Portia Iversen: Mein fremder Sohn

512joxgqflTitel: Mein fremder Sohn
Autorin: Portia Iversen
Seiten: 414
ISBN: 978-3-442-15601-6
Verlag: Goldmann
Übersetzung: Maren Klostermann

Autorin:
Portia Iversen arbeitete erfolgreich als Art Director und verfasste zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen. Für die künstlerische Leitung einer Fernsehshow wurde sie mit dem „Emmy-Award“ ausgezeichnet.

1994, als bei ihrem Sohn Autismus diagnostiziert wurde, gründete sie zusammen mit ihrem Mann eine Stiftung, die sich zu einer der größten nicht staatlich finanzierten Förderstiftung für Autismusforschung weltweit entwickelte. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Los Angeles.

Inhalt:
Portia Iversen ist überglücklich, als ihr Sohn Dov gesund zur Welt kommt. Doch als er zwei Jahre alt ist und sich mehr für seinen Schatten als für seine Mutter interessiert, bestätigt ein Spezialist ihre schlimmsten Befürchtungen: Der Junge ist Autist. Nun setzt Portia alle Hebel in Bewegung, um ihn aus seiner Welt herauszulocken – vergeblich.

Erst der Kontakt mit einer Inderin, die mit ihrem autistischen Sohn anhand einer Buchstabentafel kommuniziert, lässt sie hoffen: Nach neun Jahren Fremdheit gelingt es Portia auf bewegende Weise, eine Brücke zu ihrem Sohn zu schlagen. (Klappentext)

Rezension:
Noch vor nicht einmal zwei Jahrzehnten als Medizin und Forschung praktisch jährlich neue Fortschritte und Entdeckungen machten, war Autismus für ein Großteil der wissenschaft immer noch ein blinder Fleck, das Asperger-Syndrom nahezu unbekannt. Und so sah sich die Autorin vor ratlosen Ärzten und Wissenschaftlern gestellt als sie eine Lösung suchte, zu ihrem Sohn Dov durchzudringen.

Die meisten, auch Fachleue rieten ihr, es aufzugeben, doch Iversen wollte an eine Chance für ihr Kind glauben, recherchierte und gründete mit ihrem Mann eine Stiftung eine Gendatenbank zur Autismusforschung, erarbeitete sich grundlegende medizinische Kenntnisse und nahm jeden Forschungs- und Zeitungsbericht, jede Dokumentation und Hinweis auf, der ihr und anderen betroffenen Eltern helfen könnte.

Durch einen Bericht und eine Dokumentation der BBC entdeckte sie schließlich eine Mutter aus Indien, der es gelungen war, mit ihrem ebenfalls schwer autistischen Sohn zu kommunizieren. War deren Methode der Schlüssel auch zu Dov?

Ich weigere mich Autismus und Asperger als Krankheit anzusehen, eher als Besonderheit im Alltag zu agieren. Für die Betroffenen und die sie umgebenden „normalen“ Menschen ist dies nicht leicht, da die Sicht und Wahrnehmung der Dinge einfach komplett unterschiedlich ist.

Heutzutage ist dies jedoch einfacher als noch vor ein paar Jahren, doch brauchte es viel Zeit und Geduld, hartnäckigkeit und Menschen wie Portia Iversen die Mauern des Autismus zu durchbrechen.

Nicht nur zu ihren Kindern, sondern auch zu Wissenschaftlern, diese zu überzeugen ihre gelegten Theorien und Ansichten zu überdenken, neue Tests zu entwickeln und die Grenzen von Forschung und Therapien zu erweitern. Gegen den Rat von gut meinenden Mitmenschen und der Schulmedizin.

Diesen steinigen Weg beschreibt Portia Iversen ausführlich, natürlich nicht neutral und beginnt mit der Geschichte ihrer Familie und ihres Sohnes, die sich schnell zur Lebensaufgabe und zum Drang entwickelte, nicht nur einem Kind, sondern möglichst vielen zu helfen.

Und so bekommt der Leser mit jeder Zeile nicht nur ein Lebenshilfe-Buch zu lesen, welches es anfangs vielleicht ist. So sind die ersten Kapitel durchaus leicht zu lesen, doch mti jedem Abswchnitt, in dem Iversen ihren Weg in die Vertiefung der Materie, ihre Beschäftigung mit Autismus vertieft, wird auch der Bericht anspruchsvoller, teilweise sogar sehr wissenschaftlich.

Erhöhte Konzentration ist dann erforderlich. Immer wieder muss man innehalten, wird nachdenklich und liest den einen oder anderen Abschnitt nochmals um selbst komplexere medizinische Erklärungen zu verstehen, auch wenn sie von einer zu Beginn medizinsich Laien geschrieben wurden.

Diese Mischung aus persönlicher, familiärer Geschichte und Kampf für ein gutes Ziel ist interessant und wirkungsvioll, hinterlässt auf jeden Fall Eindruck und neue Einsichten, bei jemanden, der mit der Materie noch nicht in Berührung gekommen ist. Betroffene Familien wird er wohl ermutigen, weiter zu hoffen und Berührungsängste hat man vielleicht auch keine mehr.

Denn, wie gesagt, Autismus ist eine Besonderheit und auch die meisten Autisten sind es, wiobei sie bis auf ein paar wenige Ausnahmen (hochfunktionale Autisten) es nicht so zeigen können, wie es vielleicht wollen würden.

Hinter den Mauern aus Stereotypen und scheinbar unkoordinierten unkontrollierten Bewegungen stecken oftmals intelligente Menschen, deren Potential entdeckt und gefördert werden muss. Wenn dieser erfahrungsbericht dazu beiträgt, hat auch Portia Iversen ihr Ziel erreicht.

Im Anhang finden sich weiterführende Informationen zu wissenschaftlcihen Theorien über Autismus, Forschungsberichte und Organisationen sowie Begriffserklärungen, um das ganze verständlicher zu machen.

Ansonsten gibt es Links, etwa zu der Stftung die Portia Iversen mitgegründet hat und zur Erlernung der Methode, die Iverson zusammen mit Soma und Tito Mukhopadhyay entwickelte, um mit ihrem Sohn zu kommunizieren.

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