Filmblick: LION – Der lange Weg nach Hause

Regie: Garth Davis
Drehbuch: Saroo Brierley, Luke Davies
Original-Titel: Lion
Land: Australien, UK, USA, Indien
Schauspieler: u.a. Sunny Pawar, Abhishek Bharate, David Wenhem, Nicole Kidman
Länge: 118 min
Verleih: Universum
FSK: 12
IMDB.com

Die besten, mitunter anrührendsten und erstaunlichsten Geschichten schreibt immer noch das wahre Leben. Abseits der allgegenwärtigen, auch wunderbaren fantasy-Verfilmungen und so manchen Film-Kladderadatsch, der ebenso zu finden ist, sind es diese Filme, die es wirklich wert sind, angesehen zu werden. Filme, die auf einer wahren Geschichte beruhen, sei sie auch noch so unglaublich.

Garth Davis hat sich in einer bildgewaltigen Produktion der Geschichte von Saroo Brierley angenommen. Wir folgen letzteren als kleinen Jungen durch die indische Landschaft, der Umgebung seines Dorfes. Einem Elendsviertel, in der die Mutter die Kinder mehr schlecht als recht aufwachsen lassen kann und doch ihre ganze Aufmerksamkeit und Liebe den Kindern gibt.

Allen voran den beiden Kleinsten, der große Bruder Saroos hilft mit die Familie zu versorgen. Und nimmt den kleinen Saroo mit auf seinen Streifzügen, organisiert Essen und Milch, klaut Kohlen von den Güterzügen und bekommt dafür Geld. Indien unaufhaltsam, rasantes Wirtschaftswachstum und Bevölkerungsexplosion. Alleine, die meisten der Menschen bleiben auf der Strecke.

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Guddu, so heißt der große Bruder nimmt den Kleinen auch widerwillig in die benachbarte Stadt mit als er sich Nachtarbeit sucht, doch da passiert das Unglück. Saroo gruselt sich alleine auf den Bahnsteig, kraucht in einem stehenden Zug, schläft ein und merkt nicht, wie das Schienenfahrzeug sich in bewegung setzt.

Die Familie wird auseinander gerissen und der Junge landet auf den Straßen Kalkuttas. Ein Moloch, doch Saroo schlägt sich durch. Findet Kontakt zu anderen Menschen, reißt aus als das Kind Böses ahnt und landet schließlich in einem ärmlichen Waisenhaus.

Mehr Aufbewahrungsstätte als helfende Institution, finden die nun Verantwortlichen ein australisches Ehepaar, was den Jungen adoptiert. Der Junge bekommt die Chance auf ein besseres Leben, nutzt dies auch. Slumdog Millionär in Neu.

Doch die Sehnsucht nach der richtigen Familie schwelt unter den nun priviligierten westlichen Leben in dem später jungen Mann. Der begibt sich auf die Suche. Mit Google Earth sucht der Erwachsene die Nadel im Heuhaufen, bis er sie schließlich entdeckt. Doch, was wird er in Indien vorfinden?

Sunny Pawar stahl, wie letztes Jahr Jacob Tremblay, den etablierten Schauspielern auf der diesjährigen Oscar-Verleihung die Show. Er spielt die Rolle des Kindes Saroo, bezaubernd, anrührend und vollkommen glaubwürdig. Man sieht in jeder einzelnen Szene seine Traurigkeit, den Hunger, dann wieder Abenteuer- und Lebenslust und möchte ihn einfach nur in den Arm nehmen, gleichwohl man weiß, dass alles gut ausgehen wird.

Doch, bis dahin ist es ein wirklich langer Weg und so bekommt der kleine Pawar auch genug Screentime eingeräumt. Erwachsenenleben, die Suche und Kindheit, das Verlorensein teilen sich die Minuten gerecht untereinander auf und Regie und Produktion haben gut daran getan.

Natürlich spielt auch Dev Patel den erwachsenen Saroo ganz hervorragend. Innerliche Zerissenheit, gepaart mit dem Streben nach Zusammenhalt der Adoptivfamilie und dem Glück, vielleicht irgendwo da draußen noch eine andere, eine wirkliche Familie zu haben. Eingestreut immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit, die seelisch nicht nur Saroo an die Nieren gehen, auch den Zuschauern.

Sehr leise erzählt, durchbrochen vom hektischen Treiben der Metropole Kalkutta, Gegensatz von Wohlstand und Armut und das Pendeln zwischen Welten, von dem Saroo nicht weiß, ob er noch ein familiäres Standbein in Indien hat oder nicht, atemberaubende Landschaftsaufnahmen, eine Mischung die diesen Film besonders nahe gehen lassen.

Sehenswert sind schon alleine die Fotos am Schluss des wirklichen Saroos, die Aufnahmen des Aufeinandertreffens der wiedergefundenen Mutter mit der Adoptiv-Mutter und man wird da sitzen und weinen. Freudetränen, dass es immer noch so wunderbar ausgehende Geschichten gibt, in einer Welt, die scheinbar nur schlechte Nachrichten zu bieten hat. Die positiven muss man suchen, doch es gibt sie.

Sarros‘ ist eine von ihnen.

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