John Grisham: Theo Boone und der große Betrug

Theo Boone und der grosse Betrug von John Grisham
Theo Boone und der grosse Betrug von John Grisham

Autor: John Grisham
Titel: Theo Boone und der große Betrug
Seiten: 252
ISBN: 978-3-453-26935-4
Verlag: Heyne / Heyne fliegt
Übersetzer: Imke Walsh-Araya

Inhalt:
Theo Boone, jüngster Anwalt aller Zeiten, riskiert alles für die Gerechtigkeit. Diesmal steht er vor einer ganz neuen Herausforderung: Er muss sich auf die Aufnahmeprüfung für die Highschool vorbereiten. Eine Riesensache, die ihm schlaflose Nächte bereitet. Denn die Tests gelten als unberechenbar.

Und als ob das noch nicht genug wäre, erzählt ihm seine beste Freundin April von einem ungeheuerlichen skandal – ein groß angelegter Betrugsfall, in den offenbar auch Theos Lehrer verwickelt sind. Da ist Theos Spürsinn gefragt, denn natürlich will er die Wahrheit ans Licht bringen… (Klappentext)

Autor:
John Grisham wurde 1955 in Jonesboro, Arkansas, geboren und studierte nach der Schule Jura in Mississippi. Er ließ sich 1981 als Anwalt nieder. Ein Aufsehen erregender Fall brachte ihn zum Schreiben.

Sein erster Thriller „Die Jury“ erschien kurz darauf bei einem kleinen
unabhängigen Verlag. Inzwischen hat er über 27 Romane geschrieben, die in über 40 Sprachen übersetzt wurden. Mit seiner Familie lebt er in Virginia. „Theo Boone“ ist seine erste Jugendbuchreihe.

Einordnung in die Reihe:
„Theo Boone“ ist eine Jugendbuchreihe. Dies hier ist Band 6. Es ist vom Vorteil, zum Verständnis die Bände in ihrer Reihenfolge zu lesen.

Rezension:
Wie Harlan Coben und andere große Autoren, die eigentlich für ihre Romane für Erwachsene bekannt sind, schreibt auch John Grisham zwischendurch an einer wertvollen Jugendbuchreihe.

Für frühe Jugendliche, insbesondere Jungen, schafft der ansonsten für harte Justiz-Thriller bekannte Autor eine Identifikationsfigur, die nicht nur im Spielland Amerika funktioniert.

„Theo Boone und der große Betrug“, ist der sechste Band, der beliebten Reihe um den dreizehnjährigen Sohn zweier Anwälte, der sich am liebsten im gericht herumtreibt und für die großen Prozesse schwärmt.

Während andere Jungen sich für z.B. Sport interessieren, lebt der Junge für das Recht und verteidigt schon mal Schulkameraden vor dem Tiergericht, doch immer wieder steht er selbst im Mittelpunkt großer Fälle, die ihm über den Kopf zu wachsen drohen.

Zunächst hat der sympathische und taffe Protagonist jedoch ganz normale Probleme, wie andere Schüler auch. Er muss sich auf die zentralen Tests vorbereiten und diese durchstehen, die darüber entscheiden, welche Einstufung er in der folgenden Highschool erlangen wird.

Ein enormer geistiger und kräftezehrender Aufwand für die Schüler, die die Arbeiten möglichst schnell und geräuschlos hinter sich bringen wollen. Damit schafft der Autor die Grundlage für die Identifikation mit den Protagonisten in diesem Band, der ansonsten ziemlich glatt daherkommt.

Immer noch ein Kind ziemlich erfolgreicher Eltern, ohne Ecken und Kanten, pubertätsfrei, Hobbys wie das Golfen, gehört Theo wohl zur oberen Mittelschicht und ist auch in seinen Charkterzügen positiv beschrieben. Gute Noten in der Schule, in seinen Entscheidungen moralisch einwandfrei.

Diese, anscheinend typisch amerikanische Erzählweise stört hier aber nicht und wirkt auch nicht aufdringlich oder gar mit erhobenen Zeigefinger. John grisham schreibt klar, deutlich und unprädentios.

Tatsächlich macht es auch in diesem Band, Kenntnisse aus den Vorgängerbänden sind vom Vorteil, mit zunehmenden Zeilen Spaß in die Geschichte einzutauchen. Gerade, weil man die Beweggründe der Hauptfiguren nachvollziehen kann.

Auch Grishams Gesellschaftskritik an bestimmte Auswüchse des amerikanischen Bildungssystems lassen sich auch für junge Leser hierzulande sehr gut erfassen, gibt es doch auch hier zentrale Tests, die allerdings nicht die Bedeutung haben, wie im anglikanischen Raum.

Klar und deutlich geschrieben, in kurze Abschnitte unterteilt, lässt sich der Jungenbuchroman schnell lesen. Die seiten fliegen nur so davon. Nicht überfrachtet, konzentriert sich die Geschichte um wenige Hauptfiguren, Nebenprotagonisten bleiben ziemlich blass.

Dies würde man vielleicht anderen Romanen als Schwäche anlassen. John Grisham hat hier aber ein gutes Maß gefunden, so dass es der Geschichte nicht zum Nachteil gereicht.

Die Figuren dürften den jungen Lesern inzwischen ans Herz gewachsen sein, handeln glaubwürdig, funktionieren aber auch nur ganz, wenn man die Vorgänger-Bände kennt. daher unbeidngt vorher lesen, dafür sind dann die Ausführungen zum amerikanischen Rechtssystem hier nicht mehr ganz so stark.

Aber der Autor schreibt halt Justizromane, kann es nicht lassen und zieht sich so wahrscheinlich eine neue Leserschaft heran. Auch eine Variante, um als Autor zu überleben.

Nicht, dass Grisham dies nötig hätte, „Theo Boone“ ist auch in diesem Band eine tolle Variante, wie der Spagat zwischen Jugendbuch und Erwachsenenliteratur funktionieren kann.

Etwas, was sich im deutschsprachigen Raum nur wenige Autoren, wie etwa Ursula Posznanski, leisten können. Die Kategorisierung gibt es anderswo auf der Welt nicht.

Der Klappentext ist ein wenig irreführend, handelt es sich im eigentlichen Sinne nicht um Theos Lehrer, sondern um die einer konkurrierenden Schule. Die Gesellschaftskritik an die schon für Kinder geschaffene Konkurrenzsituation, macht dies aber mehr als wett.

Spannend ist es allemal geschrieben und man darf auf weitere Bände hoffen, wenn auch der Protagonist immer noch im dreizehnten Lebensjahr festzustecken bleibt.

Davon abgesehen ist das Jungenbuch eines, was auf den Büchertischen viel weiter oben liegen sollte als es hierzulande meist geschieht. John Grisham für Jugendliche funktioniert nämlich mehr als gut.

Die Mischung aus Gesellschaftskritik, Spannung, Abenteuer und Justizroman für Jugendliche ist allemal lesenswert und zu empfehlen. Für groß und klein, und nicht nur kommende Anwälte.

Verständnis Englisch-Übersetzung:
Auch diesen Band habe ich zuerst auf Englisch gelesen und bin gut damit zurecht gekommen. Einfache Schulkenntnisse reichen aus, um der Handlung folgen zu können und den Inhalt gänzlich zu folgen.

John Grisham benutzt auch hier eine klare und verständliche Sprache, die dafür geeignet ist, in die Geschichte auch in der Fremdsprache eintauchen zu können. Schwierigkeiten haben sich beim Verständnis keine ergeben. Differenzen im Text zwischen dem englischen Original und der deutschen Übersetzung habe ich keine entdecken können.

isbn9781444767759

Hier, meine englische Ausgabe. Das Original ist aber aus den USA.
Autor: John Grisham
Titel: Theodore Boone - The scandal
Seiten: 212
ISBN: 978-1-444-76771-1
Verlag: Hodder & Stoughton

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