Robert H. Lustig: Brainwashed

Autor: Dr. Robert H. Lustig
Titel: Brainwashed
Seiten: 365
ISBN: 978-3-7423-0536-7
Verlg: riva / mvg

Inhalt:
Die Lebensmittelindustrie beeinflusst unser Glücksempfinden und schafft es, die entscheidenden Botenstoffe Dopamion und Serotonin zu manipulieren. Doch, wie entsteht aus Belohnung Abhängigkeit und wie lässt sich die endlose Spirale aus Verlangen und schneller Befriedigung durch Konsum durchbrechen?

Wie gefährlich ist der Überschuss des einen Hormons im Gegensatz zum anderen und wie können wir uns gegen den manipulativen Einfluss der Industrie wehren und den richtigen Weg zum Glück finden?

Autor:
Dr. Robert H. Lustig wurde 1957 geboren und ist ein US-amerikanischer Kinderarzt und Professor für Neuroendokrinologie. In new York aufgewachsen studierte er zunächst an der Cornell University Medizin, bevor er an der Rockefeller University auf den Gebiet der Neuroendokrinologie forschte.

Neben zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, erwarb er 2013 einen Master auf den Gebiet der Rechtswissenschaften und gründete eine gemeinnützige Organisation zur Bekämpfung des Metapolischen Syndroms. 2009 wurde er einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als er einen Vortrag über die Rolle von Zucker hielt, für dessen Regulierung er sich einsetzt.

Rezension:
Zucker kann man heutzutage durchaus als eine legale Droge gelten lassen, die zumindest in der westlichen Welt in vielen Ländern subventioniert wird. Doch, was macht es mit uns, wenn sich der weiße Stoff in nahezu allen Lebensmitteln befindet, selbst dort, wo man es nicht vermutet? Wie abhängig werden wir und was ist das überhaupt für ein Prozess, der in unserem Inneren stattfindet?

Der Arzt und Fachmann Dr. Robert H. Lustig hat sich auf die Suche nach Antworten begeben, geforscht und recherchiert. Wie ist das Gleichgewicht von Dopamin und Serotonin, die beiden Botenstoffe, die für unser Glücksempfinden entscheidend sind, durcheinander geraten? Welche Rolle spielt die Lebensmittelindustrie und wie können wir uns dagegen wehren?

Interessante und wichtige Fragestellung werden gestellt und durchziehen diese Publikation, die mehr als Nebenprodukt zu der wissenschaftlichen Forschung des Autors entstanden ist. Zunächst jedoch wird es sehr wissenschaftlich. Beginnend, erklärt der Autor, wie Serotonin und Dopamin in unserem Körper wirken, was das überhaupt ist und welche Weichen dadurch gestellt werden, die dafür sorgen, wie wir z.B. essen und unser Glücksempfinden (oder das vermeintliche) entwickeln.

Diese sehr spezifischen Ausführungen muss man überstehen, um dann die Gedanken des Arztes weiter zu verfolgen, die dieser sich über die Auswirkungen in unserer Gesellschaft, deren Zustand und Auswege daraus entsinnt. Nicht mehr ganz so viel Nachdenken erfordernd, ist dies der leichtere, viel kürze Teil des Buches, denen die meisten Leser wohl folgen können.

Spannend und vielsagen sind beide Abschnitte, doch muss der Leser zunächst eine sehr lange fachliche Erklärung über mehrere Kapitel über sich ergehen lassen, die viele Interessierte wohl bereits die Waffen niederstrecken lässt. Zwar aufgelockert durch ein paar Skizzen der beschriebenen biologischen und chemischen Prozesse, muss man sie vielleicht mehrmals lesen, um sie zu verstehen.

Der letzte Teil, sehr viel weniger umfangreich, dafür verständlicher, ist um so interessanter, doch gerät der Autor oft gefährlich nahe an den Rand so einiger populistischer Werke, die zudem sehr auf die amerikanische Leserschaft gerichtet sind. zwar werden immer wieder auch Vergleiche mit Deutschland aufgeführt, doch hätte man hier deutlicher werden können, um die Gefahr des Hormonbotenstoff-Ungleichgewichts hervorzuheben. Außerdem hat der letzte Abschnitt auch etwas von gewissen Selbsthilfe-Büchern, die alles tun, nur eben nicht helfen.

So ist und bleibt, obwohl schwierig zu lesen und zu verstehen, der wissenschaftliche Teil der inhaltlich stärkste und der, der den Lesern von größerem Nutzen ist. Dafür lohnt es sich, sich durch die Seiten zu kämpfen, bestimmte Abschnitte wiederholt zu lesen und sich vielleicht die eine oder andere Stelle zu markieren.

Man erfährt aus medizinischer Sicht vielleicht nichts Neues, aber der Laie kann ein wenig mehr Verständnis für die zur Sucht und Übergewicht führenden Vorgänge in unseren Körper und Gehirn entwickeln. Und damit wäre doch schon einmal ein wichtiger Schritt getan, oder?

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