Tom Callaghan: Tödlicher Frühling

9783455650488Autor: Tom Callaghan
Titel: Tödlicher Frühling
Seiten: 351
ISBN: 978-3-455-65048-8
Verlag: Hoffmann und Campe
Übersetzer: Kristian Lutze/Sepp Leeb

Autor:
Tom Callaghan wurde in Groß-britannien geboren und studierte nach der Schule im englischen York, sowie in New York am Vassar College. Er arbeitete als Creative Group Head und lebte in London, New York und Philadelphia. Später zog er nach Dubai, wo er bis heute lebt. „Tödlicher Frühling“ ist sein zweiter Thriller um Inspektor Akyl Borubaew. Sein Erstling erschien im Jahr 2015.

Handlung:
Ein Feld unterhalb des schneebedeckten Tienschen Gebirges. Akyl Borubaew blickt auf sieben Kinderleichen hinab, deren Körper Spuren schlimmster Misshandlungen aufweisen.

Wer ist zu so etwas fähig? Bei seinen Ermittlungen legt sich Borubaew mit den mächtigsten Kreisen des Landes an. Er weiß, dass er damit sein eigenes Leben auf’s Spiel setzt. (Klappentext)

Rezension:
Kirgistan ist den Nachrichten, wenn denn dort einmal etwas aufregendes passiert, allenfalls eine Randnotiz wert. Es eignet sich aber hervorragend als Kulisse eines Thrillers. Zumindest, wenn der aus der Feder von Tom Callaghan stammt.

So nimmt uns der Brite mit in die Abgründe des Splitterlandes, in dem alte Seilschaften aus längst vergangenen Sowjetzeiten immer noch wirken und Korruption und Misswirtschaft an der Tagesordnung sind.

So stößt der Protagonist an eine Mauer von Unwägbarkeiten und Hindernissen als es darum geht, mehrere Kindermorde aufzuklären, da auch hier die Mächtigen des Landes ihre Finger im Spiel haben.

Schließlich muss bis zum nächsten Umsturz, bis zum nächsten Putsch in die eigene Tasche gewirtschaftet werden, wehrend das Volk teilweise Neugeborene weggeben muss, um zumindest dem Rest der Familie das Überleben zu sichern.

Borubaew, ebenso zielstrebige, wie hartnäckige und sympathische Hauptfigur gratzt am Lack der Seilschaften des Landes und bekommt deren Unwägbarkeiten zu spüren, gerät selbst in den Malstrom der Ereignisse und in Vorwürfe, die ihm nicht nur seinen Job kosten können.

Doch der Inspektor deckt auf und sucht Beweise für eine schreckliche Vermutung. Doch der Atem der Mächtigen und Oligarchen ist lang und kalt.

Ein überaus spannender Thriller, den uns der Brite Tom Callaghan hier vorliegt, der unscheinbar und doch mit einem Knall ins rollen kommt, dessen Handlung aber erst langsam voranschreitet um dann mit voller Wucht zuzuschlagen. Und so ganz nebenher lernt man etwas über das gesellschaftlicher Funktionieren dieser Länder, wenn es ein solches gibt, auch wenn sich die Thriller-Gegebenheiten glücklicherweise nicht passgenau auf Kirgistan übertragen lassen. Doch, manchmal sorgt eben auch ein wahrer Kern für einen großartig grausamen und erschütternden Handlungsrahmen, der es in sich hat. Langeweile ausgeschlossen, Spannung bis zur letzten Seite. Nur, wer öfter Politthriller/-krimis liest, wird das Ende leicht vorhersehbar finden, aber etwas völlig Neues zu erschaffen, kann man praktisch nicht verlangen. Alles ist schließlich irgendwie schon einmal da gewesen.

Die Verpackung von Themen wie Vettern- und Misswirtschaft, Oligarchentum und organisierte Kriminalität, Menschenhandel, hat mir aber hier sehr gut gefallen. Der Autor schafft mit seinem packenden Schreibstil genug Gänsehaut. Weglegen kann man den Trhiller aber auch nicht. Die Kapitel kurz, Cliffhanger zahlreich und schnell hat man mehr Seiten insgesamt gelesen als man eigentlich wollte. Zu sehr wird man in den Strudel der Geschichte eingesogen. Einzig, die Ich-Perspektive war für mich gewöhnungsbedürftig, aber das liegt eher an meinem Leseverhalten, passt hier jedoch ganz gut.

Ein packender Polit- und Gesellschaftsthriller vor der Kulisse eines wunderbaren Landes, wie der Autor nach der Wucht des Endes im Dankeswort verrät. Kirgistan soll eine Reise wert sein, dennoch ist wohl niemanden zu empfehlen, sich in die Fußstapfen von Inspektor Borubaew zu begegeben. Wobei, als nur Leser kann man das ruhig machen.

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