen der prägenden Ärzte, Ferdinand Sauerbuch. Welchen Eindruck haben Sie davon?

MT: Ich bin selbst immer wieder erstaunt, wie sich Ärzte im Nationalsozialismus verhalten, zu Handlangern und willfährigen Henkern dieses Systems gemacht haben. Für mich erstaunlich, aber es ist natürlich ein Punkt, den ich für mich selbst kritisch hinterfrage. Wie würde ich mich in solch einer Situation verhalten? Mich hat die Serie total fasziniert.

NH: Wie wird es denn auch weitergehen mit Paul Herzfeld?

MT: Es wird eine Trilogie werden. Das nächste Buch heißt „Abgebrüht, um eben in dieser „Ab-“-Reihe zu bleiben. Es geht weiter.

NH: In diesem Sinne, vielen Dank für das Gespräch.

MT: Vielen Dank.

Wir danken Michael Tsokos und DroemerKnaur für die Gelegenheit, das Interview zu führen. Wie immer der Hinweis, dass das Interview Eigentum des Autoren, des Bloggers und des Verlages ist und nicht vervielfältigt, kopiert oder andersweitig verbreitet werden darf. Cover-Fotos werden nach Vorgaben des Verlags verwendet, Fotos des Autoren sind auf der Messe entstanden und gehören den Fotografen. Das Interview erfolgte ohne Gewinnerzielungsabsicht.