Filmblick: Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück

Einen vorhandenen Filmstoff neu zu interpretieren, ist inzwischen Standard in Deutschland geworden und so flimmert auf den Bildschirmen zu Hause und vorher natürlich auf den Kinoleinwänden oft genug alt bekanntes und leider wenig neues. Fast möchte man fragen, ob denn den Filmemachern keine neuen Ideen kämen, doch manchmal lohnt sich der Blick ins Archiv und eine alte geschichte kreativ neu zu erzählen. So geschehen, mit einer Kindergeschichte von Gerhard Holtz-Baumert.

Als der Schriftsteller und SED-Funktionär 1958 die ersten Geschichten über den wohl größten Pechvogel aller Zeiten schrieb, konnte niemand ahnen, welchen Sog diese entwickeln würde, doch schnell wurde die Kinderbuchfigur populär und der erste Film folgte dem zweiten Band auf den Fuße. Das war vier Jahre danach, 1966. Helmut Rossmann, später Physiker, spielte den Jungen im DEFA-Streifen, eine Serie folgte 1986, ebenfalls für das DDR-Fernsehen.

Das Filmplakat zur Neuverfilmung.

Die Hauptfigur Alfons ist ein zehn- bis zwölfjähriger Junge, dessen größter Traum es ist Kosmonaut zu werden und dafür einiges auf sich nimmt. Um sein Ziel zu erreichen, absolviert er ein selbst kreiertes Training, was vor allem aus Karusellfahrten und rohen Eiern besteht, bis ihm schlecht wird. Das Pech ist dabei sein stets treuer Begleiter, wie auch sein Nachname, mit dem er hadert, doch der Junge schlägt sich durch und fällt schon mal vom Sprungbrett einen ehemaligen Schulfreund seines Vaters auf den Kopf. Klar, dass das Ärger gibt, doch mit seinen kreativen Ideen schlägt sich der Blondschopf durch. Der Weg ist das Ziel und Alfons verfolgt dies aller Unkenrufe zum Trotz.

Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück (2019)

Drehbuch: Anja Flade-Schlichter, Mark Schlichter (u.a.)
Regie: Mark Schlichter
Produktion: Nicole Kellerhals, Uwe Schott, Stefan Arndt
Darsteller: Tilman Döbler, Leopold Schill, Lisa Moell (u.a.)
FSK: 0
Verleih: X Verleih

In der Neuverfilmung nun, ist einiges anders. Der Kosmonaut ist nun Astronaut und Alfons‘ größtes Vorbild ist nicht Sigmund Jähn, sondern Alexander Gerst. In „Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück“ spielt neben dem Gros mitteldeutscher Schauspieler (Wolfgang und Stefanie Stumph, Olaf Schubert, Katharina Thalbach, Devid Striesow u.a.) ein hervorragender Tilman Döbler in der Hauptrolle die Erwachsenen an die Wand, darf Emotionen zeigen, besonders in traurigen Momenten unheimlich stark, und von einer Panne in die nächste schlittern. Es gilt, einen Fluggerätewettbewerb zu gewinnen, das Pech abzuschütteln und mit seinen Freunden Benni (Leopold Schill) und Emilia (Lisa Moell) gegen Klassenkameraden und Lehrer zu bestehen. Klar, dass dies für allerhand Wirbel sorgt.

Hervorragend sind die drei Kinderbücher, das letzte 1995 erschienen, in die heutige Zeit übertragen und die Zuschauer von Damals werden viele Szenen wiederfinden, die Kinder von heute vielleicht sich begeistern für die Bücher von damals. Der hervorragende Cast, sowohl auf der erwachsenen Seite als auch der der Kinderdarsteller versetzt im Kolorit einer Kleinstadt, lässt das Ganze zu einer hervorragenden Familienunterhaltung werden, die man sich zielgruppenunabhängig anschauen kann.

Für die Kinder von damals gibt es ein Suchspiel in der Neuverfilmung. Helmut Rossmann, der Darsteller von 1966, hat eine kleine Gastrolle im Film. Na dann, Zitterbacke Hühnerk… .