Monatsrückblick: Juli 2021

Es muss in mir eine riesige Angst geherrscht haben, unter einem riesigen Stapel ungelesener Rezensionsexemplare und auch sonst unter Büchern zu ersticken. Anders kann ich mir die Anzahl der gelesenen Werke nicht erklären, mit der ich sehr zufrieden sein kann. Danke an mein Unterbewusstsein. Das Lesetempo möchte ich gerne beibehalten, wenn möglich auch annähernd mit der gleichen Qualität. Luft nach Oben darf natürlich immer sein.

Wieder einmal habe ich mir mehrere Sachen zu Gemüte geführt, die teilweise noch nicht erschienen sind, die jetzt als Beitrag auf Halde schon in den Tiefen des Blogs schlummern, nur noch nicht veröffentlicht sind. Davon wird einiges in den kommenden Wochen zu lesen sein. Insgesamt vier Rezensionen sind so für August schon mal gesetzt. Das eine oder andere Werk wird da noch hinzukommen.

Ein Krimi aus der Feder von Kyle Perry „Die Stille des Bösen“ entführte mich direkt zu Beginn des Monats nach Tasmanien, einer Region, von der ich so gut wie wenig weiß und aus der ich noch nichts gelesen habe. Mit diesem Genre dort einzusteigen, ist einmal etwas anderes. Sollte ich einmal die Gelegenheit haben, dort hin zu reisen, hätte ich es jedoch gerne ein wenig ruhiger.

Danach, Bernhard Schlink. Mit ihm verbinde ich etwas ganz besonderes, Sein Werk „Der Vorleser“ war seinerzeit meine Lektüre für das Abitur. Im Deutschunterricht haben wir sowohl Buch als auch Film besprochen und mussten dann, in der Prüfung, einen Brief aus Sicht der Hauptprotagonistin schreiben, den dann einer Eigeninterpretation unterziehen.

Dies war zumindest eine der Aufgaben, die beliebteste in meiner Schule zu dieser Zeit, dank der intensiven Beschäftigung damit in Vorbereitung auf die Klausur. Mir hat das Werk sehr gut gefallen, sein neuestes hat mich dann von der Art an Ferdinand von Schirachs „Terror“ erinnert, welches ähnlich aufgebaut ist. Der „20. Juli – Ein Zeitstück“ ist ähnlich aufgebaut, als eine Art Theaterstück geschrieben, sicher so auch gedacht und von ähnlicher Brisanz. Ich brauch wohl nicht zu sagen, dass ich sehr angetan von diesem Werk bin.

Bernhard Schlink „20. Juli – Ein Zeitstück“, Diogenes-Verlag.

Khue Pham entführte mich mit ihrem Roman „Wo auch immer ihr seid“, der leicht biografisch angehaucht ist, nach Vietnam und mit Timo Peters‘ „Couchsailing“ ging es auf hohe See. Kann man von einem Sachbuch seekrank werden? Das muss wohl jeder selbst herausfinden. Ich kann zumindest jede einzelne Welle nachvollziehen. Bei mir reicht dazu schon eine Tour mit Ruderboot im heimischen Badesee.

Danach habe ich einen Roman gelesen, der nach Mitte August erscheinen und uns nach Argentinien mit einer, sagen wir schwierigen, Thematik beschäftigen wird. Bei mir hat Ariel Magnus mit dieser Erzählung jedenfalls eingeschlagen, so dass direkt danach Sir Walter Scott mit „Chrystal Croftangrys Geschichte“ große Probleme hatte, anzukommen. Diese Neuauflage eines Werks, was wohl das Genre des historischen Romans zumindest mit begründet hat, hat bei mir seine Wirkung verfehlt. Vielleicht ist es jedoch auch ein Schriftstück, was trotz Neuübersetzung einfach schlecht gealtert ist.

Dazwischen habe ich noch ein sehr schön illustriertes Sachbuch über die versinkende Welt der Südseeinseln Kiribatis gelesen und an einem technischen Update des Blog-Systems beinahe verzweifelt. Ihr seht, ich kann immer noch schreiben, also habe ich das zumindest klären können.

Alice Piciocchi/Andrea Angeli „Kiribati – Eine Inselwelt versinkt im Meer“, Sieveking Verlag.

Auch habe ich etwas versucht, einen Beitrag über ein neues Format des Fernsehsenders SWR mit Denis Scheck, über das auch andere Medien berichtet hatten. Das habe ich still und leise getan, da es zunächst ein Test war, für einen Meinungsbeitrag, der sich nun nicht in ein Schema sperren lässt, wie eine Rezension, wo Aufteilung und Gliederung klar sind. Meines Erachtens ist es mir gelungen, das herüber zu bringen, was ich wollte und so steht künftigen Artikeln dieser Art nichts im Wege, da ich ja immer noch Möglichkeiten suche, ganz behutsam, den Blog außerhalb von Rezensionen etwas aufzulockern.

Mein Guilty Pleasure ist eine Manga-Reihe, die ich einmal, warum auch immer angefangen habe zu lesen und dann irgendwie dabei geblieben bin. Ich gehöre weder zur Zielgruppe dieses Formats, noch habe ich Ahnung oder Vergleiche zu Zeichenstilen und anderen Mangas. Von Anime-Filmen lasse ich gleich ganz die Finger.

Ich finde es einfach schrecklich, wenn man jugendlichen oder kindlichen Figuren erstens das Aussehen von Erwachsenen, zweitens auch nicht altersgerechte Stimmen verpasst. Bei Mangas in Papierform störe ich mich oft an den Zeichenstilen, so dass ich die meist im Laden etwas wahllos aus den Regalen ziehe, einmal darin herumblättere und dann wieder zurückstelle.

Jedenfalls geht es bei der Reihe „12 Jahre“ von Nao Maita, erschienen bei Carlsen, um eine Gruppe von Zwölfjährigen, die erste Gefühle für einander entwickeln und nebenbei mit Schulalltag und Pubertät zurechtkommen müssen. Inzwischen sind wir bei Band 15 angelangt, da ich aber schon Band 1 nicht rezensiert habe, hat es wenig Sinn, jetzt zu diesem Zeitpunkt noch einzusteigen, zumal mir ja immer noch entsprechend Vergleichsmaterial fehlt. Ich werde die Reihe dennoch bis zum Ende verfolgen.

Vorher folgte ein, in meinen Augen sehr wichtiger Enthüllungsbericht. Nicolai Boudaghi und Alexander Leschik berichten dort über die Radikalisierung und ihren Weg innerhalb der AfD bis zu den Tagen ihres Ausstiegs. Alles so in geballter Form zu lesen, ist schon sehr erschreckend, auch wenn man praktisch jeden Tag durch die Nachrichten Spitzen dieses Eisberges mitbekommt.

Nicolai Boudaghi/Alexander Leschik „Im Bann der AfD“, Europaverlag.

Zu guter Letzt ging es dann nochmal ins Ausland, an den Rand der schillernden Millionenstadt Seoul. Auch hier wieder ist das eine Region, über die ich noch nicht viel gelesen habe und wenn, dann waren das Sachbücher über Nordkorea und allgemein über den hießigen politischen Konflikt, der die Halbinsel in zwei Teile spaltet.

Hwang Sok-yong beschreibt in „Vertraute Welt“ jedoch etwas ganz anderes, nämlich, wie es ist, am Rande dieser doch so erfolgreichen Stadt zu leben, wenn man in dieser Wohlstandsgesellschaft nicht mithalten kann. Diese Kritik an unserer modernen Wegwerfgesellschaft, mit der sich der Autor in seinem Land sicher nicht nur Freunde gemacht hat, in Romanform so zu lesen, war ein sehr bezeichnender Abschluss für den Lesemonat Juli.

Ob der August literarisch genau so ergiebig ist und einschlägt, werden wir sehen. Ich hoffe es sehr.

Euer findo.

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