Peter Schmidt: Der Junge vom Saturn

978-3-8436-0390-4Autor: Peter Schmidt:
Titel: Der Junge vom Saturn – Wie ein autistisches Kind die Welt sieht
ISBN: 978-3-8436-0390-4
Seiten: 232
Verlag: Patmos

Inhalt:
Peter ist ein seltsamer Junge. Wenn er sich freut, flattert er mit den Armen, wie ein Vogel. In der Schule beißt er seine Mitschüler, weil er sich mehr durchbeißen soll.

Und zu Hause studiert er Landkarten, Vulkane und Planeten, nachdem er mit drei Jahren begonnen hat, sich selbst Lesen und Schreiben beizubringen. Peter Schmidts Erzählungen über seine Kindheit mit Asperger-Syndrom sind faszinierend und einzigartig. Denn er kann sich nicht nur an jedes Detail seiner Kindheit erinnern, sondern sogar an die Stunden seiner Geburt!

Einordnung:
Dieses Buch kann man sowohl unter Lebenshilfe/Weltsicht einordnen als auch unter Biografie. Ich habe mich für letzteres entschieden, obwohl es an sich beides ist, da hier der Autor mehr über sein Leben berichtet.

Autor:
Dr. Peter Schmidt ist promovierter Geophysiker und IT-Experte. Seine Leidenschaft gilt den Vulkanen, Wüsten und Planeten. Mit 41 Jahren entdeckte er durch Zufall, dass er Autist mit ausgeprägten Asperger-Syndrom ist.

In den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften ist er hochbegabt, menschliche Kommunikation ist ihm hingegen oft ein Rätsel. Mit seiner Familie lebt er in Gadenstedt im Peiner Land. Seine Bücher sind mehrfache Bestseller.

Rezension:
Peter ist ein merkwürdiger Junge, für die anderen doch genau so ist für ihn seine Umgebung rätselhaft. Emotionen kann er nicht deuten und er interessiert sich auch nicht für Dinge, mit denen sich andere Kinder beschäftigen.

Er schaut lieber in den Sternenhimmel, liest Lexika gleichsam wie Romane und erstellt Statistiken. Von Autokennzeichen bishin zu Straßennamen. Wenn er zeichnet, achtet er auf Details der Räumlichkeiten aber die Gesichter der Menschen lässt er kurzerhand weg.

Peter nimmt Redewendungen wörtlich und wird so für die anderen zum Jungen vom Saturn. Und fühlt sich selbst wie einer, der außen steht, fühlt, dass er anders ist und denkt, nicht nachvollziehen kann, warum andere denken und handeln, wie sie es tun.

Der Autor schrieb hier ein beeindruckendes Portrait über seine Kindheit mit Autismus und Asperger-Syndrom, zu einer Zeit als man noch keinen Begriff davon hatte. Sein täglicher Kampf mit Alltagssituationen, die für einem solchen tägliche Herausforderungen sind, stellt er mit viel Humor und in seiner einzigartigen Art und Weise zu Denken dar.

Und macht damit deutlich, wie schwer es Autisten haben, ihren Platz in einer Gesellschaft unter „Normalen“ zu finden aber auch, dass es selten diese sind, die über die Welt nachdenken und sie verändern können. Denker, Wissenschaftler, zumal wenn sie erfolgreich sind, sind meist keine 08/15-Menschen.

Mit seiner besonderen Sicht auf die Welt kämpft der „Junge vom Saturn“ um seinen Platz gegen alle Widerstände und findet nicht nur sich selbst.

Zum Anfang mag man Probleme haben mit den Schreibstil, der durchsetzt ist mit Kindheitsbegriffen und Ausdrücken (wie etwa „Weichwuschelweiß“ für Handtuch) und braucht eine Weile, bis man sich reingelesen hat.

Dann aber entdeckt man eine hochinteressante Lektüre, die es in sich hat. Denn nichts ist spannender als das normale Leben auch wenn das von Peter Schmidt ganz sicher nicht das ist, was man als normal bezeichnen würde.

Die Darstellung seiner Sicht auf das Leben als hochfunktionaler Autist und Asperger ist sehr detailliert und mag über die Schwierigkeiten im Alltag staunen, die sich für den Autoren in seiner Kindheit gezeigt haben. Aber auch Bewunderung aufbringen für seinen Kampf um eine Stellung in der Welt der „Normalos“.

Für Asperger sei dieses Buch empfohlen. Alleine schon um zu erfahren, dass man eben nicht unnormal sondern besonders ist, im positiven Sinne und dass man auch etwas erreichen kann, wenn man nicht so tickt wie der Durchschnitt der Gesellschaft.

Diese werden zudem einige interessante Parallelen zu ihren Leben entdecken. Für alle anderen sei Peter Schmidts Kindheitsbiografie ebenfalls ans Herz gelegt, um Verständnis zu bekommen für eine Welt, die den meisten verschlossen bleiben wird.

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