Monatsrückblick: April 2021

Eigentlich möchte ich gar nicht groß darüber nachdenken. Schon wieder sind vier weitere Wochen des Jahres vergangen. Ein neuer Monat hat begonnen und der Sommer naht, hoffentlich, mit riesigen Schritten. Mal sehen, ob ich mich immer noch darüber freue, wenn ich mich dann wieder drinnen wie draußen wie Grillgut fühlen darf und See, Eis und der Gang zur Tiefkühltruhe die einzigen Möglichkeiten zur Erfrischung scheinen. Bis dahin gehen aber noch einige Wochen ins Land und ich nehme mir die Zeit, zurückzublicken. Auf den vergangen Monat April.

Der war quantitativ gut. Neun Bücher kann ich auf meine Haben-Seite verbuchen. Davon ist zwar ein Werk ein Bildband gewesen, aber angeschaut ist ja irgendwie auch gelesen. Selbst, wenn man den nicht mit einrechnet, war es immer noch gut genutzte Lesezeit, die ich verbracht habe. Los ging es mit einem Jugendbuch.

Den siebten Band der Reihe um den 13-jährigen Anwaltssohn Theo Boone, geschrieben von John Grisham, hatte ich schon im Vormonat begonnen zu schmökern und mich bereits da über die Neugestaltung aufgeregt, die sich der Verlag ausgedacht hat. Warum nur, ändert man das Format vom Hardcover zur Klappenbroschur?

Warum ändert man Schriftzüge, Grafik und Titelanordnung? Das macht man einfach nicht. Ich verstehe, wenn man das erste Buch als Taschenbuch und die folgenden, da erfolgreich, als gebundene Variante herausbringt, aber das sieht, vorausgesetzt, man hat den Platz dazu, im Regal einfach nicht gut aus. Davon abgesehen, habe ich die bereits auf Englisch gelesene Geschichte wieder gerne geschmökert. Vielleicht klappt es ja, und John Grisham schafft es so, sich LeserInnen für seine erwachsenen Bücher heranzuziehen.

Zwei Aufsätze, genauer Essays haben den Lesemonat geprägt und mich umgehauen. Zum einem „Die Macht der Mehrsprachigkeit“, von Olga Grjasnowa, zum anderen „Rassismus – Strukturelle Probleme brauchen strukturelle Lösungen“, von Natasha A. Kelly. Über beide möchte ich keine großen Worte verlieren. Nur die: Lest die Rezensionen. Lest die Bücher. Unbedingt. Es lohnt sich.

Veit Etzold brachte mehr als ein wenig Spannung in den April hinein und schickte seine Ermittlerin Clara Vidalis in ihrem achten Fall nach Italien. Eine Geschichte voller Wendungen war das, die ich gerne gelesen habe. Seine Art des Erzählens sagt mir immer mehr zu. Hier war es besonders, da ich ein paar der Schauplätze schon einmal persönlich vor Augen hatte. Da erlebt sich solch eine Geschichte nochmals ganz anders.

Beeindruckt hat mich auch Eddie Jakus Biografie „Der glücklichste Mensch der Welt“. Was der Mann erdulden und erleiden musste, wie er trotzdem all die Jahre über so positiv denken konnte, war wirklich faszinierend zu lesen. Dieser Lebenswille und diese Freude auch haben mich so beeindruckt, wie er all den Schrecken des Holocausts trotzen konnte. Vor solchen Menschen kann man sich einfach nur verbeugen.

Danach, besagter Bildband. Yadegar Asisi zeigt deutschlandweit und inzwischen auch über die Grenzen hinaus Panoramen von Naturszenen und historischen Ereignissen. In Berlin kann man beispielsweise die Berliner Mauer nochmals sehen oder den Pergamon-Altar, wie er damals ausgesehen haben muss, in Hannover einen Teil des Amazonas-Gebiets, in Leipzig bereits den Mount Everest oder das Wrack der Titanic. Seine Panoramen sind großflächige Wimmelbilder, auf denen man immer wieder etwas Neues entdecken kann. Etwas, was zunächst unscheinbar wirkt, dann jedoch überwältigt. Wer einmal die Gelegenheit hat, eine seiner Ausstellungen zu besuchen, sollte dies unbedingt tun. Der Bildband versammelte hier einige seiner Skizzen und Arbeiten. Ich freue mich schon darauf, wenn wir wieder dürfen, diese Sachen einmal wieder live zu sehen.

Danach wieder ein wenig Text und Natur. Till Hein nahm mich mit, in die faszinierende Welt der Seepferdchen. Skurrile Tiere sind das, so behäbig, so gefräßig, so toll anzusehen. Der Autor hat es hier geschafft, mich für etwas zu interessieren, von dem ich einfach noch so gut wie nichts wusste. So muss ein Sachbuch geschrieben sein.

Zwei Romane haben dann noch Platz gefunden, im April. Der eine, eine Art Mischung aus Coming of Age und historischer Roman, der für mich nicht komplett funktioniert hat, da er über weite Strecken doch ermüdend war, der andere die Übertragung und das Weiterspinnen eines Szenarios, welches hoffentlich nicht so zur Gänze eintreten wird.

Was passiert, wenn eine Partei sich radikalisiert, zunehmend zweifelhafte Leute deren Bild und Richtung bestimmen, haben wir schon einmal in unserer Geschichte und zuletzt in den vergangenen Jahren erlebt. Was geschehen wird, wenn eine solche Partei die Macht ergreift, führt uns Ferdinand Schwanenburg in seinem Roman „Machtergreifung“ sehr eindrucksvoll vor. Ein Werk, welches mich überrascht und erschrocken hat, und von allen gelesen werden sollte.

So war dieser Monat schon lesetechnisch ein voller Erfolg, eine Art Literaturverfilmung möchte ich hier aber auch aufführen. Ich habe begonnen, die Serie „Die Durrells – Ein Familien-Abenteuer auf Korfu“ anzusehen. Vier Staffeln umfasst die BBC-Serie, die in je sechs Folgen, vom Leben der britischen Familie Durrell erzählt, die beschließt, in den 1930er Jahren auf die griechische Insel auszuwandern und sich dort mit allerlei Problemen herumschlagen muss und damit sind nicht nur die eigenwilligen Einheimischen gemeint, mit denen sie sich anfreunden oder auch nicht.

The Durrells (Die Durrells – Ein Familien-Abenteuer auf Korfu), englischer Trailer.

Geldprobleme, die Liebe und die Tierliebe des jüngsten Sohnes Gerald „Gerry“ sorgen immer wieder für kuriose Situationen. Wie schon Gerald Durrells Buch „Meine Familie und andere Tiere“ ist auch diese Serie voll britischen Humors und Fernweh verursachenden Szenen. Wer einmal den Kopf frei bekommen möchte, was vielleicht in der jetzigen zeit nicht so ganz falsch ist, dem seien Serie und Buch in jedem Fall empfohlen.

Mittlerweile lese ich schon die nächsten Bücher. Der Schwung aus dem April ist noch vorhanden. Ich hoffe, ich kann ihn noch ein wenig halten.

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