Filmblick: Sieben Minuten nach Mitternacht

Filmblick: Sieben Minuten nach Mitternacht

Regie: J. A. Bayona
Drehbuch/Romanvorlage: Patrick Ness
Original-Titel: A Monster Calls
Land: Spanien, USA, GB, Kanada
Schauspieler: u.a. Lewis MacDougall, Felicity Jones, Sigourney Weaver
Länge: 108 Minuten
Verleih: Studiocanal
Filmstart Deutschland: 04.05.2017
FSK: 6
IMDb.com

In der Schule hält der Junge sich zurück, versinkt in seiner eigenen Traumwelt und kritzelt auf dem Zeichenblock die Beobachtungen seines Alltags, seine Phantasien und Träume. Doch, gerade letztere sind es, die ihm zu Schaffen machen.

Nacht für Nacht stürzt er in einem immer wiederkehrenden Alptraum, doch die Tage sind für Connor ebenso keine Alternative. Von den Mitschülern drangsaliert, zu Hause das Leiden seiner Mutter mit ansehen müssend, die immer mehr von ihrer Krankheit gezeichnet ist, flüchtet sich der Junge widerum in Träume.

Ein Teufelskreis, in dem ausgerechnet er einem Monster begegnen muss, welches sich Nacht für Nacht aus der Rinde einer alten Eibe in der Nähe des Hauses schält.

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Das knorrige Etwas zwingt Connor, ihn anzuhören, drei Geschichten zu erleben um schließlich den Ausgang einer vierten selbst zu erzählen und zu erkennen, dass das Loslassen eines geliebten Menschen manchmal die einzige Möglichkeit ist, unglaublich viel Mut erfordert, aber auch erforderlich ist, um nicht selbst zu Grunde zu gehen.

Juan Antonio Bayona ist hierzulande bekannt durch seine behutsame Regie des Films „The impossible“, der den Tsunami im Jahr 2004 zum Thema macht, und beweist auch dieses Mal, die Achtsamkeit vor dem zu verfilmenden Stoff.

Immerhin liegt diesem eine großartige Buchvorlage zu Grunde, geschrieben von Patrick Ness, und in der aktuellsten Ausgabe mit Zeichnungen von Jim Kay versehen, der auch für die Illustrationen der Sonderausgaben der Harry Potter Bücher verantwortlich war.

Nach erstem Durchsehen nah an der Geschichte, selbst nah an den Zeichnungen, die sich ebenso durch die Animationen, Träume des Jungen, ziehen, ist dies eine wunderbare märchenhafte Verfilmung. Man kann sich danach kaum einen anderen Regisseur für diese Geschichte vorstellen.

Die Filmemacher haben jedoch nicht nur einen guten Riecher für eine tolle Erzählung bewiesen, sondern hatten auch mit der Auswahl an Schauspielern einen Glücksgriff.

Felicity Jones nimmt man die Verletzbarkeit, das langsame Dahinsiechen durch die Krankheit, ebenso ab, wie die innerliche Härte der Großmutter, gespielt hervorragend von Sigourney Weaver, die dem Jungen nur auf das Unvermeidliche vorbereiten möchte, jedoch zunächst auf mehr als Ablehnung stößt.

Geraldine Chaplin, die schon im besagten Tsunami-Film auftrat, hier in einer ebenso kleinen wie bezeichnenden Rolle als Schulleiterin tut ihr übriges und die Stimme von Liam Neeson gibt dem Monster die nötige Atmosphäre.

Getragen wird der Film natürlich durch Lewis MacDougall, der seine Rolle hervorragend meistert. Ihm nimmt man Schmerz, Verwirrung, Unsicherheit ab und die Darstellung zwischen Kind und Pubertierenden. Ein Balance-Akt, der gelingt.

Faszinierend, wenn man bedenkt, dass er bis zu diesem Film nur eine kleine Nebenrolle an der Seite von Levi Miller (Pan) gespielt hat. Ein großer Film, bei dem nicht nur trick- und erzähltechnisch geklotzt wurde (und nicht nur gekleckert), sehenswert und nahbar.

Die eine oder andere Träne, auch das kennt man von Bayona, darf hier am Ende fließen. Die Geschichte wirkt. Und sie wirkt gut.

Die Buchvorlage:

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Autor: Patrick Ness
Titel: Sieben Minuten nach Mitternacht
Seiten: 216
ISBN: 978-3-570-15374-1
Verlag: cbj
Übersetzer: Bettina Abarbanell

Die Rezension zur Buchvorlage ist hier zu finden.

Die Filmkritik beruht auf einer Pressevorführung, zu der mich der Verlag cbj eingeladen hatte, bei dem die deutsche Übersetzung des gleichnamigen Buches erschienen ist. Danke, noch einmal, für diesen schönen Tag.

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