Peter Wensierski: Die verbotene Reise

Die verbotene Reise von Peter Wensierski
Die verbotene Reise von Peter Wensierski

Titel: Die verbotene Reise
Autor: Peter Wensierski
Seiten: 255
ISBN: 978-3-442-15862-1
Verlag: Spiegel

Inhalt:
Im Sommer 1987 wagen die Ostberliner Studenten Jens und Marie, denen das Leben in der DDR zu eng ist, das große Abenteuer: Sie fälschen eine Einladung aus der Mongolei und erhalten so Visum und Pass für eine Reise nach Ulan Bator.

Wochenlang durchstreifen sie die faszinierende Weite des Landes und machen sich dann auf nach China, von wo aus sie in den Westen gelangen könnten. Schließlich stehen sie in Peking vor der westdeutschen Botschaft. Und müssen sich entscheiden … Die wahre Geschichte eines großen Abenteuers. Mutig, frech, grenzenlos. (Klappentext)
Autor:
Peter Wensierski wurde 1954 geboren und begann seine arbeit als Journalist mit Berichten aus der DDR. Als jüngster westlicher Journalist schrieb er für den Spiegel und andere Zeitungen.

Daneben portraitierte er als Dokumentarfilmer und Buchautor die Oppositionsbewegung in Kirchen- und Künstlerkreisen. Seit 1993 arbeitet er für das Deutschlandressort des Spiegel.

Rezension:
Es ist die Geschichte über eine Reise, die eigentlich laut Staatsobere hätte unmöglich sein müssen und damit auch eine erzählung über das Ausbrechen aus einem engen festgelegten Rahmen aus Indoktrination und Gemeinschaft, die alles und jeden kontrolliert.

Die beiden Ostberliner Studenten erleben in ihren Alltag immer mehr die Zwänge eines festgefahrenen Systems, in dem sich nichts bewegt und Andersdenkenden jegliches Vorankommen verwehrt wird. Auch Jens und Marie denken und leben nicht systemkonform und sehen sich mit den engen Grenzen der DDR konfrontiert und planen den Ausbruch als zunächst einmal nur eine Reise.

Zwar in befreundete Länder aber eben auch dorthin, wo man trotzdem als einfacher Bürger nicht ohne Weiteres reisen konnte. Nur, wenn man die dazu nötigen Tricks kannte. Und so machen sich die beiden auf den Weg durch Russland, in die Mongolei und beobachten Tiere und Natur.

Jens ist Student der Biologie und Marie studiert Bühnengestaltung. Wochenlang durchstreifen sie ein Land, fast ohne Grenzen und landen schließlich in China. Dort stellt sich für beide die Frage, ob sie die Chance zur Freiheit nutzen oder in einem zwar eingeengten aber geregelten Alltag zurückkehren sollen. Die Entscheidung treffen beide für sich.

Die Geschichte eines Ausbruchs, einer Flucht, die als solche nicht geplant war aber zumindest von Anfang an die Möglichkeit dazu offen hielt. Eine erzählung über die Hilfsbereitschaft der Menschen vor Ort, Begegnungen und immer wieder das Ausloten von Grenzen und des Mutes, Grenzen zu überwinden.

Peter Wensierski beschreibt die geschichte einer Flucht, deren Route wohl die wenigsten in betracht gezogen und durchgeführt haben aber auch die Zwänge und den druck eines Systems, der die beiden, Jens und Marie, dazu bewogen hat, darüber nachzudenken und überhaupt, warum nur einer der beiden letztendlich dies gewagt hat.

In einer Mischung aus dokumentarischer, biografischer Variante, Roman und beinahe Natur- und Reisebericht zeigt der Autor, dass das Unmögliche möglich sein konnte, wenn man den Mut der Verzweiflung besaß, eine gewaltige Portion Glück hatte und die richtigen Menschen traf.

Das Werk, gehalten in dieser Mischung, hat einen einnehmenden Schreibstil, der sofort die Gedanken der beiden Studenten, deren Wege sich nach dieser Reise trennten, nachvollziehbar macht.

Beinahe ist man, zumindest gedanklich, mit den beiden unterwegs. Erlebte Geschichte. Aufgelockert durch unzählige Schwarz-Weiß- und Farbfotografien, die beide auf dieser Reise, die eigentlich unmöglich aber tatsächlich möglich war, machten.

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