Gideon Böss: Deutschland, deine Götter

9783608502305Autor: Gideon Böss
Titel: Deutschland, deine Götter
Seiten: 398
ISBN: 978-3-608-50230-5
Verlag: Tropen

Inhalt:
Die religiöse Vilfalt in deutschland ist großß und wird immer größer. Ideal für die bislang unerlöste Seele von Gideon Böss. er macht sich auf eine Entdeckungsreise zu großen und kleinen Kirchen, Sekten und Tempeln zwischen Alpen und Nordsee.

Knapp 500 Jahre nach Luther gibt es in Deutschland mehr Götter als je zuvor: Magische Wölfe, freundliche Hexen, gute Aliens, fernöstliche Buddhas und einen waschechten Johannes den Täufer. egal welche Art der Seelenrettung man sucht, die Auswahl ist groß, vielfältig – und sehr unterhaltsam. (Klappentext)

Autor:
Gideon Böss wurde 1983 in Mannheim geboren und ist ein deutscher Schriftsteller und Kolumnist. Er schrieb Artikel für die Zeitschriften Cicero, Focus und Die Welt, außerdem betreibt er seit 2008 eine Online-Kolumne über Kultur- und Gesellschaftsthemen.

Für diese erhielt er von der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freriheit die Auszeichnung „Autor der Freiheit“. Er beschäftigt sich mit gesellschaftsrelevanten Themen und schrieb u.a. Beiträge über große Online-Konzerne aber auch zum Thema Religion und Glauben.

Im Jahr 2013 bweteiligte er sich am Buch „Auf ein Gläschen mit Helmut Schmidt“ als einer der Autoren. Ein Jahr darauf erschien sein Roman „Die Nachhaltigen“.

Rezension:
An wen oder was glaubst du? An was soll man denn glauben und warum? Gibt es ein Ziel? Was sind die Beweggründe? Wo liegen Unterschiede und wo Gemeinsamkeiten? Diese und andere Fragen stellt Gideon Böss sich und vielen anderen Menschen überall in Deutschland und lernt so seine Heimat von einer ganz besonderen Seite kennen.

Humor- und vor allem respetktvoll, nicht wertend aber immer auf der Suche nach Antworten begegnet er Vertretern vieler Religionen, großer und kleinen, gefährlichen Sekten und fliegenden Spaghetti-Monstern auf Augenhöhe.

Daber herausgekommen ist eine interessante, nicht trockene Sammlung, relgiöser Richtungen, die man so in Deutschland nicht vermuten würde, hat der Autor nicht weniger als 26 verschiedene religiöse Richtungen kennengelernt.

Er begegnet denen, die mit und in diesem Glauben leben, stellt kritische Fragen und macht vor allem eines. Zuhören und sich darauf einlassen. Eine Fähigkeit, die heute vielerorts fehlt, wo es doch gerade um religiöse Vielfalt geht, in einem Land, welches Flüchtlinge aufnehmen muss und Zuwanderer braucht.

Ehrlich, humor- und respektvoll begegnet der Autor einfachen Priestern und Gläubigen, die für ihr religiöses Ziel leben und ihm in ihre Welt einen Einblick gewähren.

Er erfährt von verzwickten religiösen debatten, Grund- und Glaubenssätzen, bringt Widersprüche zur Sprache und fordert heraus ohne seine Gesprächspartner oder die religiösen Gemeinschaften ins Lächerliche zu ziehen.

Fast mag man sich ebenso auf eine eben solche Sinnsuche begeben oder sich aus den bunten Topf an Göttern, Propheten und Glaubenswelten eine eigene Glaubensrichtung zusammenrühren, sollte man selbst keine passende finden.

So, wie es in den USA jeder machen könnte, denkt auch Böss mit Augenzwinkern eine eigene „Kirche Gideon Böss“ zu gründen. Vorlagen und Elemente gibt es in Deutschland schließlich genug.

Egal ob man nun Nudelmessen feiert, Aliens anbetet oder auf die Erlösung des Lebens von der Erde hinarbeitet, Deutschland ist auch in dieser Hinsicht ein sehr vielfältiges Land.

Einerseits wird die Zahl derer, die nicht mehr glauben immer größer, andererseits aber ebenso die derer, die einen Sinn fürs Leben suchen. Und manch einer entdeckt ihn in der Religion. Gideon Böss wirbt dafür, über den Tellerrand zu schauen, auch jenseits der großen Glaubensrichtungen. Ein Plädoyer für Vielfalt, Akzeptanz, Respekt und dem Wert des Zweifelns.

Einen guten Überblick bietet „Deutschland, deine Götter“, ebenso wie man manche seiner Vorurteile revidieren, manchen Blick schärfen und andere Religionen überhaupt erst einmal kennenlernen muss.

Für alle Atheisten, die gerne glauben würden, für alle Gläubigen, die suchen oder schon etwas gefunden haben und die anderen irgendwo dazwischen, eine humorvolle Leseempfehlung.

Autoren-Interview:

Der Autor von „Deutschland, deine Götter“ über Religion und Glaube in Deutschland. Er wurde 1983 in Mannheim geboren und begab sich auf die Suche, die religiöse Vielfalt seiner Heimat zu entdecken. Wir haben ihn interviewt.
Glauben Sie an Gott oder, sagen wir mal, ein höheres Wesen?
Gideon Böss: Nein. Mir kommt das alles zu sehr vor wie Geschichten, die sich Menschen erzählen, um keine Angst vor all dem zu haben, was wir über unsere Existenz nicht wissen können. Aber vielleicht haben die Religiösen auch Recht, das wäre für mich auch in Ordnung.
Was war der Auslöser, so viele unterschiedliche Religionsgemeinschaften zu besuchen?
Gideon Böss: Neugierde. Es hat mich schon immer interessiert, warum Menschen religiös sind, gerade weil ich so ein Denken eben persönlich gar nicht habe. Deswegen war es spannend, so viele Menschen zu treffen, die in so vielen verschiedenen Religionen ihre Heimat gefunden haben.
Wie kamen Sie überhaupt auf einige der Religionen? Abgesehen von jetzt einigen bekannteren, wäre ich bei anderen nicht auf die Idee gekommen, dass es sie überhaupt gibt.
Gideon Böss: Zuerst einmal habe ich mir einen Überblick verschafft, wie viele Religionen es in Deutschland überhaupt gib. Was gar nicht so einfach ist, weil ja auch längst nicht alle auch als Religionen anerkannt sind und darum nicht in den Statistiken vorkommen. Am Ende versuchte ich dann, die Religionen so auszuwählen, dass man einen möglichst guten Eindruck von der Vielfalt bekommt
Waren Sie erstaunt über die Vielzahl der Religionen?
Gideon Böss: Es sind tatsächlich viel mehr, als ich zu Beginn gedacht hätte. Eigentlich haben wir fast amerikanische Verhältnisse was die Vielfalt auf dem Glaubensmarkt angeht. Nur dass eben die Zahlen oft bescheidener sind.
Welche Religionsgemeinschaft hat Sie erstaunt und warum?
Gideon Böss: Die Mormonen sind eine sehr konservative Religion und umso erstaunter war ich, wie souverän sie mit Angriffen auf ihre religiösen Gefühle umgehen. Es gibt das Musical „Book of Mormon“, das sich über den mormonischen Glauben lustig macht und die Mormonen reagierten darauf, indem sie Werbeanzeigen im Begleitheft zum Musical schalteten. Das ist schon sehr lässig.   
Welche hat Sie enttäuscht?
Gideon Böss: Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters ist eine Satirereligion, aber die deutschen Mitglieder nehmen es mit der Satire nicht so genau und wollten sich nur ganz ernsthaft mit mir über die Probleme unterhalten, die Religionen mit sich bringen. Das ist legitim, aber mit Satire hat das dann eben nichts mehr zu tun.
Sie wurden praktisch überall mit offenen Armen empfangen obwohl Sie kritische Fragen gestellt haben. Hat Sie das überrascht?
Gideon Böss: Das hat mich nicht überrascht, da ja die meisten Religionen auch ein Interesse daran haben, sich zu präsentieren oder sogar aktiv missionieren. Von daher sahen das einige sicherlich auch einfach als weitere Möglichkeit an, sich der Öffentlichkeit zu zeigen.
Gab es Situationen, Momente, vor denen Sie Angst oder Bedenken hatten?
Gideon Böss: Es gab höchstens Situationen, die so gar nicht meinen persönlichen Moralvorstellungen entsprachen. Etwa wenn behauptet wurde, jeder sei selbst schuld an seinen Krankheiten, weil die nur zeigen würden, dass man nicht an Gott glaubt. Kranke Menschen, die ohnehin schon in einer dramatischen Situation sind, so etwas zu sagen, ist schon sehr mies  
In wie fern hat sich Ihre Sichtweise auf Religion, auf den Glauben in Deutschland und auf die Gläubigen selbst verändert?
Gideon Böss: Spannend war es zu sehen, wie sehr die Religionen auch die Zivilgesellschaft mitprägen. Als im vergangenen Herbst täglich Tausende Flüchtlinge nach Deutschland kamen, waren die Religionen ganz selbstverständlich dabei zu helfen. Und das eben nicht, um die Ankommenden zu missionieren, sondern weil sie Hilfe brauchten.
Wie sieht Ihr nächstes Projekt aus?
Gideon Böss: Das wissen bisher nur die Götter. Und ich. Aber ich habe den Göttern versprochen, es erst einmal noch für mich zu behalten. Aber es wird wohl wieder ein Sachbuch und ich werde dafür wohl wieder viel durchs Land reisen. 
Wäre Gideon Böss gläubig, welcher Religionsgemeinschaft würde er angehören und warum?
Gideon Böss: Protestant. Weil die mittlerweile so sehr ins beliebige kippen, dass ich da auch nicht weiter auffallen würde. Da wird alles in Frage gestellt, das Leben nach dem Tod, die Kreuzigung, die christliche Gottesvorstellung. An den Protestanten sieht man auch, welche Gefahren einer Religion blühen, wenn sie zu analytisch durchdrungen wird. 

 

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