Kurzblick: Erkundungsexpedition zwischen Vater und Sohn

Ein packendes Thema zu finden, gestaltet sich manchmal außerordentlich schwierig. Es gibt sie aber immer noch, Momente, in denen einen Interessantes, Spannendes und Kurioses förmlich vor die Füße fällt bzw. beim an sich belanglosen Streifen durch die Weiten des World Wide Web. Und solch einen Moment mit genau diesem Ergebnis hatte ich kürzlich. Das möchte ich natürlich euch nicht vorenthalten.

Es gibt Filme, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Komme, was will. Ein solcher ist, zumindest für mich, „Extrem laut und unglaublich nah“.

Und der Film existiert immerhin schon seit 2011 und obwohl regelmäßiger Kino-Gänger, ist der Film mit Thomas Horn und Max von Sydow für mich ein Leinwandstreifen, an dem sich alle anderen messen lassen müssen.

Die Handlung spannend und doch ohne viel Krawall, eine tief verletzte aber nicht geschlagene Stadt und Protagonisten, die alle etwas suchen und in ihren Schicksalen miteinander verbunden sind.

Der Stoff, aus dem Stephen Daldry („Billy Elliot“, 2000) eine bewegende Geschichte gestaltet hat.

https://www.youtube.com/watch?v=x21RFCbkZfE
Titel: Extrem laut und unglaublich nah
OT: Extremely Loud & Incredibly Close
Schauspieler: Thomas Horn, Max von Sydow, tom Hanks, Sandra Bullock
Land: USA
Jahr: 2011
Länge: 129 Minuten
Verleih: Warnerbros
FSK: 12

Eine Vorlage gibt es dafür natürlich auch, der gleichnamige Großstadtroman „Extrem laut und unglaublich nah“, geschrieben von einem der großen amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart, Jonathan Safran Foer.

Poetisch, verschiedene schriftarten, Erzählstiele und Ebenen nutzend, erzählt er die Geschichte eines Jungen, der seinen Vater bei den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 verloren hat und sich ein Jahr später auf die Suche begibt.

Ausgangspunkt ist ein Schlüssel, den der Junge in einem Briefumschlag findet, der aus einer zerbrochenen Vase herausfällt. Die vase stand im Kleiderschrank seines Vaters, doch wozu gehört eigentlich der Schlüssel? Und was hat das mit seinem Vater zu tun?

9783462036077
Autor: Jonathan Safran Foer
Titel: Extrem laut und unglaublich nah
Seiten: 472
ISBN: 978-3-462-03607-7
Übersetzer: Henning Ahrens
Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Das will Oskar, so heißt der Elfjährige, herausfinden und begibt sich auf Spurensuche. Der einzige Anhaltspunkt, ein Name „Black“ auf den Briefumschlag. Natürlich nimmt er sich vor, sämtliche Blacks der Millionenmetropole aufzusuchen und zu fragen.

In der Hoffnung, so seinem verstorbenen Vater näher zu kommen. Eine Erkundungsexpedition, die den kleinen Asperger-Autisten vor ungeahnte Herausforderungen stellt.

Herausforderungen, wie das Kommunizieren mit den Mitmenschen, das agieren, aufeinander zugehen, bewusst sich in unbekannte Situationen begeben, von der Sicherheit gebenden Routine abweichen. Eine Reise ins Ungewisse und zu sich selbst. Wer wissen möchte, wie es ausgeht, sollte sich den Roman und die Verfilmung dessen ansehen. Unbedingt.

Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, kann sich mit einem realen Vater-Sohn-Gespann auf eine ebensolch spannende Reise gleichsam Erkundungsexpedition begegeben.

Sie leben in Düsseldorf und besuchen Fußballspiele, Veranstaltungen und Konzerte, diskutieren in Podcasts darüber, über Familie und wissenschafliche Themen und spielen sich gegenseitig die Bälle zu.

Der Sohn, 11 Jahre alt, ist autistisch und nennt sich #wochenendrebell, der Vater von ihm begelitet ihn auf dieser wunderbaren Reise, die auch schon mal ein Interview mit einem Fußballspieler zustande bringt.

Er ordnet das ganze ein, berichtet aus seiner Perspektive, ansonsten ´hat der Junge in den Podcasts das Wort, dessen Themen aus einer Losbox gezogen werden.

Für den Zuhörer und Leser ergibt sich dabei ein ganz besonderer, sonst nur schwer zu bekommender, Einblick in die Welt eines autistischen Kindes und Vater und Sohn helfen sich, einander zu verstehen.

Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, vor allem für den kleinen Wochenendrebellen, den man für die Zukunft nur alles Gute wünschen kann. Sorgen braucht man sich darüber aber keine zu machen. Er wird seinen Weg gehen. Bis dahin bleibt zu hoffen, dass es noch viele solcher Erkundungsexpeditionen geben wird.

Beide zusammen haben übrigens kürzlich den Goldenen Blogger-Preis in der Kategorie Mama-Papa-Blog gewonnen, dafür nachträglich herzlichen Glückwunsch.

Und hier die Links zum Wochenendrebellen:
Blog: Der Wochenendrebell
Twitter Jay-Jay / Spektrograf
Podcasts: hier klicken

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