Timothee de Fombelle: Tobie Lolness II – Die Augen von Elisha

9783836952040Autor: Timothee de Fombelle
Titel: Tobie Lolness II – Die Augen von Elisha
Seiten: 441
ISBN: 978-3-8369-5204-0
Verlag: Gerstenberg
Übersetzer: Tobias Scheffel und Sabine Grebing

Autor:
Timothee de Fombelle wurde 1973 in Paris geboren und ist ein französischer Schriftsteller und Dramatiker. Mit 17 Jahren gründete de Fombelle eine Theatergruppe, für die er selbst Stücke schrieb und inszenierte.

Für eines dieser Stücke erhielt er in Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Clement Sibony den Prix du Souffleur (2002) und wurde als Theaterautor bekannt. Heue ist er einer der bekanntesten franzöischen Schriftsteller.

Sein Jugendbuch „Tobie Lolness“ wurde in 26 Sprachen übersetzt und u.a. mit den meisten französischen Jugendliteraturpreisen sowie den italienischen Andersen-Preis ausgezeichnet. Der Auftakt der Duologie errschien erstmals 2008 inDeutschland.

Handlung:
Seine Eltern leben noch! Nach zwei Jahren Exil im Grasland bringt die Nachricht Tobie dazu, auf die große Eiche zurückzukehren. Doch welch ein schrecklicher Anblick bietet sich ihm dort: Weite Teile des Baums sind abgestorben, die Bewohner leben in Angst und Schrecken – und sein Erzfeind Leo Blue will Tobies große Liebe Elisha zur Heirat zwingen. (Klappentext)

Rezension:
Der zweite Band einer Reihe entpuppt sich oft als der schwächere in einer Reihe. Sei es, weil die Übergänge ins Finale sich einfach hinziehen wie Baumharz oder das Pulver, was in Band 1 verschossen wurde, hier einfach an Wirkung verliert und man sich diese lieber für die Finalrunde aufspart.

Was aber, wenn die Reiehe tatsächlich nur aus zwei Bänden besteht und der erste von beiden einfach nur genial ist? Dann geht das entweder schief, wie bei Glukhovskys „Metro 2034“ oder wirkt phänomenal wie bei Tiomothee de Fombelle, der es geschafft hat, mit „Die Augen von Elisha“ einen würdigen Nachfolger zu veröffentlichen.

Und auch hier gehe ich dieses Mal, weil sich das lohnt, zu allererst auf das Cover ein.

Cover von Taschenbüchern werden entweder sträflich vernachlässigt, manchen Grafiker würde man am liebsten in die Kunstschule stecken, damit diese sich bessern oder sie produzieren Hingucker, wie es Francois Place auch hier gelungen ist.

Dieses Mal liegt der Handlungsort, die Äste des Baumes, unter einer dicken Schneeschicht begraben. Die Kälte und Dunkelheit, die die Geschichte im Gegensatz zum Vorgänger prägen, ist deutlich zu spüren. Der Titelschirftzug ist in den Herbsttönen absterbender Blätter gehalten, wie auch der Baum langsam stirbt unter den Machenschaften von Tobies Erzfeinden Leo Blues Jo Mitch’s.

Diese haben die Macht in der fragilien Gesellschaft des Baumes unter sich aufgeteilt und eine Sklaven-Diktatur des Schreckens geschaffen. Widersacher, wie Tobies Eltern, werden gefangen gehalten und zur Zwangsarbeit eingesetzt, auf alle anderen wird eine gnadenlose Hetzjagd betrieben, nicht zuletzt nach Tobie selbst.

Timothee de Fombelle zeigt auch hier wieder, wie wichtig Zusammenhalt, Toleranz und Akzeptanz ist, ein Kinderbuch gegen Hass, Feindschaft und Rassismus und für eine vielfältige Zukunft, wie sie heute von allzu vielen verteufelt wird. Das Buch wurde freilich zu einem Zeitpunkt geschrieben als Rechtsradikalismus und Intoleranz noch nicht die alltäglichen Schlagzeilen bestimmten. Man mag daher de Fombelle entweder eine besondere Weitsicht auf zukünftige Ereignisse zugestehen oder zumindest den Appell, es nicht so weit kommen zu lassen. Zumindest mit letzteren ist er heute vielleicht als gescheitert zu betrachten, wenn er diese Absicht denn gehabt hat aber er zeigt auch, dass Diktaturen, ob staatliche oder die der Meinungen, nicht lange überleben und immer ein Enmde finden, was mehr als tröstlich ist.

Insgesamt ist dies ein wunderbarer Roman für Kinder und angehende Jugendliche, der seine Leser ernst nimmt und sowohl von Klein als auch von Groß gelesen werden kann. Die älteren Leser werden die vielen Parallelen zum Heute bemerken, für jüngere ist es einfach ein spannungsgeladener lehrreicher Roman über Macht, Diktatur und krimineller Energie aber auch über Umweltschutz, Toleranz und akzeptanz, den Kampf um Gerechtigkeit und um das, was richtig ist. Ohne den Zeigefinger zu erheben. Timothee de Fombelle hat dies, wieder einmal, hinbekommen ohne ins Schlingern zu geraten. Die insgesamt kurzen Kapitel, reich illustriert, lesen sich flüssig und sind gespickt mit Cliffhangern, die dem Lesen mehr als zuträglich sind. Gern möchte man, dass Tobies Welt wirklich existiert. So weit von unserer eigenen ist sie ja nicht entfernt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.