Roddy Doyle: Henry der Held

u1_978-3-596-15146-2Autor: Roddy Doyle
Titel: Henry der Held
Seiten: 415
ISBN: 978-3-596-15146-2
Übersetzer: Renate Ort-Guttmann
Verlag: Fischer Taschenbuch

Handlung:
Ein Roman von Liebe, Hass und Rebellion. Henry ist arm, hungrig und ein wahrer Prachtkerl – der König der Straßen von Dublin. Schon mit vierzehn mischt er beim Osteraufstand 1916 mit. Er ist ein Rebell auf einem gestohlenen Fahrrad, ein Freiheitskämpfer – eine irische Legende. (Klappentext)

Autor:
„Roddy“, eigentlich Roderick Doyle wurde am 08. Mai 1958 in Dublin geboren und ist ein irischer Schriftsteller und Drehbuchautor. Er wuchs als Sohn eines Ausbilders im Druckereigewerbe und einer Krankenhaussekretärin in einem für irische Verhältnisse aufgeschlossenen und liberalen Eltrernhaus aus und lebte in einer Gemeinde mit protestantischen und jüdischen Freunden auf.

Bis Ende der 1990er Jahre arbeitete er als Lehrer für Englisch und Erdkunde, trotzdem er schon 1987 seinen ersten Roman veröffentlichte. Seine Werke beschäftigen sich vor allem mit irischen Figuren und den gesellschaftlichen Verhältnissen auf der Grünen Insel.

Mehrere seiner Bücher wurden bereits verfilmt. Doyle lebt mit seiner Familie in Dublin.

Rezension:
Henry ist ein Rotzlöffel von der dreckigen Fußspitze bis zu seinen Haaren, trotzdem schon in jungen Jahren gutaussehend und groß gewachsen. Der in ärmlichen Verhältnissen, vernachlässigt von seinem Vater und immer hungrig, aufwachsende Bengel schlägt sich durch.

Er erkämpft sich im ärmlichen Dublin seinen Platz unter denen, die nach Freiheit von der britischen Besatzung streben und nimmt als einer der jüngsten Kämpfer am Osteraufstand 1916 teil, der zum Fanal Irlands und Dreh- und Wendepunkt in Henrys Leben wird.

Fortan bringt er im Auftrag der IRA Menschen um, die sich der republikanischen Idee in den Weg stellen. Britische Soldaten, angestellte Iren, die für die Briten arbeiten, selbst Händler, die ihre Ware an die Besatzung verkaufen, um zu überleben.

Er reist durch’s Land, um für die Sache zu kämpfen, selbst als sich um die Kämpfer der ersten Stunde die Schlinge immer enger zieht und Führer wie De Valera in den Gefängnissen der Briten landen, die das Land vom Dublin Castle aus beherrschen, jedoch immer mehr die Kontrolle verlieren.

Henry macht keine Kompromisse, bildet selbst Kämpfer für die irische Frage aus, sieht viel zu spät, wie auch sein Blatt sich wendet. Immer deutlicher wird sichtbar, dass nicht nur er kämpft, sondern selbst ehemalige Gefährten erbitterte Gegner werden.

Doch, da ist es fast schon zu spät.

Dieser Roman ist einer der Gründe, warum man lieber zu autobiographischen Berichten oder Geschichten a la „Die Ache meiner Mutter“ greifen sollte, anstatt sich der Fiktion hinzugeben, die das Empfinden der Betroffenen nie so gut wiedergeben kann.

Doyle spinnt hier die Geschichte eines chancenlosen Jungen, der nach jeden Strohhalm greift aber alles andere als klug und vor allem weitsichtig handelt. Da ist einem dann doch ein Frank McCourt lieber, der trotz etwas ungewöhnlichen Schreibstils nachovllzieh- und fassbar sein Erleben geschildert hat.

„Henry der Held“ dagegen bleibt auf weiten Strecken alles andere als das. Seitenweise zieht die Handlung sich wie Kaugummi, dann widerum wird der Leser von der Dichte der Geschehnisse derart überrumpelt, dass es nicht zusammenpassen will.

Sympathisch ist einem der Hauptprotagonist ohnehin nur an wenigen Stellen. Das reich jedoch nicht für einen ganzen Roman.

Am Ende bleibt nur festzustellen, dass es in Kriegen nie gewinner gibt. Wenigstens das als Erkenntnis und wer ein wenig weiter denkt, dass die irische Frage auch heute noch nicht ganz abgeschlossen ist, wo die Mehrheit der Nordiren doch für einen Verbleib in der EU votierten, den Beschlüssen aber aus London folgen müssen und ohnehin nicht wirklich mit dem katholischen Irland zusammen können.

Trotzdem, der Autor verschenkt hier viel Potential, welches er sicher hat. Sprachlich schön, auch wenn hier nur von der Übersetzung die Rede ist, doch das Besondere eines Frank McCourt erreicht Doyle nicht, wenn gleich beide Autoren zu den irischen Schriftstellern schlechthin zu zählen sind.

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