Rainer Hermann: Die Golfstaaten – Wohin geht das neue Arabien?

9783423408400Titel: Die Golfstaaten – Wohin geht das neue Arabien?
Autor: Rainer Hermann
Seiten: 360
ISBN: 978-3-423-24875-4
Verlag: dtv

Inhalt:
Umstürze, Konflikte und Neuaufbrüche kennzeichnen Anfang 2011 das Leben in Staaten wie Tunesien, Ägypten, Libyen und Syrien. Diese „Arabellionen“ des „alten Arabiens“ sind Resultat der Sehnsucht einer ganzen Generation, die den gleichen Wohlstand, die gleichen Chancen und die gleiche freiheitliche Gesellschaftsordnung errreichen will wie westliche Demokratien.

Das „neue Arabien“ der Golfstatten woe Dubai oder Abu Dhabi hat in den letzten Jahrzehnten eine ganz andere wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung genommen als die stagnierenden und korrupten Gesellschaften und Regime im Zentrum der arabischen Welt, mit Vorbildcharakter auch für deren rebellietrende Jugend. Dort wachsen neue Städte, dort entsteht eine neue Kultur. (Klappentext)

Autor:
Rainer Hermann wurde 1956 geboren und ist Islamwissenschaftler und Diplom-Volkswirt. Er arbeitet als Redakteuer bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und berichtet seit 1996 aus der Türkei und der arabischen Welt.

Von 1991 an lebte er als Korrespondent mit seiner Familie in Istanbul, bevor er mit dieser 2008 nach Abu Dhabi zog. Sein Buch über die gesellschaftliche Wandlung in der Türkei (2009) fand breite Beachtung.

Rezension:
Im Jahr 2011 kochte die Stimmung in den arabischen Mittelmeerstaaten über. Vor allem junge Menschen begehrten gegenüber die quasi Diktatoren auf, die ihre Länder beherrschten und Korruption und Vetternwirtschaft gedeihen ließen.

Die Mehrheit diese Menschen hatte kaum Aussicht auf wirtschaftliche Teilhabe, geschweige denn Wohlstand und ein sicheres Einkommen, von politischer Teilhabe auch nur bedingt in wenigen Staaten. Das Bild der erfolgreichen und wirtschaftlich freien Nachbarn am Golf vor Augen, wollten sie Änderungen erreichen.

Doch, was macht die Nachbarn, etwa Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwaiit ooder Qatar eigentlich so erfolgreich? Abgesehen von Öl und Erdgaß als Bodenschätze, denn Bodenschätze haben Algerien und Co. durchaus auch.

Weshalb wachsen städte wie Dubai beinahe täglich, weshalb sitzt ausgerechnet der freieste arabische Fernsehsender im kleinen beschaulichen Doha und nicht etwa im 15-Millionen-Moloch Kairo? Wie gelingt eine kluge Wirtschaft, dieden Gewinn aus dem Ölgeschäft in eine Zukunft investiert, die einmal ohne diese Rohstoffe auskommen muss?

Wo liegen die Grenzen, die Chancen des Wachstums? Und wie werden Probleme angegangen, wenn man doch so sehr ins Gelingen verliebt ist?

Die andere Seite sind freilich auch dort Menschensrechtsverletzungen und der schwierige Umgang der herrschenden Familien mit ihrem Volk? Wie viel politische Teilhabe braucht es in einer Gesellschaft, der wirtschaftlich und ansonsten alle Türen offen stehen?

Wie viel politische Teilhabe will überhaupt der Emirati, der die Geschicke eines Unternehmens hinter Glsfassaden steuert und dabei ein Übermaß an Erfolg hat?

Wie lässt sich diese Dynamik außerhalb gigantischer Bauprojekte erklären und sind die Ölstaaten Staaten ohne Kultur, die mehr scheinen als sein, da vor wenigen Jahrzehnten dort praktisch nur Sand zu finden war? Sonst nichts.

Rainer Hermann begibt sich auf einen Streifzug durch die Vereinigten Arabischen Emirate und ihrer Nachbarn und erklärt, warum diese Staaten so erfolgreich sind.

Warum Dubai die heutige Moderne ist, Abu Dhabi die Stadt der Zukunft und was uns die Entwicklungen in Qatar und Kuwaiit zeigen. Er erklärt, wie das Zusammenspiel von erzkonservativ-islamischen Staaten wie Saudi-Arabien und freiheitlichen Gesellschaften wie die Emirate funktionieren und warum Demokratie hier eine Sache der Stämme und Familien ist, nicht der großen Politik.

Er zeigt, wie Staaten wie die Bevölkerung des Jemen um eine Zukunft kämpft, die es nur wenige Kilometer weiter bereits gibt und wie eine dynamische Wirtschaftspolitik, Religion und Tradition, sowie eine pragmatische Politik ineinander greifen und einen hohen Lebensstandard für alle erreichen können.

Anhand von Zeitungsartikeln, eigenen Recherchen und Erfahrungen als tatsächlich in der Region lebender hat Rainer Hermann eine interessante Analyse geschaffen, die diese und viele Fragen aufgreift und begutachtet.

Dabei kann man nur fasziniert sein von den Entwicklungen, die nur wenige Kilometer von Krisenstaaten ebenfalls aus diesem Kulturkreis stattfinden. Doch, er verschweigt auch nicht die Schwierigkeiten, Probleme und gesellschaftlich-politischen Differenzen und Schwierigkeiten, die es auch dort gibt.

Doch die sind eben andere und Probleme werden dort dann auch anders behandelt. So, dass eine Gesellschaft im ständigen Wandel imernoch wirtschaftlich erfolgreich bleibt. Denn nur so bleibt die Chance ein Abgleiten, in die gleichen Zustände der „alten arabischen Welt“, zu verhindern.

Der Autor hat hier sehr gut und umfassend recherchiert, was zu weiteren Nachforschungen und beschäftigung mit den hier einzeln aufgeführten Ländern ermuntert.

Tatsächlich zeigt er, dass es auch anders geht als uns die Medien in Bezug auf die Berichterstattung weiß machen wollen und dass Islam, Wohlstand, Teilhabe (wie auch immer), Fortschritt und Toleranz keine Widersprüche sein müssen, sondern in bestimmter Kombination sehr gut zueinander passen. Unproblematisch vielleicht nicht immer, aber für jedes Problem gibt es auch eine Lösung.

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