Jorgo Chatzimarkakis: Tagebuch eines griechischen Euro

tagebuch-eines-griechischen-euro-coverAutor: Jorgo Chatzmarkakis
Titel: Tagebuch eines griechischen Euro
Seiten: 191
ISBN: 978-3-95771-073-4
Verlag: Größenwahn Verlag

Inhalt:
Am 08. April 2001 wird um 11:33 Uhr in der staatlichen Münzprägeanstalt Athens eine griechische Ein-Euro-Münze gestanzt. Der monetäre Newcomer beginnt spontan eine Art Tagebuch zu führen, erlebt die Einführung ebenso, wie die damit verbundenen Hoffnungen und Wünsche der Menschen aber auch ihre Sorgen und Nöte.

Als der ganz große Knall in Form der Finanz- und Staatskrise kommt, beginnt die Münze über das eigene Sein zu philosophieren. Umgeben von Drachmen, die auf ihre nun nah erscheinende Rückkehr hoffen, wandert die Euromünze von Hand zu Hand.

Der kleine Cafe-Besitzer, der Oligarch, der Politiker, der Auslandsgrieche im Europaparlament, sie alle halten irgendwann den Euro in der Hand. Eine Münze, über die sie direkt und indirekt entscheiden, beobachtet von ihr selbst. (eigene Beschreibung)

Autor:
Jorgo Chatzimarkakis ist ein deutsch-griechischer Politiker. Geboren 1966 in Duisburg, studierte er nach dem Abitur Agrarwirtschaft und Politikwissenschaften.

Nach Abschluss des Studiums arbeiteter als wissenschaftlicher Referent im Bundestag und war später Mitglied im Planungsstab des Auswärtigen Amtes.

Nach der Eurpawahl 2004 saß er für die Fraktion der Liberaldemokraten im Europäischen Parlament und wurde im gleichen Jahr zum Präsidenten der Deutsch-Hellenistischen Wirtschaftsvereinigung gewählt.

Nach Aberkennung seines Doktortitels infolge der Plagiatsaffäre kehrte er nach Greichenland zurück und gründete dort die Partei der Hellenistischen Europabürger, scheiterte jedoch an der 3-Prozentklausel des Europäischen Parlaments 2014. Aktuell ist Chatzimarkakis in der freien Wirtschaft tätig.

Rezension:
Die Führung der Europäischen Union hat Not und Mühe ihre Länder beeinander zu halten. An allen Ecken und Enden, vor allem Rändern bröckelt das gebilde, was einst ein politisches und wirtschaftliches Gegengewicht auf Augenhöhe mit den USA agieren sollte.

Doch, ist zunächst kein südeuropäisches Land aus dem Traum eines vereinten Kontinents ausgeschieden, sondern zunächst Groß-Britannien. Doch, auf der anderen Seite Europas droht ähnliches Ungemach. Dieses Mal, nicht freiwillig.

Wie lange hält sich der Euro in einem durch ein korrputes und vetternwirtschaftlich geprägten System, wie es in Griechenland herrscht. Wohin führt der Weg der Politik und Wirtschaft, der kleinen Leute und großen Entscheider, von EU-Beführwortern und Gegnern, Oligarchen und Troika-Unterhändlern?

Wird am Ende des Weges ein Euro von Hand zu Hand wandern oder werden sich die Griechen wieder der Drachme zuwenden?

Jorgo Chatzimarkakis macht den Ausspruch: „Eulen nach Athen tragen.“, wahr und gibt der heute gebeutelten Währung eine Stimme.

Aus Sicht des monetären Metallgepräges zeichnet er die jünge Geschichte Griechenlands nach, dessen Bevölkerung wie so viele andere die Hoffnungen mit dem Euro verbanden, in einer nunmehr friedlichen und sicheren Welt leben zu können.

Doch, das politische und vor allem wirtschaftliche System erweißt sich als Kartenhaus, welches in sich zusammengefallen ist. Angst und Unsicherheit, Armut und Hoffnungslosigkeit bestimmen nun den Alltag der desillusionierten Griechen. Und die Euromünze, sie beobachtet.

Eine Novelle gleichsam eine Liebeserklärung an eine europäisches Idee, die es wert ist diskutiert zu werden. Das ist Jorgo Chatzimarkakis in jedem Fall gelungen.

Dem Nicht-Griechen werden die Zusammenhänge und Probleme des griechischen Systems erläutert, ohne allzu sehr verkompliziert zu werden aber auch die politischen Sackgassen des südosteuropäischen Staates vor Augen geführt. Das ist so manches Mal eintönig und langatmig.

Die Idee aus einer ungewöhnlichen Perspektive sich mit der Problematik auseinanderzusetzen, hat jedoch etwas und sollte Beachtung finden. Wenn auch der Autor mit dieser Novelle vielleicht nur wenige Leser erreicht.

Ein Euro taugt einfach nicht zum Bestseller, wird er doch von der überwiegenden Mehrheit kritisch beäugt, wenn man auch seine Vorteile gerne mitnimmt.

Doch, am Ende bleibt der Traum eines Vereinten Europas der Völker, der zwar Risse bekommen hat, jedoch vor allem für die Bevölkerung kleinerer Staaten wichtiger Bestandteil des politischen Kits ist.

Zwar nicht mehr bedingungslos, gibt es immer noch Gründe an den Gemeinsamkeiten festzuhalten und auch währungspolitisch gemeinsam den Weg zu gehen.

Daran glaubt zumindest der Autor und auch der Leser wird nicht umhinkommen, das Geld in seinem Portemonaie anders zu betrachten. Immerhin haben, da sie inzwischen auch durch viele Hände gegangen sind, auch unsere Euromünzen viel zu erzählen.

Deren Geschichte ist noch nicht beendet.

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