Saroo Brierley: LION – Der lange Weg nach Hause

csm_9783548376479_9412206183Autor: Saroo Brierley
Titel: LION – Der lange Weg nach Hause
Seiten: 255
ISBN: 978-3-548-37647-9
Verlag: ullstein
Übersetzer: Michael Windgassen

Autor:
Saroo Brierley wurde 1981 in Khandwa, Indien, geboren und lebt in Australien. Im Alter von fünf Jahren schlief er versehentlich in einem Zug ein und erwachte rund 14 Stunden später in der ihm fremden Stadt Kalkutta.

Wochenlang lebte er auf der Straße und hielt sich mit Bettelei über Wasser, bevor er in ein Waisenhaus kam. Da er nur ungenügende Angaben über seine Herkunft machen konnte, blieb die suche nach seiner Familie ergebnislos.

Schließlich wurde er von einem australischen Ehepaar adoptiert.

Als junger Erwachsener machte er sich mit Hilfe von Google Earth auf, Indien nach seinem Dorf aus den Erinnerungen zu durchsuchen. Er fand es 2012 und reiste nach Indien, wo er seine Familie wieder traf. Zwei Jahre später schrieb er seine Geschichte auf, die 2016 verfilmt wurde.

Titel:
Dieses Buch erschien 2014 auch unter den Titel „Der lange weg nach Hause“, wurde aber zu Gunsten des 2016 gedrehten Films marginal umbenannt.

Rezension:
Vergleichsweise wenige Geschichten vermögen zu Tränen zu rühren. Eine solche ist sicherlich die von Saroo Brierley. In den ärmlcihen Verhältnissen Indiens aufgewachsen, stromerte das Kleinkind Sheru zusammen mit seinen Brüdern durch die Straßen seines Ortes, um Essen zu erbetteln und so den karegn Speiseplan aufzubessern.

Die alleinerziehende Mutter schaffte es mit ihrer arbeit nicht, die Kinder zu versorgen. Bei einem dieser streifzüge, die der Junge zusammen mit seinem älteren Bruder unternahm, ging er verloren als er in einem leeren zug schlich und einschlief.

Einen halben Tag später erwachte er und fand sich auf den Bahnhof des Millionenmolochs Kalkutta wieder. Fortan schlug sich Sheru, so der richtige Name, den er jedoch immer falsch „Saroo“ aussprach, durch und landete schließlich in einem Waisenhaus, von wo er von einem Aaustralischen Ehepaar adoptiert wurde.

Wohl behütet und liebevoll umsorgt, hielt er die Erinnerungen an seine Heimat wach und machte sich als junger Erwachsener auf die Suche. Das Unglöaubliche passierte. Er fand seine Familie und lebt nun in beiden Welten.

Schnell erzählt ist sie, die Lebensgeschichte dieses faszinierenden Jungen Mannes, der in seiner Kindheit nicht nur den Schock des Verlorenseins sondern auch einen kompletten Wechsel der Kulturen verkraften musste.

Der Leser weiß auch von Anfang an um den positiven Ausgang, doch der Weg dorthin wird mit ebenso großem Enthusiasmus und Detailliebe erzählt, dass der Leser sich förmlich selbst als das Kind sieht, welches zuerst in ständiger Angst, dann Neugier und schließlich als suchender junger Mann seinen Weg bestreitet.

Und der ist wahrlich lang. Mehrere Jahrzehnte nach der Trennung begleiten wir Saroo beim Treffen mit seiner indischen Mutter aber erkennen auch, wie wichtig es ist, im Ersatz-Kulturkreis Liebe, Halt und Unterstützung zu haben.

Saroo Brierley hatte dieses Glück und teilt seine Geschichte, um anderen Mut und Hoffnung zu geben. Hunderttausende Kinder, so wird vermutet, die genaue Zahl kennt niemand, leben verwahrlost alleine ohne geringste Chancen auf den Straßen der Metropolen des indischen Subkontinents.

Die meisten erreichen nicht das Erwachsenenalter, denn dort regieren Banden, Mord, Totschlag, Krankheiten und Hunger. Nicht wenige werden Opfer von Pädophilenringen oder gar Organhändlern.

Darauf aufmerksam zu machen, und dass es manchmal ausreicht, sich dem einen oder anderen Kind anzunehmen, sieht Brierley als wichtigste Aufgabe für die Verbreitung seiner Geschichte.

Zwar ist jede Adoption nur ein Tropfen auf den heißen Stein, genau so wie die Unterstützung von Hilfsprogrammen und Waisenhäusern, doch irgendwo muss man anfangen.

Brierley schildert ausdrücklich seine innere Zetissenheit zwischen der Liebe seiner Ersatzeltern und der Suche nach seiner richtigen Familie und gewinnt dabei die Herzen der Leser, ganz ohne zu übertreiben. Er erzählt und zieht den Leser in seinen Bann.

Erlebnisberichte bedürfen keiner Wertung, doch diese ist so eindrucksvoll, dass sie für die Leinwand adaptiert wurde. Sunny Pawar spielt hervorragend die Rolle des kleinen Saroo und man nimmt ihn anstandslos alle Emotionen ab, die auch beim Zuschauer durch die am Ende des Filmes laufenden realen Bilder geschürt werden.

Genau so im Bericht des wahren Saroo Brierley, auch dieses ist aufgelockert durch zahlreiche Fotos im Innenteil der Klappenbroschur und dem Bildteil in der Mitte des Buches.

Die Hoffnung nicht aufzugeben, das Unmögliche zu träumen und wahr werden zu lassen und darum zu kämpfen, ist die Botschaft Brierleys. Sie ist ihm sehr gut gelungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.