Caroline Brothers: Niemandsland

produkt-10002021Autorin: Caroline Brothers
Titel: Niemandsland
Seiten: 284
ISBN: 978-3-8333-0898-7
Verlag: Berlin Verlag Taschenbuch
Übersetzung: Monika Schmalz

Inhalt:
KabulTeheranIstanbulAthenRomParisLondon. Jeden Abend betet Aryan seinem kleinen Bruder Kabir die Stationen ihrer Reise vor. Wie ein Glaubensbekenntnis, ein Mantra. Falls sie sich einmal verlieren sollten. Sie wollen nach England, wo alles besser wird. Da sind sie sich ganz sicher… (Klappentext)

Autorin:
Caroline Brothers wurde 1963 in Australien geboren und studierte nach der Schule Geschichte am University College in London, wo sie promovierte. Danach arbeitete sie als Auslandskorrepondentin für die Nachrichtenagentur Reuters in Europa und Lateinamerika.

Derzeit lebt sie in Paris und schreibt Artikel für die New York Times und dem International Herald Tribune. Besonders im Thema Migration hat sie sich einen Namen gemacht.

Rezension:
Es gibt Romane, die schon aufgrund ihrer Seitenzahl unscheinbar wirken, hier noch verstärkt dadurch, dass man ihn durchaus im Erwachsenen- und Jugendbuchbereich finden kann, wobei er eindeutig mehr ersteres ist. Solcherlei Kleinode der Literatur schlägt man auf und sie treffen einem mit voller Wucht ins Herz.

Hier geht es um Ayran und Kabir, die nicht mehr haben als einander. Die Familie zersplittert, teilweise ermordet, fliehen sie vor dem Krieg, der in ihrer Heimat tobt, vor Elend und Terror. Immer das Fernziel England vor Augen, der Heimat eines entfernten Bekannten der Familie, der diese flucht schon auf sich genommen hat, begeben sich die beiden Jungen auf die gefährliche Flucht.

Und treffen Menschen unterschiedlichster Prägungen. Solche, die ihnen ohne Nachzudenken helfen, skrubellose Menschenhändler und Bauern aber auch selbstlose Helfer, die die Kinder manchmal auch nur mit kleinen Gesten ermuntern, durchzuhalten und an sich zu glauben.

Doch, immer wieder gibt es Rückschläge auf ihrer Reise quer durch den Kontingent und England rückt kurz vor Erreichen in weite Ferne für die beiden. Besonders Ayran, der Ältere, merkt, wie seine Energie immer mehr schwindet und ihm die Zeit davon rennt, doch Kabir wegen muss er durchhalten.

Der eindrückliche Schreibstil Caroline Brothers sorgt dafür, dass man die beiden Hauptprotagonisten sofort in sein Herz schließt und mit ihnen lacht, hofft und bangt, leidet. tatsächlich kann man gar nicht anders als von Seite zu Seite die Figuren auf eine Achterbahn der gefühle zu begleiten. Ein Roman der mitten ins Herz trifft, dies auch soll.

Wer anders denkt, ist entweder gefühllos oder ein Unmensch. Solche Romane sind es, die zum Nachdenken anregen. Wichtig in unserer Zeit, in der intensiv über die Flüchtlingsproblematik gestritten wird als wäre es ein intellektuell philosophisch theoretisches Thema.

Da wird mit Zahlen umhergeworfen und Statistiken ausgewertet, ohne die Einzelschicksale im Blick zu haben, die man betrachten sollte und nicht vergessen darf. „Niemandsland“ kann dazu beitragen, dies nicht aus dem Blick zu verlieren und sich den Menschen anzunehmen, zumindest über die Menschen nachzudenken, die oft genug nichts anderes haben als den Mut zur Verzweiflung und den Willen zu Überleben.

Die Autorin hat für ihren Roman gute Recherchearbeit geleistet, Interviews mit denen geführt, die Kabir und Ayrans Flucht so oder ähnlich erlebt haben, über den Alltag in afghanistan und der Behandlung der Flüchtlinge an den Grenzen Europas, die immer mehr zu einer Festung ausgebaut werden und die Idee der Freiheit und der Menschenrechte ad absurdum führen.

Bedrückend schlägt sich diese Vorarbeit in dem Roman nieder. Besoders hart, wenn man sich vor Augen führt, dass diese Geschichte so oder ähnlich schon hundertfach passiert ist und noch passieren wird. Traurig allemal.

Am Ende bleibt ein intensiver Nachgeschmack. Zwar hätte ich mir für die Protagonisten ein anderes Ende gewünscht aber das im Roman aufgeführte ist realistisch. Traurig und herzzerreisend aber möglich. Dies rundet die Stimmung der Geschichte gut ab.

Caroline Brothers intensiver Roman ist ein Stück Literatur, welches derzeit Pflicht in allen Schulen sein und gewissen Radikalen auferlegt werden sollte. Wer danach noch absolut dagegen ist, Flüchtlingen zu helfen, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Die Autorin gibt den Gedankenanstoß zu überlegen, warum sich Menschen auf die gefährliche Flucht begeben, doch wohl nicht aus Spaß sondern allein des Lebens willen. Der Roman hat mich tief berührt und aufgewühlt. Dieses Buch sollte defintiv mehr Aufmerksamkeit bekommen und auf den Büchertischen viel weiter oben platziert werden.

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